Die 5 größten Gefahren bei Umschuldungen

Die 5 größten Gefahren bei Umschuldungen

Eine Umschuldung erscheint vielen Menschen wie ein Hoffnungsschimmer in einer aussichtslosen Lage. Allerdings ist sie kein Allheilmittel, falls einem die Kreditbelastungen über den Kopf wachsen. Die größte Gefahr besteht darin, dass Sie sich durch eine Umschuldung eine noch größere Schuldensumme aufhalsen.

Bei einer Verschuldung auf eine Umschuldung verzichten

Ein Fall, bei dem eigentlich immer auf eine Umschuldung verzichtet werden sollte, ist ein laufendes Schuldenbereinigungsverfahren. Ein solches Verfahren stellt bereits eine finanzielle Entlastung dar. Die zu zahlenden Raten sind Ihren Zahlungsmöglichkeiten angepasst. Die Schuldsumme ist festgeschrieben. Kosten und Zinsen kommen keine mehr hinzu. Außerdem wissen Sie den genauen Termin, wann die Rückzahlung abgeschlossen ist.

Spielen Sie mit dem Gedanken, sich von Ihren Schulden durch eine Umschuldung zu befreien, ist das oftmals mit Nachteilen verbunden. Zudem ist es fraglich, ob Ihnen überhaupt ein Kredit gewährt wird. Mit einem Schuldenbereinigungsverfahren sind zumeist negative Schufa-Einträge und die Abgabe einer Eidesstattlichen Versicherung verbunden. Ein klares Zeichen für Kreditinstitute, dass Sie zahlungsunfähig sind.

Kredite ohne Schufa mit Vorsicht genießen

In dem Zusammenhang soll ebenfalls auf Kredite ohne die Einbeziehung der Schufa Bezug genommen werden. Für verschuldete Menschen stellen diese häufig die einzige Möglichkeit dar, überhaupt ein Darlehen zu bekommen. Da aber auch solche Banken – die zum Teil ihren Sitz im Ausland haben – eine gewisse Sicherheit verlangen, ist das Außenvorlassen der Schufa nicht unbedingt ein Vorteil.

Sicherheiten sind in dem Falle zum Beispiel ein festes Arbeitsverhältnis oder das eigene Haus. Geraten Sie mit Ihren Kreditraten in Rückstand, wird zwangsvollstreckt. Das heißt Lohnpfändung oder Zwangsversteigerung. Kein schöner Gedanke! Zugleich sind die Vorzüge dahin, die ein Schuldner während des Schuldenbereinigungsverfahrens genießt. Er darf während dem Laufen des Verfahrens keine neuen Schulden machen, sonst ist das gesamte Verfahren hinfällig. Die Gläubiger dürfen dann wieder die Eintreibung ihrer Forderungen aufnehmen. Und das in voller Höhe.

Umschuldung in einer Hochzinsphase

Ein Ziel einer Umschuldung ist es, durch einen Kredit mit einem niedrigeren Zinssatz den Gesamtkapitalaufwand für Sie zu verringern. Aus dem letzteren Aspekt ergibt sich eine weitere Gefahr.

Die Zinssätze sind beständigen Veränderungen unterworfen. Haben Sie beispielsweise Ihren Kredit oder Ihre Kredite in einer Phase mit einem niedrigeren Zinssatz als den aktuell geltenden abgeschlossen, zahlen Sie drauf. Zwar ergibt sich vielleicht aktuell eine niedrigere Rate, im Endeffekt zahlen Sie mehr. Das lässt sich an einem ganz einfachen Rechenbeispiel verdeutlichen:

alter Kredit:

ursprüngliche Kreditsumme: 10.000 Euro

Laufzeit: 48 Monate/4 Jahre

effektiver Jahreszins 2 % (Gesamtzinsaufwand): 409,87 Euro

noch offen aus diesem Kredit: 6.000 Euro

monatliche Rate: 216,87 Euro

neuer Kredit für Umschuldung:

benötigtes Kapitel zur Ablösung des Kredits (geschätzt): 6.500 Euro

Laufzeit: 48 Monate/4 Jahre

Effektiver Jahreszins 4 % (Gesamtzinsaufwand): 534,69 Euro

monatliche Rate: 146,56 Euro

Es ergibt sich folgendes Bild:

