Woran erkennen Sie eine seriöse Schuldnerberatung?

Woran erkennen Sie eine seriöse Schuldnerberatung?

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Schuldnerberatern: Vereine beziehungsweise kommunale Einrichtungen, die kostenlose Beratungen anbieten, sowie spezialisierte Anwälte und Schuldnerberater, die kostenpflichtig tätig werden. Auf den ersten Blick scheint der Gang zum kostenlosen Schuldnerberater vorteilhafter zu sein, der Schuldner kämpft ohnehin mit Geldsorgen. Jedoch ist diese Sachlage längst nicht so klar und eindeutig, wie es aus Sicht der Schuldner zu wünschen wäre.

Pro und Kontra zu kostenlosen Schuldnerberatungsstellen

Die kommunalen oder durch Vereine geführten Schuldnerberatungsstellen arbeiten zweifellos sehr engagiert und sind nach Kräften bemüht, den Schuldnern zu helfen. Auch handelt es sich um kompetente Mitarbeiter, die mit der juristischen Problematik durchaus vertraut sind.

Sie leiden unter zwei Problemen:

  • Meistens sind sie überlastet, Schuldner erhalten also nicht schnell genug den gewünschten Termin. Das ist in einer bestimmten Verschuldungssituation, wenn der Gerichtsvollzieher täglich klingelt, äußerst prekär. Hier muss schnell gehandelt werden, es kann um ein bis zwei Tage gehen.
  • Die kommunalen Mitarbeiter oder auch Berater eines Vereins nehmen eine ganz bestimmte Sichtweise auf die Schuldenproblematik ein. In ihren Augen sind beispielsweise Umschuldungsbemühungen per Neufinanzierung abzulehnen, erst recht nicht mit Hilfe eines Finanzvermittlerdarlehens, wie es bei Schufa-Problemen erforderlich wäre. Und Schufa-Probleme haben die meisten Schuldner. In der Schuldnerberatung wird durchaus versucht, mit Gläubigern zu verhandeln, um Kredite zu strecken und gar zu reduzieren. Dabei kann es gar gelingen, für einen Selbstständigen mit Steuerschulden eine (vorab scheinbar unmögliche) Stundung beim Finanzamt zu erreichen, auch mit Banken verhandeln diese Schuldnerberater fleißig. Hierfür haben sie aber pro Schuldner bestenfalls die Zeit für ein bis zwei Telefonate. Wenn dann keine Umschuldung gelungen ist, raten sie blitzschnell zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung oder zum Insolvenzantrag, obwohl vielleicht längst noch nicht alles verloren wäre.

Schuldnern ist daher zu raten, diese kostenlosen Angebote rechtzeitig in Anspruch zu nehmen, man erfährt dabei stets etwas Interessantes und Neues. Keinesfalls sollten aber Ratschläge der Art, man solle nun die EV abgeben oder einen Insolvenzantrag stellen, wörtlich genommen werden. Manchmal gibt es keinen anderen Weg, das ist wahr. Auch professionelle, kostenpflichtige Schuldnerberater müssen in einigen Fällen dazu raten. In vielen anderen Fällen jedoch gibt es durchaus andere Möglichkeiten.

Wann kann ein Schuldnerberater die Insolvenz/EV-Abgabe vermeiden?

Zu jedem Insolvenzverfahren, so es eröffnet wird, gehört ein außergerichtlicher Einigungsversuch mit den Gläubigern. Ein kompetenter – das ist in der Regel ein kostenpflichtiger – Schuldnerberater arbeitet bei diesem Einigungsversuch auf einen Erfolg hin, der heißt: Vermeidung der EV-Abgabe bzw. Insolvenz, Möglichkeiten der Umschuldung evaluieren, seriös prüfen und sie dem Schuldner vorschlagen. Kommunale Schuldnerberatungsstellen arbeiten diesen Punkt vielfach nur pro forma ab und überlassen dann dem Schuldner die weitere Entscheidung beziehungsweise den Gang zum Amtsgericht, um den Insolvenzantrag zu stellen. Wenn es möglich ist, entweder mit den Altgläubigern über eine ausreichende Streckung der Schulden zu verhandeln oder die Ablösung der Altkredite durch eine lang gestreckte Neufinanzierung zu erreichen, sollte sich ein Schuldnerberater darum bemühen. Er müsste unter Umständen sogar treuhänderisch die Umschuldung managen. Der Schuldner kann sich die entsprechenden Möglichkeiten jedoch selbst ausrechnen. Hierzu zwei Beispiele:

