Wie Sie Schulden legal eintreiben!

//Wie Sie Schulden legal eintreiben!

Wie Sie Schulden legal eintreiben!

Die Betonung der Frage liegt auf „legal eintreiben“. Dies ist insofern wichtig, als dass es durchaus auch Möglichkeiten gibt, Schulden illegal einzutreiben.

Russisch Inkasso ist meist strafbar

Die Annoncen in manchen Zeitungen wie beispielsweise „Russisch Inkasso“ oder „wir reden nicht, wir handeln“ sprechen für sich. Wer auf diese Weise versucht, bei seinem Schuldner vorstellig zu werden, riskiert es, angezeigt und strafrechtlich belangt zu werden. Sei es wegen Hausfriedensbruch, Nötigung, Bedrohung oder im schlimmsten Fall wegen Körperverletzung. Auch der Verweis darauf, dass man selbst nicht aktiv am Geschehen beteiligt war, entschuldigt nichts. Entscheidend ist, dass Sie als Gläubiger in diesem Fall den Geldeintreiber beauftragt haben und er in Ihrem Namen versucht hat, Gelder bei Ihrem Schuldner einzutreiben.

Auch der einschlägig angepriesene „schwarze Mann“, der dem Schuldner so lange hinterher läuft, bis dieser entnervt ist und seine Schulden bezahlt, ist eine illegale Methode. Sie läuft meist auf Nötigung hinaus.

Bonitätsprüfung wirkt präventiv

Sie sollten bedenken, dass nicht jeder Schuldner tatsächlich eine böswillige oder betrügerische Person ist. Meistens gibt es handfeste Gründe dafür, dass er seine Schulden nicht fristgerecht bezahlt. Im Idealfall prüfen Sie natürlich vor Leistungserbringung, ob der Schuldner zahlungsunfähig ist. Mit der Bewertung seiner Bonität reduzieren Sie Ihr Risiko. Natürlich ist dies nicht immer möglich. Sofern die Zahlung ausbleibt, sollten Sie sich jedoch auf die gesetzlich vorgesehenen Wege beschränken. Alles andere artet in Selbstjustiz aus. Und diese Art der Justiz bedeutet in letzter Konsequenz Anarchie.

Formulieren Sie eine verständnisvolle Mahnung

In einem ersten Schritt sollten Sie selbstverständlich außergerichtlich versuchen, den Schuldner zur Zahlung zu bewegen. Erinnern Sie ihn höflich an die Begleichung seiner offenen Posten. Sofern es nicht um eine Vielzahl von Forderungen geht, sollten Sie kein Standardschreiben verwenden. Formulieren Sie das Mahnschreiben möglichst individuell. Provozieren und beleidigen Sie Ihren Schuldner nicht. Reagiert der Schuldner trotzdem nicht, sollten Sie nochmals nachforschen und versuchen herauszufinden, aus welchen Gründen er die Zahlung verweigert oder einfach nicht bezahlen kann.

Bieten Sie Teilzahlungsmöglichkeiten an

Möglicherweise befindet sich der Schuldner in Liquiditätsproblemen. Er ist vielleicht schwer erkrankt oder ein anderer Gläubiger hat ihm das Girokonto beziehungsweise sein Gehalt beim Arbeitgeber gepfändet. Haben Sie das Gefühl, dass dem so ist, sollten Sie ihn auf die Möglichkeit einer Teilzahlung des Gesamtbetrages ansprechen. Unter Umständen ist das genau das, was der Schuldner in seiner Situation von Ihnen erwartet. Aus Scham hat er sich vielleicht bisher nur nicht getraut, Sie darauf anzusprechen. Teilzahlungen sind immer noch besser, als die Forderung einklagen zu müssen.

Forderung einvernehmlich titulieren

Bei höheren Forderungen können Sie darauf bestehen, dass der Schuldner die Forderung in einem notariellen Schuldanerkenntnis ausdrücklich anerkennt. Dieses Schuldanerkenntnis ist vollstreckbar. Sie brauchen dann keinen gerichtlichen Titel mehr zu erwirken. Alternativ können Sie einen Mahnbescheid und Vollstreckungsbescheid beim zuständigen Gericht beantragen und zugleich mit dem Schuldner vereinbaren, dass er auf Widerspruch und Einspruch verzichtet. Mit der Rechtskraft des Vollstreckungsbescheids ist Ihre Forderung dann ebenfalls vollstreckbar. Sie sparen in beiden Fällen hohe Verfahrenskosten.

