Die Insolvenzberatung wird oft im Zusammenhang mit einer Schuldenberatung genannt und ist eine der ersten Anlaufstellen, wenn eine Überschuldung vorliegt und Verbindlichkeiten nicht mehr bedient werden können. Es gibt die Insolvenzberatung für den privaten und den geschäftlichen Bereich. Gemeinsam mit dem Schuldner wird sich ein Überblick über die aktuelle Schuldenlage verschafft und eine Einigung mit den Gläubigern ohne Insolvenz angestrebt. Aber auch dann, wenn eine Insolvenz notwendig wird, steht die Insolvenzberatung beratend zur Seite.

Insolvenzberatung

Was sind die Aufgaben der Insolvenzberatungsstelle?

Sucht ein Schuldner eine Insolvenzberatungsstelle auf, hat er in der Regel das Ziel, ein Insolvenzverfahren anzustreben und im Anschluss eine Restschuldbefreiung zu erhalten. Dies ist der Fall, wenn überschuldete Personen oder Unternehmen nicht mehr in der Lage sind, ihre Verbindlichkeiten bedienen zu können.

Im Rahmen der Insolvenzverordnung ist es jedoch erst einmal notwendig, über eine Schuldnerberatung oder einen Betreuer einen Schuldenbereinigungsplan zu erstellen und einen Versuch der Einigung mit den Gläubigern einzugehen. Sie ausgebildeten Berater bei den Schuldnerberatungsstellen streben daher die außergerichtliche Einigung an.

Häufig wird die Schuldenberatung und die Insolvenzberatung zusammen angeboten, da die Aufgabenbereiche ineinander übergehen. Allerdings ist zu beachten, dass es einige Unterschiede gibt.

Diese Aufgaben übernimmt eine Schuldnerberatung

Im Rahmen der Schuldnerberatung wird ein Überblick über die Schulden erstellt. Gleichzeitig erfolgt eine Prüfung und Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben. So wird geschaut, in welcher Höhe Guthaben zur Verfügung steht, um eine Schuldenregulierung vornehmen zu können.

Über einen Haushaltsplan wird zudem geprüft, wo noch Einsparungen möglich sind. Auch hier gibt es einige Bereiche, bei denen die Berater hilfreich sein können, wie die Umschuldung oder die Senkung der Kosten bei den Versicherungen. Der Schuldnerberater steht unterstützend zur Verfügung, wenn es um den Versuch einer einvernehmlichen Einigung geht.

Diese Aufgaben übernimmt die Insolvenzberatung

Die Insolvenzberatung schließt an die Schuldenberatung an, wenn eine einvernehmliche Einigung oder eine Schuldenbereinigung nicht erfolgreich waren. Es erfolgen die folgenden Leistungen:

  1. Beratung

Im Rahmen einer Insolvenzberatung erhalten Schuldner einen Überblick darüber, unter welchen Voraussetzungen sie ein Verbraucherinsolvenzverfahren erhalten können. Die Angaben für die Regelinsolvenz oder die Privatinsolvenz basieren auf der Insolvenzordnung.

Oft ist den Schuldnern nicht bewusst, dass die Insolvenz über das Insolvenzgericht nur den letzten Ausweg aus der Schuldenfalle darstellt. In der Beratung wird darauf verwiesen, welche weiteren Möglichkeiten es gibt. Die Gläubiger haben ein gesetzlich verankertes Recht darauf, dass sie einen möglichst großen Teil ihres Geldes erhalten. Im Rahmen der Insolvenzberatung wird darauf verwiesen, dass der Ablauf des Verfahrens bis hin zur Schuldenfreiheit nur dann möglich ist, wenn der Schuldner sich durch einen Insolvenzberater unterstützen lässt.

  1. Ausstellung von Bescheinigungen

Damit ein Gericht ein Verbraucherinsolvenzverfahren eröffnet, muss eine Bestätigung darüber vorliegen, dass der Schuldner Einigungsversuche angestrebt hat, diese aber gescheitert sind.

Dies ist einer der Gründe dafür, dass Schuldnerberatung und Insolvenzberatung oft Hand in Hand gehen. Über die Beratungsstellen für Schuldner werden die Versuche für die Schuldenregulierung durchgeführt. Verschuldete Darlehensnehmer erhalten hier Beratungshilfe und auch Unterstützung dabei, sich an die Gläubiger zu wenden. Auf diese Weise wird angestrebt, die Einigungen zu erzielen.

