Umschuldung eines Darlehens

//Umschuldung eines Darlehens

Umschuldung eines Darlehens

Die Umschuldung eines Darlehens nehmen Kreditnehmer vor, um die Tilgungsbelastung auf ein Maß zu reduzieren, das in ihr Haushaltsbudget passt. Es kann sich bei den Kreditnehmern um private Verbraucher und gewerbliche Unternehmen handeln. Im Unternehmensbereich, auch bei Institutionen, Behörden, Kommunen oder Ländern ist die Umschuldung eines Darlehens ein häufiger Vorgang.

Umschuldung eines Darlehens: Was passiert prinzipiell?

Vom Grundsatz her wird bei jeder Umschuldung eines Darlehens die Tilgungsdauer gestreckt und damit die Monatsrate verringert. Das kann mit der Neuaufnahme des Darlehens beim selben oder einem anderen Kreditgeber und der kompletten Ablösung des alten Darlehens einhergehen, jedoch ist das nicht zwingend. Ebenso können die neu vereinbarten Zinsen niedriger oder höher ausfallen als die des alten Darlehens. Häufig ist zu lesen, dass sich die Umschuldung eines Darlehens durch günstigere Zinsen sehr lohnen könne, doch das geht an der Realität vorbei.

Es können die folgenden Umschuldungsvarianten unterschieden werden:

  • Umschuldung des bestehenden Darlehens beim bisherigen Kreditgeber: Beide Seiten, Kreditgeber und -nehmer, stellen fest, dass die Monatsbelastung offenbar für den Kreditnehmer zu hoch ist. Es kam beispielsweise zu gelegentlichen Tilgungsausfällen. Beide Seiten vereinbaren die Umschuldung des bestehenden Darlehens zum selben effektiven Jahreszins bei längerer Laufzeit. Die monatliche Rate sinkt, die gesamten Zinskosten steigen aber durch die längere Laufzeit.
  • Umschuldung des Darlehens mit einem neuen Kredit – gleicher Kreditgeber: Es wird für die Umschuldung ein neuer Kredit mit demselben Kreditgeber vereinbart, der gänzlich andere Zins- und Tilgungskonditionen aufweisen kann. Das häufigste Beispiel ist die Umschuldung des Dispokredites bei der Hausbank. Die Hausbank gibt dem überforderten Kontoinhaber einen Ratenkredit zu wesentlich günstigeren Zinsen gegenüber dem teuren Dispo, dieser wird abgelöst, der Kreditnehmer zahlt in Zukunft den günstigen Ratenkredit in gleichmäßigen Monatsraten zurück. Zu dieser Tilgung ist er verpflichtet, er verliert zugunsten der niedrigeren Raten und Zinsen die Flexibilität des Dispokredites, den die Bank oft im Zuge der Umschuldung kürzt oder kündigt.
  • Umschuldung des Darlehens mit einem neuen Kredit – anderer Kreditgeber: Hierfür wird ein neuer Kreditgeber gesucht, weil der alte Gläubiger aus verschiedenen Gründen der Umschuldung des Darlehens nicht zustimmen könnte oder hierfür keine günstigen Konditionen anbietet. Wiederum kann der neue Kredit günstigere Konditionen aufweisen, das ist aber nicht zwingend. Auf jeden Fall sollte er so lange laufen, dass die Monatsraten niedrig genug ausfallen. Auch muss mit dem alten Kreditgeber die Ablösung des bestehenden Darlehens ohne Vorfälligkeitsentschädigung möglich sein (bei den meisten Verbraucherdarlehen ist das schon seit etwa 2010 der Fall), ansonsten würde die Umschuldung des Darlehens zu teuer.

Vor- und Nachteile der Umschuldung eines Darlehens

Die Umschuldung eines Darlehens generiert verschiedene Vorteile, die aber nicht alle zu erwarten sind:

  • niedrigere Monatsraten (immer zu erwarten)
  • niedrigere Zinsen (nicht immer zu erwarten)
  • Schutz vor Überforderung/Überschuldung
  • Schutz vor dem Druck permanenter Mahnungen und Vollstreckungsversuche
  • Schutz vor Insolvenz
  • vertrauensbildende Maßnahme gegenüber den Gläubigern
  • unter Umständen Möglichkeit neuer Finanzierungen

Diesen Vorteilen stehen Nachteile gegenüber:

  • meist höhere Kosten durch die längere Tilgung
  • spätere Schuldenfreiheit
  • manchmal schwieriges Management der Umschuldung
  • im Extremfall sehr teuer durch eine Vorfälligkeitsentschädigung