Inkassobüro beauftragen

Ein legaler Weg, Schulden einzutreiben, ist die Beauftragung eines Inkassobüros. Aber auch diese Büros kochen nur mit Wasser, denn sie verschicken meist nur Standardschreiben. Erhoffen Sie sich also keine Wunder. Für manchen Schuldner wirken die oft extrem hoch angesetzten Mahngebühren des Inkassobüros provozierend und abschreckend. Da er die Zahlung solcher Gebühren vielleicht nicht einsieht, verweigert er erst recht jegliche Begleichung Ihrer Forderungen.

Das Inkassobüro kann mit entsprechender Bevollmächtigung für Sie allenfalls einen Mahn- und Vollstreckungsbescheid beantragen. Erhebt der Schuldner Widerspruch oder Einspruch, wird das Verfahren an das zuständige Gericht abgegeben. Dort wiederum kann Sie nur ein Rechtsanwalt vertreten. Die auf Seiten des Inkassobüros angefallenen Gebühren werden dann auf die Tätigkeit des Anwalts angerechnet. Sie riskieren damit, zumindest auf einem Teil Ihrer bisherigen Verfahrenskosten sitzen zu bleiben.

In letzter Konsequenz bleibt nur der Anwalt

Insoweit kann es günstiger sein, wenn Sie von vornherein einen Rechtsanwalt beauftragen, der Ihre Forderung gegenüber dem Schuldner geltend macht. Zumindest vor den Landgerichten besteht ab einem Streitwert von 5.000,01 € Anwaltszwang. Hat der Anwalt dann bei Gericht einen Zahlungstitel erwirkt, können Sie gegen den Schuldner vollstrecken.

Vollstreckung nur mit Hilfe des Gerichtsvollziehers

Da Selbstjustiz vergangenen Zeiten angehört, können Sie Ihre titulierte Forderung nur mit Hilfe eines Gerichtsvollziehers zwangsweise eintreiben. Dies ist der einzige legale Weg, Schulden einzufordern. Der Gerichtsvollzieher wird in Ihrem Auftrag versuchen, Vermögenswerte des Schuldners ausfindig zu machen. In letzter Konsequenz wird dieser den Schuldner veranlassen, die eidesstattliche Versicherung bzw. die Vermögensauskunft über seine Vermögensverhältnisse zu erteilen. Aus dieser Auskunft lässt sich erkennen, inwieweit noch Vollstreckungsmöglichkeiten bestehen.

Geht die Vollstreckung ins Leere, bleibt Ihr Zahlungstitel 30 Jahre lang vollstreckbar. Sie brauchen nicht zu befürchten, dass Ihre Forderung in dieser Zeit verjährt oder verfällt. Sollte der Schuldner irgendwann zu Vermögen oder wenigstens zahlungsfähig werden, können Sie sofort vollstrecken.

Meldung an die Schufa

Als privater Gläubiger haben Sie keine Möglichkeit, Ihre Forderung und die Zahlungsverweigerung des Schuldners der Schufa zu melden. Die Schufa vermerkt nur offene Rechnungen von Personen, mit denen sie in vertraglichen Beziehungen steht. Dies sind vor allem Banken, Versicherungen oder große Unternehmen.

Ihre Außenstände wirken sich aber indirekt aus, wenn Sie den Schuldner zur Abgabe der Vermögensauskunft veranlasst haben. Diese Auskunft wird im Schuldnerverzeichnis der Amtsgerichte eingetragen. Von dort bezieht auch die Schufa ihre Informationen und teilt sie ihren Vertragspartnern in der Schufaauskunft mit.

Die Schufa ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits trägt sie dem Informationsbedürfnis von Gläubigern Rechnung. Andererseits ruiniert sie in vielen Fällen die wirtschaftliche und berufliche Situation des Schuldners nachhaltig und endgültig. Der Schuldner ist nicht mehr kreditwürdig. Selbst wenn er Ihre Forderung bezahlen wollte und bereit wäre, einen Kredit aufzunehmen, wäre ihm dieser Weg verschlossen.

Fazit: Führen legale Wege nicht zum Erfolg, brauchen Sie als Gläubiger Geduld. Andernfalls können Sie Ihre Forderung abschreiben. Und illegale Wege sind eine noch schlechtere Alternative.

By |2017-01-08T15:29:27+00:00Dezember 4th, 2014|Schuldenhilfe|0 Comments

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