Privatinsolvenz trotz Selbstständigkeit

//Privatinsolvenz trotz Selbstständigkeit

Privatinsolvenz trotz Selbstständigkeit

Es mag zwar ein wenig paradox klingen, aber auch Selbstständige haben die Möglichkeit, eine Privatinsolvenz zu beantragen. Dafür müssen einige wichtige Voraussetzungen vorliegen. Diese werden noch näher erläutert. Das Wichtigste bei solch einem Schritt ist die Ehrlichkeit des Schuldners. Nur so besteht eine realistische Chance auf die begehrte Restschuldbefreiung.

Voraussetzungen einer Privatinsolvenz für Selbstständige

Gerät ein Selbstständiger in eine finanzielle Schieflage, wird meistens das sogenannte Regel-Insolvenzverfahren eröffnet. Dies wurde in früheren Zeiten Konkursverfahren genannt. Sofern ein Selbstständiger Angestellte hat, muss dieses Verfahren auch heute noch angewendet werden. Hat er keine Angestellten, kann er problemlos die Privatinsolvenz beantragen. In dem Fall fließt aber auch das private Vermögen in die Insolvenzmasse. Das ist jedoch nicht weiter dramatisch, da es bei kleineren Unternehmen ohnehin fließende Übergänge zwischen dem Privat- und dem Geschäftsvermögen gibt.

Unbedingt anwaltlich beraten lassen

Bevor Sie als Selbstständiger einen Antrag auf Privatinsolvenz stellen, sollten Sie sich unbedingt von einem spezialisierten Fachanwalt oder einer Schuldnerberatungsstelle beraten lassen. Nur Fachleute kennen sich mit der gesamten Thematik aus. Das gilt insbesondere für die angestrebte Restschuldbefreiung. Deshalb dürfen beim Insolvenzverfahren keine Fehler gemacht werden.

Eine außergerichtliche Einigung anstreben

Es muss zunächst versucht werden, eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern zu erzielen. Dazu wird von einem Fachanwalt eine Auflistung Ihrer Einnahmen und Ihres Vermögens aufgestellt. Daneben ist eine Liste mit Ihren Verbindlichkeiten vorhanden. Den Gläubigern wird ein Vorschlag zur teilweisen Begleichung der Verbindlichkeiten unterbreitet. Stimmen alle Gläubiger zu, ist das Verfahren an dieser Stelle beendet. Das geschieht aber nur in den seltensten Fällen.

Ein gerichtlicher Schuldenbereinigungsplan wird erstellt

Nachdem die außergerichtliche Einigung gescheitert ist, wird ein gerichtlicher Schuldenbereinigungsplan aufgestellt. Dazu wird vom Gericht ein Treuhänder bestellt. Sie müssen über einen Zeitraum von sechs Jahren alle Einkünfte beim Treuhänder angeben. In der Zeit dürfen Sie nur Geld in Höhe des Existenzminimums behalten. Sollten Sie innerhalb dieser Zeit eine Erbschaft erhalten, müssen Sie davon die Hälfte an den Treuhänder abtreten.

Besonderheiten bei Selbstständigen

Für Selbstständige gelten in der sogenannten Wohlverhaltensperiode einer Privatinsolvenz verschärfte Bedingungen. Bei der Festsetzung der Zahlungshöhe wird ein Betrag ermittelt, den der Selbstständige verdienen würde, wenn er nach seiner beruflichen Qualifikation angestellt wäre. Diese Beträge muss er jedoch nicht unbedingt monatlich aufbringen. Je nachdem, wie bei ihm die Zahlungen der Kunden eingehen, kann er diese an die Gläubiger weiterleiten. Die Gläubiger haben dann allerdings ein Anrecht auf Verzugszinsen.

Die Restschuldbefreiung

Nach Ablauf von sechs Jahren kann auch ein Selbstständiger einen Antrag auf Restschuldbefreiung stellen. Die Voraussetzung dafür ist, dass er sich in der Wohlverhaltensperiode nichts zuschulden kommen lassen hat. Hat er beispielsweise falsche Angaben zu seinen Einnahmen gemacht, wird die Restschuldbefreiung abgewiesen. Sofern er jedoch alle Auflagen ordnungsgemäß erfüllt hat, steht einer Restschuldbefreiung nichts mehr im Wege.

By |2016-12-04T16:44:34+00:00Dezember 5th, 2014|Privatinsolvenz|0 Comments

About the Author:

Leave A Comment