Kostenbetrachtung bei der Umschuldung eines Darlehens

Der oft kommunizierte Aspekt der vielleicht günstigeren Zinsen durch die Umschuldung eines Darlehens wird überbewertet. Er kann dennoch greifen, ist aber keinesfalls das Hauptmotiv für die Umschuldung. Dieses besteht in der Verringerung der Monatsbelastung (s.o.). Hier einige Kostenbeispiele:

  • Ein früherer Kredit zu einem Zinssatz von 4,5 % soll bei einer Restsumme von 10.000 Euro noch drei Jahre getilgt werden. Die Monatsrate hierfür beträgt 297,47 Euro, das ist dem Kreditnehmer zu hoch. Die Zinsen kosten bei noch dreijähriger Tilgung 708,89 Euro. Bei der Umschuldung des Darlehens wird nunmehr zum selben Zinssatz eine Tilgung über sechs Jahre vereinbart. Die Monatsrate sinkt auf 158,74 Euro, die Zinskosten steigen aber auf 1.429,30 Euro.
  • Ein früherer Kredit zu einem Zinssatz von 4,5 % soll bei einer Restsumme von 10.000 Euro noch drei Jahre getilgt werden. Die Monatsrate hierfür beträgt 297,47 Euro, das ist dem Kreditnehmer zu hoch. Die Zinsen kosten bei noch dreijähriger Tilgung 708,89 Euro. Bei der Umschuldung des Darlehens wird nunmehr zu einem niedrigeren Zinssatz von 3,0 % (neuer Gläubiger, bessere Marktsituation) eine Tilgung über sechs Jahre vereinbart. Die Monatsrate sinkt auf 151,94 Euro, die Zinskosten steigen aber immer noch leicht auf 939,45 Euro. Sie ließen sich durch eine Verkürzung der Tilgungsfrist auf fünf Jahre auf 781,21 Euro senken, die Monatsrate betrüge 179,69 Euro.
  • Ein früherer Kredit zu einem Zinssatz von 4,5 % soll bei einer Restsumme von 10.000 Euro noch drei Jahre getilgt werden. Die Monatsrate hierfür beträgt 297,47 Euro, das ist dem Kreditnehmer zu hoch. Die Zinsen kosten bei noch dreijähriger Tilgung 708,89 Euro. Inzwischen ist der Schuldner durch Mahnungen und Vollstreckungsversuche mit einem negativen Schufa-Eintrag belastet. Die Umschuldung des Darlehens ist nur noch bei einem Finanzvermittler zu einem wesentlich höheren Zinssatz von 9,5 % möglich. Es wird wiederum eine sechsjährige Tilgungsfrist vereinbart, die Monatsrate sinkt dadurch auf 182,75 Euro, die Kosten steigen jedoch auf 3.157,78 Euro.
  • Ein Dispokredit mit einem negativen Saldo von 2.500 Euro wird umgeschuldet. Für die Idealrechnung soll angenommen werden, dass mit dem Konto nichts mehr stattfindet (keine Eingänge, keine Abbuchungen oder Abhebungen), der Kontoinhaber inzwischen über ein weiteres Konto verfügt und für den Dispo nur noch die Zinsen zahlt, um nicht in den Bereich der geduldeten Überziehung zu geraten. Die Zinskosten betragen bei einem Zinssatz von 13,00 % jährlich 325 Euro, der Kontoinhaber zahlt sie quartalsweise mit der Abbuchung (immer 81,25 Euro). In drei Jahren kosten die Zinsen also 975 Euro. Mit der Bank wird eine Umschuldung per Ratenkredit vereinbart. Dieser kostet 4,5 % Zinsen, die Laufzeit soll drei Jahre betragen. Bei einer Monatsrate von 74,37 Euro betragen die Zinskosten für den Ratenkredit 177,22 Euro, der Kreditnehmer/Kontoinhaber hat also ganz enorm gespart. Darüber hinaus wird er den negativen Saldo los, den er vielleicht noch ewig weiterfinanziert hätte.

Umschuldung eines Darlehens: Fazit

Es ließen sich noch einige weitere Szenarien berechnen. Die grundlegende Erkenntnis lautet, dass die Umschuldung eines Darlehens oft alternativlos ist, zu Kostenersparnissen führen kann, aber nicht muss, und nicht zuletzt ein kluges Finanzmanagement verlangt. In vielen Fällen ist hierzu eingehende Beratung nötig.

By |2016-12-05T10:30:50+00:00Dezember 4th, 2014|Umschuldung|0 Comments

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