Privatinsolvenz: Erbschaft

Schuldner fragen sich zu Recht, was aus einer möglicherweise anstehenden Erbschaft wird, wenn sie in Insolvenz gehen. Wird dann das gesamte Vermögen eingezogen und zur Schuldentilgung verwendet? Eine Frage, die nicht nur finanzielle Aspekte aufwirft. Ein Nachlass ist immer das, wofür ein geliebter Mensch, den man nun verloren hat, vielleicht sein ganzes Leben lang gearbeitet hat. Und den möchte man als Hinterbliebener natürlich bewahren. In den verschiedenen Phasen einer Insolvenz gelten unterschiedliche Bestimmungen, die man kennen sollte.

Erbschaft während des laufenden Insolvenzverfahrens

Das Insolvenzverfahren beginnt mit der Abgabe des Antrags auf Insolvenz – und es endet mit dem Schlusstermin. Wer in dieser Phase eine Erbschaft macht, sollte wissen, dass diese vollständig in die Insolvenzmasse einfließt. Der Schuldner ist verpflichtet, dem Treuhänder die Erbschaft zu melden. Sie wird wie folgt verwertet: Geerbtes Bargeld wird zur Schuldentilgung herangezogen, vorhandene Immobilien und Wertgegenstände werden verkauft. Von dem Erlös werden die Gläubiger ausbezahlt.

Außerdem werden die Kosten des gesamten Verfahrens daraus beglichen. Ist es möglich, aus der Erbschaft sämtliche Forderungen und die Verfahrenskosten zu begleichen, ist eine Privatinsolvenz hinfällig. Eventuell übrige Gelder aus der Erbschaft werden dem Erben durch den Treuhänder ausbezahlt.

Reicht die geerbte Summe aus, um einen Großteil der Schulden zu tilgen, kann vorzeitig eine Restschuldbefreiung erteilt werden. Geben Sie als Schuldner die Erbschaft nicht heraus, wird Ihnen die Restschuldbefreiung versagt.

Erbschaft während der Wohlverhaltensphase

In der Wohlverhaltensphase sieht die Rechtslage ganz anders aus. Falls Sie während dieser sechs Jahre andauernden Phase ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens eine Erbschaft machen, müssen Sie diese zwar dem Treuhänder melden, dürfen jedoch 50 Prozent der Erbschaft behalten. Das gilt für Bargeld ebenso wie für wertvolle Gegenstände wie Schmuck, Kunstobjekte oder teure Autos.

Die Berechnung wäre nun recht einfach, wenn es sich bei der Erbschaft lediglich um Bargeld handeln würde. Meist jedoch bestehen Erbschaften eher aus einem Haus oder einer Eigentumswohnung und vielleicht aus ein paar wertvollen Gegenständen und etwas Bargeld. In solchen Fällen wird die Immobilie einem Wertgutachten unterzogen und verkauft. Wertvolle Gegenstände werden ebenfalls veräußert. Der Treuhänder kümmert sich in diesem Fall um die Formalitäten. Der Schuldner erhält fünfzig Prozent des Nachlasses, der dann ausschließlich aus Bargeld besteht.

Insolvenz durch Erbschaft ablösen?

Es steht dem Schuldner frei, dem Treuhänder den gesamten Nachlass zur Verfügung zu stellen, damit dieser verwertet werden kann. Möglicherweise kann er damit das Insolvenzverfahren vorzeitig beenden. Das ist eine Frage der Kalkulation. Sind die Schulden nicht allzu hoch, hat man aber gleichzeitig noch drei, vier oder fünf Jahre Wohlverhaltensphase vor sich, lohnt es sich möglicherweise, das Insolvenzverfahren durch die Erbschaft vorzeitig zu beenden, insbesondere dann, wenn aus dem Nachlass noch Gelder übrig bleiben, die einen angenehmen Neustart ermöglichen.

Häufig ist eine Verkürzung des Insolvenzverfahrens möglich. Wenn durch eine Erbschaft mindestens 35 Prozent der Verbindlichkeiten getilgt werden können, verkürzt sich die Wohlverhaltensphase auf drei Jahre.

Gläubiger können Versagen der Restschuldbefreiung beantragen

Die Tücke liegt im Detail. Wenn Sie während der Wohlverhaltensphase fünfzig Prozent der Erbschaft einbehalten, ist es fraglich, ob sich das für Sie lohnt. In diesem Fall kann nämlich ein Gläubiger das Versagen der Restschuldbefreiung beantragen, sofern er von der Erbschaft Kenntnis erhält. Wenn das passiert, heißt das im Klartext, dass Ihre Gläubiger nach der Wohlverhaltensphase wieder an Sie herantreten dürfen und Sie die Zahlung nicht verweigern können. In diesem Fall besäßen Sie nach durchlaufener Insolvenz immer noch Schulden. Das können Sie nur verhindern, indem Sie die Erbschaft ablehnen. Man spricht hier vom „Ausschlagen der Erbschaft“.

Das Erbe ausschlagen

Normalerweise lehnen Menschen keine Erbschaften ab, es sei denn sie wissen, dass sie nur Verbindlichkeiten erben. In der Insolvenz können Sie als Schuldner alles gebrauchen, nur keine weiteren Verbindlichkeiten. Deswegen dürfen Sie die Erbschaft grundsätzlich auch in der Eröffnungsphase ausschlagen, wenn Sie nachweisen können, dass Sie nur Schulden erben.
In der Wohlverhaltensphase müssen Sie gar nichts nachweisen, sondern dürfen die Erbschaft grundsätzlich ausschlagen.

Es kann Sie niemand dazu zwingen, eine Erbschaft anzunehmen, auch nicht, wenn Sie Ihre Schulden damit restlos tilgen könnten. Schlagen Sie die Erbschaft aus, fällt sie an den Erben, der in der Erbfolge direkt nach Ihnen kommt. Die Ausschlagung einer Erbschaft muss binnen einer Frist von sechs Wochen geschehen. Die gleiche Frist gilt für die Geltendmachung von Pflichtteilsansprüchen, wenn es mehrere Erben gibt: Melden Sie Ihre Ansprüche nicht an, gehen diese an die nächsten Erben über. Bestenfalls begünstigen Sie dann mit der Erbschaft Ihre eigenen Kinder.

Sind außer Ihnen keine erbberechtigten Personen vorhanden, sollten Sie die Erbschaft zur Schuldentilgung verwenden. Tun Sie das nicht, ist niemandem geholfen. In diesem Fall erbt der Staat den Nachlass.

Erbschaft von Zinsen oder Tantiemen

Es ist durchaus möglich, dass die Erbschaft aus monatlich oder jährlich ausgezahlten Zinsbeträgen, Firmenanteilen oder Tantiemenzahlungen besteht. Tantiemen sind Erlöse aus künstlerischen Tätigkeiten. Nehmen wir an, der Erblasser war ein bekannter Autor – dann verkaufen sich dessen Bücher auch noch nach seinem Tod. Die Tantiemen aus diesen Verkäufen stehen dem gesetzlichen Erben zu. Wenn der Nachlass aus solchen regelmäßigen Zahlungen besteht, so werden diese Ihrem Einkommen angerechnet. Dadurch erhöht sich nicht nur Ihre Pfändungsfreigrenze, sondern möglicherweise auch der Betrag, der monatlich an den Treuhänder abgeführt werden muss.

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