  • vermeintlich niedrigere Rate, aber längere Laufzeit

Resultiert der Wunsch nach einer Umschuldung aus einer finanziellen Notlage, ergibt sich auf den ersten Blick eine monatliche Ersparnis von 70,31 Euro. Jedoch gilt es zu beachten, dass sich die Laufzeit der Zahlungsverpflichtung um weitere zwei Jahre verlängert hat.

  • höherer Zinsaufwand

Unschwer ist zu erkennen, dass der neu aufgenommene Kredit mit der geringeren Summe durch den höheren effektiven Jahreszins mit einem höheren Zinsaufwand belastet ist. Insgesamt ist der Gesamtkapitalaufwand bei einer Umschuldung also in jedem Falle höher, egal, wie viele Zinsen durch die Ablösung des alten Kredits eingespart werden.

Bitte beachten Sie, dass es sich hier nur um ein Rechenbeispiel für ein besseres Verständnis handelt. In der Realität muss jeder Umschuldungsfall individuell betrachtet und eingehend geprüft werden. Üblicherweise kommen weitere Kosten für die Kreditbearbeitung, eventuelle Restschuldversicherungen, Vorfälligkeitsentschädigungen und ähnliches hinzu, die den tatsächlichen Kapitalaufwand noch einmal verändern.

Selbst bei der Reduzierung der Laufzeit – beispielsweise Abschluss des neuen Kredits auf 36 Monate -, steht beim obigen Beispiel ein Zinsaufwand bei einem effektiven Jahreszins von 4 % von 401,17 Euro zu Buche. Auch hier würde sich in der Summe ein wesentlich höherer Zinsaufwand ergeben. Die monatliche Rate läge dann bei 191,70 Euro.

Bei einer Laufzeit des neuen Kredits von 24 Monaten steigt die monatlich zu zahlende Rate auf 282,06 Euro. Der Zinsaufwand beträgt 269,32 Euro. Die Ratenbelastung steigt deutlich, während die zu zahlenden Zinsen sinken. Der Wunsch nach dem Absenken der Rate wäre nicht erfüllt. Ob sich bei der Gesamtzinsbelastung eine Entlastung ergeben würde, hängt von mehreren Faktoren ab und müsste in einem gleichgearteten Praxisfall exakt berechnet werden.

Gefangen in der Schuldenspirale

Bei einer Umschuldung ist stets die Gefahr einer Überschuldung gegeben. Die Aufnahme eines Umschuldungskredits kann der Anfang einer endlosen Schuldenspirale werden. Um einen Kredit oder mehrere Kredite umzuschulden und die daraus resultierenden Vorteile zu genießen, werden immer wieder neue Kredite aufgenommen, denn es wird immer wieder vermeintlich günstiger Angebote geben. Der Experte spricht hier von Kettenkreditverträgen.

Die bessere Übersichtlichkeit bei einer Bündelung von mehreren Kreditverträgen in einen einzigen Vertrag klingt verlockend, ist aber erst nach genauer Abwägung aller hineinspielenden Fakten in Betracht zu ziehen. Vor allem den Details ist Aufmerksamkeit zu schenken. Die Zinsen sind nur ein Aspekt, die die Belastung am Ende steigern lassen können.

Sie sollten daran, dass jeder neue Kredit neue Gebühren entstehen lässt. Hier ist es so, dass Sie im Allgemeinen die für den alten Kredit entstandenen Vermittlungs- und Bearbeitungsgebühren nicht erstattet bekommen. Somit müssen Sie für mindestens zwei Kredite die Gebühren bezahlen. Dadurch können die finanziellen Vorteile der Umschuldung bereits wieder dahin sein.