Der Schuldenbereinigungsplan muss jedoch durch alle Gläubiger angenommen werden. Entscheidet sich ein Gläubiger dagegen, dann kann das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Die Beglaubigung darüber, dass der Schuldenbereinigungsplan nicht umgesetzt werden konnte, erhalten Schuldner durch die Insolvenzberatung.

  1. Unterstützung beim Ablauf

Der Schuldner wird auch danach nicht alleingelassen. Die Berater helfen dabei, einen Antrag auf eine Insolvenz zu stellen. Es gibt mehrere Punkte, die hier beachtet werden müssen. Durch das spezielle Wissen der Berater in den jeweiligen Beratungsstellen, können Schuldner den Antrag schneller und effektiver Stellen. So wird das Verfahren für die Privatinsolvenz innerhalb einer kurzen Zeit eröffnet.

Zu bedenken ist, dass dieses auch mit einem Rechtsstreit in Verbindung steht. Für die Gläubiger bedeutet die Insolvenz eines Schuldners in erster Linie einen sehr hohen Verlust, da die Wahrscheinlichkeit der Zahlung von Außenständen sinkt. Es ist daher möglich, dass es zu rechtlichen Verfahren kommt. Die Insolvenzberatung ist auch hier ein Ansprechpartner.

  1. Beratende Funktion während der Insolvenz

Das Verfahren einer Insolvenz dauert im Schnitt fünf bis sechs Jahre bei den Verbrauchern. Innerhalb dieser Zeit kann es immer wieder zu unerwarteten Wendungen kommen, wie beispielsweise einer Erbschaft. Kommen hier Fragen auf, kann sich ebenfalls an die Insolvenzberatung gewandt werden.

Wo finden sich Anlaufstellen für die Insolvenzberatung?

Die Schuldenfreiheit ist ein Ziel, welches sich verschuldete Menschen setzen. Dafür ist es jedoch notwendig, die passende Anlaufstelle zu finden. Neben der Schuldenberatung in der Nähe ist das auch die Insolvenzberatung. Hier gibt es verschiedene Anbieter:

  1. Staatliche Angebote für die Schuldner- und Insolvenzberatung

Die Länder und Kommunen stellen normalerweise vom Staat finanzierte Angebote für die Insolvenzberatung zur Verfügung. Hier ist es hilfreich, sich beim Rathaus der Stadt oder des Ortes zu erkundigen, an wen sich gewandt werden kann. Ein großer Vorteil ist, dass die staatlichen Angebote in der Regel kostenfrei in Anspruch genommen werden können.

  1. Insolvenzberatung durch gemeinnützige Verbände

Gemeinnützige Träger stellen ebenfalls die Beratungshilfe bei Schulden zur Verfügung. Verschuldete Personen können sich an den zuständigen Ansprechpartner der Region wenden und sich hier erkundigen, welche Möglichkeiten sie haben.

  1. Anwalt

Einige Anwälte bieten ebenfalls eine Schuldner- und Insolvenzberatung an. Grundsätzlich ist dies jedoch eine der Anlaufstellen, die nicht im Vordergrund stehen sollte, da für den Schuldner hier weitere Kosten anfallen.

Insolvenzberatung als Unterstützer bei der Restschuldbefreiung

Seit dem Jahr 1999 haben Privatpersonen die Möglichkeit, den Weg einer Insolvenz zu gehen, wenn sie Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen können und auch nicht in der Lage sind, eine Einigung außerhalb des Gerichts mit den Gläubigern zu erreichen. Die Voraussetzungen für eine Insolvenz sind streng. Natürlich gibt es noch einmal Unterschiede für Privatpersonen und Unternehmen.

