Umschuldung ohne Einkommen

//Umschuldung ohne Einkommen

Umschuldung ohne Einkommen

Wer kein regelmäßiges Einkommen hat, gerät schnell in eine Schuldenfalle. Genauso ist es, wenn die monatlichen Bezüge plötzlich nicht mehr ausreichend sind. Arbeitslosigkeit oder eine lange Krankheitsphase, bei der das Krankengeld nach einer bestimmten Zeit ausläuft, können beispielsweise Gründe dafür sein. Auch Freiberufler oder Selbstständige mit schwankendem Einkommen sind gefährdet, sich mit einer finanziellen Krise konfrontiert zu sehen.

Gründe für den Ausfall oder die Reduzierung des Einkommens gibt es viele. Aber die Kosten laufen weiter: Wohnungsmieten oder Raten für einen Immobilienkredit müssen bezahlt werden. Nebenkosten für Heizung, Strom und Wasser fallen an. Versicherungsverträge können nicht kurzfristig umgestellt oder gekündigt werden. Auf das Auto kann man je nach Wohnort nicht verzichten und Essen sollte schließlich auch auf dem Tisch stehen.

Dispokredit: bequem, aber teuer

In dieser Situation sind Sie vielleicht gezwungen, Ihr Girokonto zu überziehen, wenn kein Erspartes vorhanden oder das Guthaben aufgebraucht ist. Der von der Bank eingeräumte Dispokredit ist bequem, denn Sie können ihn einfach in Anspruch nehmen, ohne umständliche Antragsverfahren zu durchlaufen. Diese Bequemlichkeit lässt sich die Bank jedoch teuer bezahlen – die Zinsen liegen auch in der jetzt schon lange anhaltenden Niedrigzinsphase oft noch weit über 10 % im Jahr. Hinzu kommt, dass die Inanspruchnahme des Dispokredites keine geeignete Lösung für längere Zeiten ohne Einkommen ist. Wenn das Geld in diesem Monat nicht reicht, wird es vermutlich auch im nächsten Monat nicht passen. Der Schuldenberg wächst.

Ist das Dispo-Limit überschritten, können keine Barmittel mehr abgehoben werden. Außerdem führt die Bank Überweisungen nicht mehr aus und lässt Lastschriften zurückgehen. Für den Rücklauf von Lastschriften verlangt nicht nur Ihre Bank hohe Gebühren, sondern zumeist auch derjenige, dem Sie das Geld schulden und der es nicht von Ihrem Konto einziehen konnte. Für das Minus auf Ihrem Konto, das über dem Dispolimit ist, berechnet die Bank zusätzlich zum Zins noch eine weitere Überziehungsprovision. Stellt die Bank fest, dass es auf Ihrem Konto kein regelmäßiger Gehaltseingang mehr zu verzeichnen ist, wird sie vermutlich auch den Dispokredit kündigen. In dieser Situation mit einer solchen finanziellen Bilanz ist es schwierig, einen neuen Kreditgeber zu finden. Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Krise zu meistern.

Umschuldung – ein Weg aus den Schulden

Eine gute Chance, die scheinbar ausweglose Situation ins Positive zu wenden, ist die Umschuldung. Das bedeutet, dass bestehende Kreditverträge oder andere Zahlungsverpflichtungen wie etwa beim Vermieter, einem Versandhaus oder dem Telefonanbieter, in andere Kredite überführt werden, die an Ihre aktuelle Finanzlage angepasst sind. Der Gesamtbetrag der Schulden nimmt dadurch zwar nicht ab, aber die Rückzahlung wird erleichtert. Im Folgenden wird genau erläutert, wie dies funktioniert.

Umschuldung ist keine Privatinsolvenz

Die Umschuldung ist keineswegs mit der Privatinsolvenz zu verwechseln – diese führt zu einem Erlass von Schulden. Das klingt zwar zuerst gut, dieser Neuanfang ist aber auch mit vielen Einschränkungen in der persönlichen finanziellen Freiheit über einen langen Zeitraum verbunden. Die Umschuldung ist der bessere Weg, um diese Nachteile möglichst zu vermeiden.

Vertrauen in den Schuldnerberater

Ihre Gläubiger sind Experten, die sich in Finanzfragen auskennen. So einen Fachmann brauchen Sie auch an Ihrer Seite. Sie sollten Ihre Verpflichtungen analysieren und schauen, was zu welchem Zeitpunkt kündbar ist. Außerdem müssen Sie sich um frisches Geld – einen neuen Kredit – kümmern. Ein Schuldnerberater unterstützt sie. Er bringt Ordnung in Ihre Unterlagen, berät Sie und verhandelt fachkundig mit Gläubigern sowie Banken. Achten Sie darauf, einen kompetenten und vertrauenswürdigen Berater zu finden. Große Organisationen wie Caritas und Diakonie bieten Schuldnerberatung an, Adressen regionaler Anlaufstellen kennt der Verein Forum Schuldnerberatung e. V., der im Internet präsent ist.

