Umschuldung für Auszubildende

Ausbildung – das bedeutet in der Regel wenig Geld, aber große Wünsche. Die erste eigene Bude wird eingerichtet, ein gebrauchtes Auto angeschafft. Verlockende Angebote wie „später zahlen“ oder „0 % Finanzierung“ machen den Kauf leicht. Aber gerade junge Menschen verlieren hier schnell die Übersicht. Die Wohnung will beheizt werden, man muss Strom und Wasser zahlen. Das Auto braucht Benzin oder Diesel, und selbst wenn es nicht fährt, kostet es Steuer und Versicherung – und gerade die ist für Fahranfänger oft noch sehr teuer.

Ausgaben wachsen über den Kopf

Wenn zu den Kosten für Wohnen und Auto jetzt noch Kreditraten oder ein teuer abgeschlossener Handy-Vertrag kommen, ist das verfügbare Einkommen, das man aus der knappen Ausbildungsvergütung nach Steuern und Sozialabgaben erhält, schnell überschritten. Wer für seinen Ausbildungsberuf lernen und arbeiten muss, hat meist nicht die Zeit, noch etwas nebenbei zu verdienen. Ein Nebenjob würde möglicherweise das Ausbildungsziel gefährden, und dieses Risiko sollten Sie nicht eingehen. Geht jetzt noch der Kühlschrank oder die Waschmaschine kaputt, ist eine Reparatur am Auto fällig, sieht es auf dem Konto richtig düster aus. Es gerät ins Minus, und das bedeutet neue Ausgaben für die hohen Zinsen auf den Dispokredit. Und auch der ist irgendwann aufgebraucht, die Hausbank wird Ihnen ohne Sicherheiten keinen weiteren Kredit mehr gewähren. Wer jetzt nicht aufpasst und einen klaren Kopf behält, steckt im Nu in einer üblen Schuldenfalle, aus der man schwer wieder herauskommt.

Umschuldung – ein Weg aus den Schulden

Eine wichtige Möglichkeit, die scheinbare ausweglose Situation zu beherrschen, ist die Umschuldung. Umschuldung bedeutet, dass bestehende Kredite oder andere Schulden in neue Verträge überführt werden, und zwar ohne dass eine Verminderung des Schuldbetrages vorgenommen wird. Umschuldung ist also etwas ganz anderes als die Privatinsolvenz – diese bedeutet einen Schuldenschnitt, der zwar einen Neuanfang ermöglicht, aber mit gravierenden Einschränkungen in der finanziellen Freiheit erkauft wird. So weit muss es nicht kommen.

Schuldentragfähigkeit verbessern durch niedrigere Zinsen und längere Laufzeiten

Was bringt aber eine Umschuldung, wenn die Summe der Schulden dadurch gar nicht verändert wird? Darauf gibt es zwei wesentliche Antworten:

1. Die Zinsbelastung wird reduziert. Der Dispokredit auf dem Girokonto ist sehr bequem, aber unverhältnismäßig teuer. Trotz langjähriger Niedrigzins-Phase verlangen Banken und Sparkassen im Schnitt immer noch mehr als 10 % Jahreszins. Wer sein Dispo-Limit überschreitet, zahlt zudem noch eine kräftige Überziehungsprovision.

In Zahlen ausgedrückt: Ist Ihr Konto mit 1.000 € im Minus und Sie haben 12 % Dispo-Zins vereinbart, zahlen Sie jeden Monat 10 € allein für die Zinsen – und das auch nur unter der Voraussetzung, dass die Zinsen Ihre Schulden nicht erhöhen. Ansonsten steigt der Betrag monatlich durch den Zinseszins-Effekt. Einen Ratenkredit bekommen Sie im Durchschnitt schon für die Hälfte dieses Zinses, bei manchen Anbietern sogar unter 4 %. Das sind also schon mal mindestens 5 € jeden Monat gespart.

2. Erscheint Ihnen diese Ersparnis noch eher klein, sollten Sie sich den Effekt der verlängerten Kreditlaufzeit anschauen. Wer geliehenes Geld in kurzer Zeit zurückzahlen muss, hat hohe monatliche Raten. Es gilt also, die Laufzeit zu verlängern und dadurch die Raten zu reduzieren. Speziell in Ihrer Situation als Auszubildende oder Auszubildender kommt auch eine Zahlungspause infrage, wenn das Ende der Ausbildung absehbar ist und danach eine Übernahme in eine Festanstellung ansteht. Ihr großer Vorteil ist, dass Ihr finanzieller Engpass nur vorübergehend ist und sich die Situation mit beendeter Ausbildung vermutlich deutlich verbessern wird.

Auch hierzu ein Rechenbeispiel, der Einfachheit halber ohne Berücksichtigung von Zinsen: Zur Einrichtung Ihrer ersten Wohnung haben Sie bei einem Möbelhaus Küche und Schlafzimmer für 3.000 € gekauft und eine Finanzierung über 24 Monate vereinbart, macht also eine Rate von 125 € im Monat. Im Elektromarkt war der Flachbild-Fernseher zum Preis von 600 € so verlockend, dass Sie ihn gegen 12 Monatsraten zu 50 € mitgenommen haben. Sie haben jetzt also 3.600 € Schulden und im ersten Jahr eine monatliche Belastung von 175 €. Übersteigt das Ihre Möglichkeiten? Schließen Sie einen neuen Kreditvertrag über 3.600 € mit drei Jahren – 36 Monaten – Laufzeit ab. Mit diesem Geld bezahlen Sie Möbel und Fernseher, und Ihre monatliche Belastung sinkt auf 100 € für den neuen Kredit. Sie haben 75 € mehr verfügbares Einkommen zum Leben.

Professionelle Hilfe vom Schuldnerberater

Ganz so einfach, wie das hier klingt, ist die Sache natürlich nicht. Einen neuen Kredit müssen Sie erst einmal bekommen, und Sie müssen die Kündigungsfristen der bestehenden Verpflichtungen beachten. Eine Schuldnerberatung zahlt sich hier aus, denn dort sitzen Profis, die für Sie mit Gläubigern und Banken auf Augenhöhe verhandeln können. Seriöse Schuldnerberatung gibt es kostenlos zum Beispiel bei großen Organisationen wie der Caritas, und auch der Verein Forum Schuldnerberatung e. V. kann entsprechende Adressen nennen.

Ein guter Schuldnerberater kennt sich nicht nur mit Krediten und Verträgen aus, er kann sich auch psychologisch in die Situation des Schuldners hineinversetzen. Obwohl mehr als sechs Millionen Deutsche überschuldet sind – jeder zehnte Erwachsene -, ist die Situation für den Schuldner oft von Unsicherheit und Scham geprägt. Das gilt erst recht, wenn hinter der Überschuldung Probleme wie Spielsucht oder eine Alkoholkrankheit stecken. Für Sie gilt: Nur wenn der Berater alle Aspekte Ihrer finanziellen und persönlichen Situation kennt, kann er Ihnen wirksam helfen und eine entlastende Umschuldung herbeiführen. Er ist Profi, hat mit verschuldeten Menschen täglich zu tun und urteilt nicht. Schenken Sie ihm Vertrauen, und er kann Ihnen den Weg zum finanziellen Neuanfang durch eine Umschuldung zeigen.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.