Das Verbraucherinsolvenzverfahren ist das vereinfachte Verfahren, welches entwickelt wurde, um auch Privatpersonen den Weg aus der Überschuldung zu ebnen. Die einzelnen Schritte setzen sich wie folgt zusammen und werden auch in der Insolvenzberatung genau besprochen:

  1. Der außergerichtliche Einigungsversuch

Verschuldete Personen haben die Aufgabe, sich genau mit ihren Schulden auseinanderzusetzen und erst den Versuch einzugehen, die Gläubiger zu bedienen. Hier greift noch nicht die Insolvenzberatung, allerdings die Schuldnerberatung. In mehreren Sitzungen werden alle Verbindlichkeiten aufgelistet. Dazu kommt eine Auflistung der gesamten Kreditsumme, der Laufzeiten und auch der Relevanz. Welche Gläubiger haben vielleicht sogar schon die Pfändung in die Wege geleitet?

Über einen detaillierten Schuldenbereinigungsplan wird geschaut, wie eine Insolvenz noch abgewendet werden kann. Ist dies nicht möglich, kann das Verfahren durch die Insolvenzberatung oder auch durch den Schuldner selbst beantragt werden. Die Insolvenzberatung steht dabei immer beratend zur Seite.

  1. Das Eröffnungsverfahren am Gericht

Wenn der Antrag eingegangen ist, dann wird dieser durch das Gericht geprüft. Unter anderem muss durch die Insolvenzberatung eine Beglaubigung darüber erteilt worden sein, dass es nicht möglich war, eine einvernehmliche Einigung zu erzielen. Hier wird das Gericht auch genau prüfen, welche Wege für diese Einigung gegangen wurden.

  1. Der Weg zum gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren

Entscheidet sich der Schuldner, sich auch während des Verfahrens durch die Insolvenzberatung betreuen zu lassen, dann wird er nun durch seinen Berater über das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren informiert. Das Gericht wird erst prüfen, warum der erste Versuch der Schuldenbereinigung gescheitert ist. Hierfür nimmt es normalerweise auch noch einmal Kontakt mit der Insolvenzberatung auf. Wenn das Gericht die Möglichkeit sieht, dass eine gerichtliche Schuldenbereinigung Erfolg haben kann, wird diese angestrebt. Wird der Versuch nicht als positiv eingeordnet, dann erfolgt auch keine Ausführung. Der Schritt wird übersprungen.

Wichtig: Bei einem gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren besteht die Möglichkeit, dass das Gericht dieses Verfahren durchsetzt, auch wenn nicht alle Gläubiger einverstanden sind. Dies ist dann der Fall, wenn mehr als die Hälfte der in dem Plan genannten Gläubiger die Zustimmung gegeben haben. Auch dann, wenn die Summe der Verbindlichkeiten der zustimmenden Gläubiger höher ist, als die Summe der ablehnenden Gläubiger, kann das Gericht die Schuldenbereinigung erzwingen.

  1. Das Insolvenzverfahren

Wenn die Schuldenbereinigung nicht durchgeführt werden kann, wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Jetzt geht es um die Wohlverhaltensphase. In dieser Zeit wird ein Teil der Schulden abgezahlt, so wie es für den Schuldner möglich ist. Nach Ablauf der Wohlverhaltensphase kann dann die Befreiung der Restschuld beantragt werden.

Wird der Insolvenzverwalter von der Insolvenzberatung gestellt?

Der Insolvenzverwalter begleitet den gesamten Prozess der Insolvenz und wird durch das zuständige Gericht gestellt. Es handelt sich hierbei nicht um eine Person, die in der Insolvenzberatung arbeitet. Normalerweise ist der Insolvenzberater als Anwalt im Bereich des Insolvenzrechts tätig. Er darf weder mit dem Schuldner noch mit den Gläubigern in Verbindung stehen.

Es muss sich um eine Person handeln, die keinerlei Verbindungen zu den Teilnehmern des Verfahrens hat und zudem objektiv ist.

Umschuldung als Schutz vor einer Insolvenz

Bevor es zur Insolvenzberatung geht, ist der Weg zur Schuldnerberatung von Vorteil. Es ist hilfreich, wenn sowohl die Schuldner- als auch die Insolvenzberatung unter einem Dach sind oder der Berater sogar beide Formen der Unterstützung anbietet.

In dem Zusammenhang ist es noch einfacher zu schauen, welche Wege es gibt, um eine Insolvenz umgehen zu können. Eine Insolvenz ist für einen Schuldner ein langer und auch schwieriger Prozess. Über Jahre hinweg gibt es nur einen bestimmten Betrag, der dem Schuldner bleibt. Auch Gehaltserhöhungen oder mögliche Gewinne und Erbschaften fließen in der Regel in die Insolvenzmasse ein.

