Wann ist eine Umschuldung lohnenswert?

Umschuldung scheint im Zusammenhang mit Krediten derzeit das Schlagwort schlechthin zu sein. Die Zinsen sind auf dem niedrigsten Niveau seit Jahren. Da muss eine Umschuldung doch zwangsläufig Vorteile bringen. Aber halt! Ganz so einfach ist es in der Praxis dann doch nicht.

Umschulden des Dispokredites führt zu einer finanziellen Entlastung

Umgeschuldet wird vordergründig, wenn mehrere Ratenkredite gleichzeitig bestehen oder ein großes Darlehen etwa für eine Immobilie abbezahlt wird. Geht es um den Dispokredit auf dem Girokonto, wird in der Regel nicht an eine Umschuldung gedacht. Dabei kann eine solche hier gerade sinnvoll sein.

Nehmen Sie Ihren Dispokredit in Anspruch, werden zwischen zehn und 20 Prozent Zinsen auf den Überziehungsbetrag erhoben. Je nach Höhe des Betrages können also schnell große Summen zusammenkommen, die über das monatliche Einkommen nicht mehr ausgeglichen werden können. Die Folge: Sie rutschen immer tiefer in die Schuldenspirale.

Befinden Sie sich in einer derartigen Situation, führt die Umschuldung des Dispokredits nahezu immer zu einer finanziellen Entlastung. Zu diesem Zweck wird ein Ratenkredit zu einem deutlich günstigeren Zinssatz aufgenommen und der Dispokredit mit dem Darlehen ausgeglichen. Wichtig dabei ist, dass die vereinbarten Raten Ihrem Monatsbudget angemessen sind. Zugleich empfiehlt es sich, den Dispokredit zu kündigen oder zumindest soweit abzusenken, dass Sie nicht wieder in die gleiche Lage geraten können.

Mehrere Ratenkredite in einen Kredit umschulden

Ein Umschuldungsklassiker ist die Zusammenfassung mehrerer Ratenkredite in einem Kredit. Dadurch werden zumindest schon einmal die monatlichen Ratenbelastungen übersichtlicher. Ob die Umschuldung aber sinnvoll ist, hängt von weitaus mehr Faktoren ab. Dazu zählen die Folgenden:

  • Höhe der Zinssätze, die auf die jeweiligen Kredite entfallen
  • eventuell im Rahmen der Umschuldung anfallende Kosten
  • tatsächlicher Kapitalaufwand
  • Laufzeiten

Grundsätzlich sollten Sie bei Krediten mit einer hohen Zinsbelastung eine Umschuldung in Erwägung ziehen. Wurden die Kredite in einer Hochzinsphase aufgenommen und es herrscht aktuell eine Niedrigzinsphase, lässt sich durch Umschulden praktisch immer ein Vorteil erreichen. Trotzdem ist es notwendig, alle Varianten genau durchzurechnen.

Auch einen einzelnen Kredit umzuschulden, kann sich lohnen

Werden mehrere Kredite gleichzeitig bedient, heißt das nicht, dass diese nur in der Gesamtheit umgeschuldet werden können. Erweist es sich als vorteilhaft, lediglich einen oder zwei Kredite umzuschulden, dann kann man dies tun.

Beispiel: Es laufen drei Kredite, deren Gesamtsumme rund 20.000 Euro beträgt. Das Auto macht dabei mit einer Restschuld von 11.000 Euro den größten Anteil aus. Des Weiteren werden ein Kredit bei einem Möbelhaus für eine komplette Schlafzimmerausstattung (Kaufpreis: 7.000 Euro) und ein Kredit bei einem Elektronikmarkt für einen Fernseher (Kaufpreis: 2.000 Euro) bedient.

Die Autofinanzierung wurde unter den für einen Autokauf üblichen Bedingungen abgeschlossen. Die Laufzeit des Kredites beträgt sieben Jahre, es fallen Zinsen an. Das Schlafzimmer und der Fernseher wurden im Rahmen von speziellen Werbeaktionen erworben. Die Kredite laufen drei Jahre beziehungsweise ein Jahr. Der Ratenkauf wurde wegen der zinsfreien Kreditgewährung gewählt.

Auf den ersten Blick scheint eine Umschuldung nur für den Autokredit infrage zu kommen. Die anderen Kreditverpflichtungen sind überschaubar und außerdem nicht mit Zinsen belastet. Für einen neu aufgenommenen Kredit werden Zinsen erhoben. Klarheit über die Sinnhaftigkeit einer Umschuldung und welche Kredite in diese einbezogen werden sollten, bringt nur eine Berechnung mehrerer Umschuldungsvarianten.

Um sich überhaupt erst einmal einen Überblick über die bestehenden Kreditverpflichtungen zu verschaffen, erstellen Sie sich am besten eine Übersicht. In diese tragen Sie für jeden bestehenden Kredit

  • den aktuell noch offenen Kreditbetrag inklusive Zinsen ein.
  • der Zinssatz
  • die Laufzeit
  • die zu zahlende Rate
  • eventuell anfallende Vorfälligkeitsentschädigungen bei vorzeitiger Ablösung
  • eventuelle Bankgebühren für Kreditbearbeitung etc.