Niedrigere Zinsen und kleinere Raten

Eine Umschuldung wirkt auf zweierlei Arten. Einerseits wird ein Kredit mit niedrigeren Zinsen aufgenommen, um die teuren Kredite abzulösen. Die Wirkung der Zinseinsparung ist vorteilhaft und spürbar, denn ohne Einkommen zählt jeder Euro. Andererseits ergibt sich die Möglichkeit, den Hebel einer Veränderung der Kreditlaufzeit anzusetzen. Das kann eine Zahlungspause sein, wenn sich absehen lässt, dass der Einkommensausfall nur temporär ist, wie etwa dann, wenn schon eine neuer Arbeitsvertrag in Aussicht ist. Zusätzlich oder alternativ lässt sich auch die Laufzeit des Kredites verlängern. Wenn mehr Zeit zur Verfügung steht, die Schulden zurückzuzahlen, verringern sich auch die monatlichen Raten. Der Schuldnerberater hilft bei der Berechnung, welche Belastung mit dem geringeren Einkommen noch tragbar ist und empfiehlt Ihnen eine entsprechende Gestaltung des Kreditvertrages. Die folgenden Zahlen machen die beiden Vorteile einer Umschuldung deutlich:

Zinsgünstiger Ratenkredit

Ihre laufenden Kosten, die monatlich vom Konto abgebucht werden, betragen 1.500 €. Sie bekommen aber nur 1.000 € Arbeitslosengeld. Jeden Monat haben Sie also 500 € Minus auf Ihrem Konto, das Sie aus dem laufenden Einkommen nicht ausgleichen können. Angenommen, Ihr Dispo-Zins beträgt 12 % pro Jahr, so zahlen Sie bereits im ersten Monat 0,50 € Zinsen (6,00 € Jahreszins, davon ein Zwölftel). Das erscheint Ihnen wenig? Im zweiten Monat haben Sie 1.000 € Schulden und zahlen 1,00 € Zinsen. Dabei sind Zinseszins-Effekte noch gar nicht berücksichtigt. Wenn Sie nichts unternehmen, häufen Sie in einem Jahr 6.000 € Schulden auf, und dafür zahlen Sie satte 720 € Dispo-Zins pro Jahr – wobei Ihre Bank vorher vermutlich längst die Notbremse gezogen hat.

Ein Ratenkredit über 6.000 € kostet weniger als die Hälfte an Zinsen, bei manchen Anbietern ist er für 4 % zu haben. Die jährliche Ersparnis kann also mehrere hundert Euro betragen. Ein Nachdenken darüber lohnt sich also.

Längere Laufzeit schafft finanziellen Spielraum

Die Wirkung einer verlängerten Kreditlaufzeit ist noch viel größer. Angenommen, Sie haben einen Autokredit von 10.000 € (einschließlich Zinsen) laufen, den Sie innerhalb von zwanzig Monaten mit 500 € monatlich zurückzahlen sollen. Gleichzeitig haben Sie bei einem Versandhaus TV und Hifi-Anlage für 1.200 € gekauft und eine Ratenzahlung von zwölfmal 100 € vereinbart. Da Ihr Kreditkartenkonto mit 800 € belastet ist und Sie den Betrag nicht auf einmal aufbringen können, haben Sie auch hier Teilzahlung in vier Raten zu je 200 € vereinbart. Konkret bedeutet das, Sie haben 12.000 € Schulden und müssten zumindest während der ersten vier Monate, bis der Kreditkartensaldo abbezahlt ist, monatlich 800 € dafür aufbringen. Es ist kaum verwunderlich, dass das nicht passt, wenn Sie praktisch ohne Einkommen dastehen.

Eine Umschuldung funktioniert nun wie folgt: Sie nehmen einen neuen Kredit über 12.000 € auf, mit dem Sie den bestehenden Verpflichtungen nachkommen. Für den neuen Kredit vereinbaren Sie eine Laufzeit von fünf Jahren (sechzig Monaten). Die monatliche Belastung sinkt auf 200 € zuzüglich der Zinsen, das sind zu Anfang bei einem günstigen Vertrag mit 4 bis 5 % Zinsen 40 bis 50 € im Monat, aber dieser Betrag sinkt, wenn Sie monatlich die Kreditraten bezahlen. Ihr verfügbares Einkommen erhöht sich um 550 € – eine sehr stolze Summe, mit der sich schon viele andere Verpflichtungen bezahlen lassen. Kombiniert mit dem ersten Beispiel würde es bedeuten, dass das monatlich verfügbare Arbeitslosengeld jetzt wieder reicht, um alles zu bezahlen.

Nicht den Kopf in den Sand stecken

Das Wichtigste bei der Umschuldung ist, dass Sie selbst handeln müssen. Der einzige wirkliche Fehler, den Sie jetzt machen können, ist, den Kopf in den Sand zu stecken und darauf zu warten, dass sich die Lage von selbst verbessert. Nur wer sich einem Schuldnerberater anvertraut, dem kann auch geholfen werden. Mehr als sechs Millionen Deutsche – das ist jeder zehnte Erwachsene – sind überschuldet. Schulden sind jedoch kein Grund für Scham, sondern für Handlungsbedarf.

Ein guter Schuldnerberater kann außerdem helfen, wenn Spielsucht, Alkohol oder eine andere Suchtkrankheit zu der Überschuldung geführt haben. Um wirksam für Sie tätig zu sein, muss er die Situation komplett überblicken. Er fällt keine moralischen Urteile, sondern verhält sich professionell. Er verdient Ihr Vertrauen, teilt Ihre Sorgen und zeigt Ihnen den Weg zu einem finanziellen Neustart.

By |2016-12-05T10:39:12+00:00Dezember 4th, 2014|Umschuldung|0 Comments

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