Wer die Möglichkeit hat, vor der Beantragung einer Insolvenz noch andere Wege zu probieren, der kann beispielsweise die Umschuldung in Anspruch nehmen. Genau wie bei der Planung einer Insolvenz, ist auch bei einer Umschuldung wichtig, dass eine Übersicht über die Schulden sowie die Einnahmen gemacht wird.

  1. Zusammenstellung aller Verbindlichkeiten

Die Verschuldung basiert häufig nicht nur auf einem Kredit, sondern auf mehreren Verbindlichkeiten. Genau das ist ein großes Problem, welches die Schuldner haben. Sie verlieren den Überblick, schließen möglicherweise neue Kredite oder auch Ratenzahlungen ab, leihen sich Geld bei Freunden und Verwandten und geraten in einen Kreislauf. Um herausfinden zu können, wie viele Schulden vorhanden sind und ob es bereits notwendig ist, zu einer Insolvenzberatung zu gehen, ist eine Auflistung unbedingt zu empfehlen.

  1. Einnahmen gegenüberstellen

Auch dieser Punkt ist wichtig. So sollten Schuldner nicht nur ihre Ausgaben und Verbindlichkeiten vermerken, sondern auch ihre Einnahmen. Dies hat den Vorteil, dass schnell deutlich wird, ob sich die jeweiligen Verbindlichkeiten noch bedienen lassen oder die Einnahmen gerade ausreichen, um den täglichen Bedarf zu decken.

  1. Umschuldung prüfen

Oft besteht eine Schwierigkeit bei der Tilgung der bestehenden Verbindlichkeit vor allem darin, dass sich über die Zeit hinweg sehr viele Beträge angesammelt haben. Dies können auch nur kleine Beträge für Ratenzahlungen bei Versandhäusern sein. Im Rahmen einer Umschuldung kann eine Insolvenz daher oft noch abgewehrt werden.

So wird die Kreditsumme zusammengefasst und ein Umschuldungskredit beantragt. Mit dem Darlehen werden alle Verbindlichkeiten bedient. Schuldner können so die monatliche Rate senken und zahlen nur noch einen Betrag zur Tilgung der Schulden. In vielen Fällen sind sogar die Zinsen günstiger und es kann noch gespart werden.

Insolvenzberatung als große Hilfe für die Übersicht

Egal, ob es keinen anderen Weg mehr gibt, als die Insolvenz oder sich Schuldner erst einmal informieren möchten – die Insolvenzberatung ist hier eine wichtige Anlaufstelle. Die ausgebildeten Berater sorgen dafür, dass der Schuldner alle wichtigen Informationen erhält und sich ein Bild davon machen kann, wie der Weg einer Verbraucherinsolvenz aussieht.

Unterstützung bei finanziellen Problemen in Anspruch nehmen

Geldprobleme können das Leben stark belasten und wer noch nicht bereit ist, zu einer Insolvenzberatung zu gehen, der kann sich auch anderweitig Hilfe holen. Eine mögliche erste Anlaufstelle sind Sozialstationen oder Betreuungsvereine. Hier gibt es eine Sozialberatung oder auch eine Migrationsberatung, die unter anderem geldliche Themen aufgreift.

Ratsuchenden wird zudem beim Caritasverband geholfen. Unabhängig davon, ob es Mietschulden sind oder andere Gründe für die finanziellen Probleme vorliegen, kann durch die genannten Stellen sonst auch das passende Beratungsangebot zur Verfügung gestellt oder in der Nähe ausgewählt werden. Die Mitarbeiter unterstützen bei der Suche nach Hilfe. Die Hilfe kann von der Seniorenberatung oder der Familienpflege kommen. Sie kann über ein sozialpsychiatrisches Gutachten laufen oder einfach erst einmal zu einer Krisenberatung mit Suizidprävention führen. Ist das Einkommen bereits gepfändet, ist eine schnelle Hilfe der beste Weg, um zurück ins Leben zu finden.

Wichtig: Wirtschaftliche Probleme können auch Jugendliche schon betreffen. Daher gibt es teilweise spezielle Beratungsbereiche in der Jugendsozialarbeit oder der Schulsozialarbeit.