Das Gleiche gilt bei einer eventuellen Restschuldversicherung, die heute bei vielen Banken als Absicherung des Kredits vorgeschrieben sind. Die Beiträge einer solchen Versicherung richten sich unter anderem nach dem Alter des Versicherungsnehmers, sprich des Kreditnehmers. Schließen Sie für die Umschuldung beispielsweise fünf Jahre nach dem Abschluss des alten Kredits einen neuen ab, können die Beiträge bereits enorm gestiegen sein.

Umschuldung einer Baufinanzierung

Ein Baudarlehen ist als gesonderter Fall zu betrachten. Es unterliegt in der Regel einer Zinsbindungsfrist. Das heißt, die Bank gewährt ein Darlehen über zehn oder zwanzig Jahre. Die geltenden Konditionen werden vertraglich garantiert und bleiben über die gesamte Darlehenslaufzeit gleich. Gut für die Bank, gut für den Kreditnehmer. Zumindest auf den ersten Blick!

Nach dem Ablauf der vereinbarten Laufzeit ist das Eigenheim in den seltensten Fällen komplett abbezahlt. Somit bedarf es einer Anschlussfinanzierung. Sie wird zu den zu diesem Zeitpunkt geltenden Konditionen abgeschlossen. Allerdings kann sich dann der einstige Kreditgeber nicht als der optimale Kreditgeber für den neuen Kredit herausstellen. Bietet ein anderes Kreditinstitut günstigere Zinsen, scheint die Aufnahme eines Darlehens bei diesem als logische Konsequenz.

Mit einem Wechsel des Kreditgebers ist bei einer Baufinanzierung aber stets ein Eintrag in das Grundbuch verbunden. Bei einem Vergleich, ob sich eine Umschuldung lohnt, sind daher unbedingt die Notar- und Grundbuchkosten zu berücksichtigen. Auch sie können schnell dazu führen, dass der finanzielle Vorteil der Umschuldung dahin ist.

Vorfälligkeitsentschädigung – (k)ein Thema?

Prinzipiell sollten Sie jeden Kredit, für den Sie eine Umschuldung planen, auf eine Vorfälligkeitsentschädigung prüfen. Fast alle Baufinanzierungen sind mit einer solchen belegt, sie kann aber auch bei jedem anderen Kredit erhoben werden.

Die Vorfälligkeitsentschädigung ist eine Schadenersatzzahlung für entgangene Zinsen an die Bank. Wird ein Kredit vorzeitig abgelöst, entgehen dem Kreditinstitut die auf die Restlaufzeit entfallenden Zinszahlungen. Gerade bei Baudarlehen, die sich oft im fünf- bis sechsstelligen Bereich bewegen, sind das für die Bank hohe Verluste. Mit einer Vorfälligkeitsentschädigung wird ein Teil dieser Verluste ausgeglichen.

Wird eine Vorfälligkeitsentschädigung erhoben, kann das wiederum dazu führen, dass Sie die Umschuldung im Endeffekt mehr kostet. Eine vermeintlich finanzielle Entlastung kann sich besonders bei der Vorfälligkeitsentschädigung schnell in eine hohe finanzielle Zusatzbelastung umwandeln.

Zusammenfassung – die 5 größten Gefahren bei Umschuldungen

  1. Unterbrechung eines Schuldenbereinigungsverfahrens; es ist nichtig
  2. durch Umschuldung in einer Hochzinsphase wesentlich höhere Zinsbelastung
  3. längere Laufzeiten von Krediten und damit längere Belastung des Kreditnehmers
  4. Nebenkosten wie Vorfälligkeitsentschädigungen, Restschuldversicherung und ähnliches „fressen“ den finanziellen Vorteil der Umschuldung auf
  5. „Gefangen in der Schuldenspirale“ – für eine Umschuldung werden immer wieder neue Kredite aufgenommen; es entstehen immer wieder neue Schulden

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