  • Im ersten Fall hat der Schuldner einen negativen Schufa-Eintrag bislang vermeiden können. Er hat drei Gläubiger, von denen zwei einer Tilgungsstreckung zustimmen würden, der dritte jedoch nicht. Die Schulden bei diesem Gläubiger in Höhe von 10.000 Euro könnten den Schuldner in die Insolvenz treiben, jedoch ist es denkbar, eine andere Bank zu finden, die das Darlehen übernimmt, also beim vorherigen Kreditgeber ablöst und dann den Schuldner in kleinen Raten bei einer sehr langen Frist tilgen lässt. Der Schuldnerberater übernimmt den Vorgang der Altkreditablösung treuhänderisch, denn ansonsten könnte der Schuldner die Ablösung der Altschulden unterlassen und wäre dann komplett überschuldet. Dieser Fall kann glimpflich ausgehen, bedarf aber professioneller, anwaltlicher Hilfe.
  • Im zweiten Fall muss der Schuldner inzwischen mit einem negativen Schufa-Eintrag leben, ansonsten stellt sich das Szenario wie vorn dar. Ein neuer Kredit kann möglicherweise nur noch von einem Finanzvermittler kommen und wäre damit auf 5.000 Euro limitiert, die vielleicht nicht genügen. Vielleicht lässt sich die Umschuldung aber durch weitere Verhandlungen dennoch erreichen. Der Schuldnerberater und Treuhänder müsste das managen und im Ergebnis entweder dem Schuldner helfen oder doch zur Insolvenz raten und diese auch einleiten.

Merkmale seriöser Schuldnerberater

Im Folgenden sollen einige Merkmale seriöser Schuldnerberatungen aufgelistet und kurz erläutert werden:

  • Keine Übergabe an einen Anwalt: Ein seriöser Schuldnerberater überweist nicht an einen anderen Anwalt, damit dieser eine laut § 305 InsO geforderte Bescheinigung über den außergerichtlichen (gescheiterten) Einigungsversuch ausstellt. Seriöse Berater stellen diese Bescheinigung selbst aus.
  • Kein Drängen zur Unterschrift: Eine seriöse Schuldnerberatung drängt den Schuldner keinesfalls zur Unterschrift für die Beratungsleistung.
  • Seriöser Umgang mit den Unterlagen: Eine seriöse Schuldnerberatungsstelle händigt sämtliche Unterlagen des Schuldners nach der Beratung selbstverständlich wieder aus.
  • Keine Hausbesuche: Seriöse Schuldnerberater schicken keinen Vertreter ins Haus, der den Schuldner dort zur Unterschrift drängt und nebenher dessen wirtschaftliche Situation analysiert.
  • Keine Verteufelung der Insolvenz: Die Insolvenz ist manchmal die einzige Lösung. Seriöse Schuldnerberater verteufeln sie nicht. Wenn sie das tun, schließen sie in den meisten Fällen mit dem Schuldner einen Beratungsvertrag mit Monatsraten und ungewisser Laufzeit ab – das ist blanker Nepp.
  • Anerkennung des Schuldnerberaters: Wenn es sich nicht um eine staatliche Stelle oder einen eingetragenen Verein handelt, muss der Schuldnerberater über eine entsprechende Qualifikation nach § 305 InsO verfügen (beispielsweise als Anwalt praktizieren). “Finanzberater” oder “Fachmann für Sanierung” darf sich in Deutschland jede Person mit einem Gewerbeschein nennen, das sagt nichts über die Kompetenz aus. Ein Rechtsanwalt wiederum sollte auf das Insolvenzrecht spezialisiert sein.
  • Kostentransparenz: Schon im Erstgespräch muss klar erkennbar sein, was das Verfahren kosten wird.
  • Leistungstransparenz: Es existiert ein Vertrag, der alle Leistungen detailliert beschreibt und den Bereinigungsversuch nach §§ 305 ff InsO inkludiert, des Weiteren die Prüfung aller Forderungen, das Ermitteln vergessener Gläubiger, die Abfragen bei Auskunfteien (Schufa & Co.) sowie nötigenfalls die Erstellung der Bescheinigung über den Einigungsversuch und das Stellen des Insolvenzantrags.

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