Möglicherweise müssen Sie bei Ihrem Kreditinstitut nachfragen, um den aktuellen Stand und die Konditionen zu erfahren. Machen Sie sich die Mühe! Nur so können Sie später ermitteln, ob und in welchem Umfang sich eine Umschuldung für Sie lohnt.

Für den Vergleich rechnen Sie alle verbleibenden Verpflichtungen zusammen. Planen Sie das Umschulden mehrerer Kredite in ein einziges Darlehen, muss der komplette Kapitalaufwand für die umzuschuldenden Kredite erfasst werden, also auch die Kosten, die für die vorzeitige Auslösung erhoben werden. Dagegen gerechnet werden die eingesparten Zinsen.

Der aufzunehmende Umschuldungskredit sollte inklusive Zinsen und anfallenden Gebühren unter der errechneten Summe liegen. In dem Falle wird schon einmal der Kapitalaufwand geringer. Wie bei der Umschuldung des Dispokredites sollten die Raten bezahlbar bleiben. Hier sollte sich ebenfalls keine höhere Belastung ergeben.

Die Vorfälligkeitsentschädigung – nicht bei jedem Kredit ein Thema

Eine Vorfälligkeitsentschädigung entspricht sozusagen einer Schadenersatzzahlung. Durch die vorzeitige Ablösung eines Kredites – Zahlung der gesamten Kreditsumme vor Fälligkeit der letzten Rate – entgehen dem Kreditinstitut Zinszahlungen. Mit der Vorfälligkeitsentschädigung wird ein Teil dieses Verlustes ersetzt.

Nicht jeder Kredit ist an eine Vorfälligkeitsentschädigung gekoppelt. Üblicherweise wird sie bei Baudarlehen erhoben, da hier der Zinsverlust aufgrund des hohen Kreditbetrages weitaus größer ausfällt. Außerdem gelten für Baudarlehen in der Regel feste Zinssätze und sie unterliegen einer Zinsbindungsfrist. Kommt es vor Ablauf dieser Frist zu einer Umschuldung, wird eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangt. Das Umschulden eines Baukredites lohnt sich nur, wenn die Einsparungen durch den Umschuldungskredit nicht durch die Vorfälligkeitsentschädigung wieder aufgebraucht werden.

Wann lohnt sich eine Umschuldung? – Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  1. Dispokredite sind oft mit hohen Zinsen verbunden. Ein günstiger Ratenkredit zur Ablösung des Dispokredits bringt fast immer finanzielle Entlastung.
  2. Bei der Bedienung mehrerer Kredite kann sich eine Umschuldung als sinnvoll erweisen. Wichtig ist hier ein genauer Vergleich und die Einbeziehung aller relevanten Faktoren.
  3. Bei der Umschuldung von Baudarlehen ist eine eventuell anfallende Vorfälligkeitsentschädigung zu beachten.
  4. Bei einer geplanten Umschuldung kann auch bei der aktuell kreditgebenden Bank nach einem günstigeren Kredit gefragt werden.
  5. Hauptsächlich verfolgt eine Umschuldung den Zweck, den Kreditnehmer finanziell zu entlasten. Das soll vor allem durch einen insgesamt niedrigeren Kapitalaufwand erreicht werden. Ist das tatsächlich der Fall? Bleiben die Raten bezahlbar, ohne dass eine weitaus höhere Laufzeit der Zahlungsverpflichtungen in Kauf genommen werden muss?
  6. Eine Umschuldung kann zu jeder Zeit erfolgen und ist an keine Frist gebunden. Lohnt sich die Umschuldung zum jetzigen Zeitpunkt nicht, kann eine Überprüfung des Sachverhalts jederzeit noch einmal durchgeführt werden.
  7. Es besteht keine Pflicht zur Umschuldung. Sie sollte nur veranlasst werden, wenn sich wirklich Vorteile daraus ergeben. Diese sind nicht nur kurzfristig zu sehen, sondern für die gesamte Kreditlaufzeit.

Beispiel: Die Raten des Autos können aufgrund eines finanziellen Engpasses derzeit nicht in voller Höhe gezahlt werden. Eine Umschuldung scheint wegen einer geringeren Ratenbelastung sinnvoll. Der neue Kredit bietet zwar niedrigere Raten, verlängert aber das Abbezahlen des Fahrzeugs noch einmal um zwei Jahre. Außerdem ist der Zinssatz beim neuen Kredit höher als beim alten. Hier erfährt der Kreditnehmer offensichtlich nur eine Entlastung für den Moment. Bevor eine Umschuldung in Betracht gezogen wird, sollte mit dem Kreditinstitut nach einer anderen Lösung gesucht werden.