Was passiert mit Schulden beim Auswandern?

Was passiert mit Schulden beim Auswandern?

Schulden haben zahlreiche rechtliche Konsequenzen, und zwar in der Heimat wie im Ausland. Als erste und wichtigste Maßnahme bei Verschuldung ist die enorme Wichtigkeit einer Beratung zu nennen. Deutschlandweit gibt es über 1.000 Beratungsstellen, die kostenfrei helfen. Fachleute, die sich im Sozial-, Banken- und Rechtswesen auskennen, können Schuldnern neue Perspektiven für eine schuldenfreie Zukunft aufweisen. Auch bei einem Auswanderungswunsch mit Schulden ist es ratsam, diesen mit den Beratern konkret hinsichtlich einer erfolgreichen Realisierung zu überprüfen.

Darf man bei Schulden auswandern?

Ja, man darf mit Schulden auswandern, denn jeder darf seinen Wohnort frei wählen. Auswanderung ist jedoch kein geeignetes Mittel, um vor seinen Schulden zu fliehen!

Auswanderung in ein EU-Land

Liegt der neue Wohnort in einem anderen Land der Europäischen Union, so werden die Schulden gegebenenfalls von dortigen Inkassounternehmen eingetrieben. Der sogenannte „europäische Vollstreckungstitel“, den alle Mitgliedsländer anerkennen, macht dieses Verfahren möglich.

Fallbeispiel:
Herr S. hat in Deutschland Schulden und ist nach Spanien ausgewandert. Der Gläubiger in Deutschland verfügt über ein rechtskräftiges Urteil, das seine Forderungen bestätigt. Der Gläubiger beauftragt einen in Spanien zugelassenen Anwalt, den Schuldner ausfindig zu machen. Der Anwalt findet Herrn S. über die Steueridentifikationsnummer für Ausländer. Herr S. hatte diese Nummer beantragt, weil sie für jede geschäftliche Aktion in Spanien wie Kontoeröffnung, Kauf oder Anmietung einer Immobilie etc. zwingend notwendig ist. Laut EU-Verordnung (44/2001) wird das Urteil gegen Herrn S. nun in Spanien vollstreckt.

Auswanderung in ferne Länder

Viele hoch überschuldete Menschen spielen in ihrer Not sogar mit dem Gedanken, irgendwohin in die Ferne zu fliehen, ohne bei der Abmeldung in Deutschland einen neuen Wohnort im Ausland anzugeben, wozu man im übrigen auch nicht verpflichtet ist. Das macht es für die Gläubiger natürlich schwierig, an ihr Geld zu kommen, aber nicht unmöglich! Inkassobüros verfügen über viele Möglichkeiten, zum Beispiel den Zugriff auf Melderegister, Wählerregister etc., um Personen im Ausland zu ermitteln. Hinzu kommt, dass der Gläubiger in Deutschland vor Gericht einen Schuldtitel erwirken kann, was zur Folge hat, dass die Forderung in der Bundesrepublik erst nach 30 Jahren verjährt.

Kann Auswandern zu einer Lösung des Schuldenproblems beitragen?

Europäisches Ausland
Natürlich wollen nicht alle Auswanderer vor ihren Schulden in der Heimat davonlaufen! Das Auswandern kann sinnvoll sein, wenn es die Möglichkeit bietet, zum schnelleren Abbau der Schulden beizutragen, wenn dies in der Heimat nicht möglich ist. Wer also ein lukratives Jobangebot im Ausland hat, kann dies annehmen. Der Arbeitsvertrag sollte auf jeden Fall vor der Auswanderung unterschrieben sein. Und auch die Kosten einer Auswanderung müssen in die Überlegungen mit einbezogen werden. Informieren Sie sich im Vorfeld insbesondere über die Kosten für den Umzug und eventuell für das Visum.

Ferne Länder
Klassische und sehr beliebte Auswanderungsländer wie Australien, Kanada oder die USA haben sehr strenge Richtlinien für das Visum. Diese beeinhalten beispielsweise

  • einen Qualifikationsnachweis wie Studienabschluss oder Ausbildungsabschluss
  • Nachweis ausreichender Sprachkenntnisse
  • Nachweis über finanzielle Mittel.

Exotische Länder haben weniger strenge Visumshürden, die Jobperspektiven für Ausländer sind jedoch sehr schlecht, und wer sich mit einer Selbständigkeit eine Zukunft aufbauen will, braucht wiederum größere finanzielle Ressourcen.

Für alle fernen Länder gilt, dass es dort keine mit Deutschland vergleichbaren Sozialleistungen gibt. Im Härtefall ist also nicht einmal das Existenzminimum gesichert.
Nicht zuletzt müssen die Umzugskosten einkalkuliert werden, die bei einer Auswanderung in ferne Länder erheblich sein können.

Was passiert bei einer Rückkehr nach Deutschland?

Manche schaffen es im Ausland und bauen sich eine neue, schuldenfreie Existenz auf. Manche scheitern auch im Ausland und möchten gerne wieder in die Heimat zurückkehren. Letztere müssen sich mit den Konsequenzen auseinandersetzen und sich der Situation stellen.

Wie ist die Situation bei der Rückkehr?

  1. Der Schuldenberg ist während der Abwesenheit natürlich größer geworden, weil Zinsen und Zuschläge weiter angestiegen sind.
  2. Möglicherweise wartet ein Haftbefehl, weil die Gläubiger einen Strafantrag gestellt haben.
  3. Der negeative Eintrag bei der Schufa wird es schwierig machen, eine Mietwohnung zu finden.

Welchen Handlungsspielraum gibt es?
1. Suchen Sie eine Schuldnerberatung auf!
Fachleute können Ihnen in der schwierigen Situation zur Seite stehen und Wege aufweisen, die Situation zu klären und zu überwinden.

2. Verschaffen Sie sich einen Überblick über die finanzielle Situation
Das wichtigste ist nun, sich einen klaren Überblick über die Situation zu verschaffen. Einmal jährlich hat jeder Bundesbürger das Recht auf eine kostenlose Schufa-Selbstauskunft. Dort sind alle Kredite, Mahnverfahren etc. gespeichert. Mit etwas Glück haben große Unternehmen nach einer mehrjährigen Abwesenheit im Ausland die Schulden bereits als Verlust abgeschrieben. Mit allen anderen Gläubigern sollte versucht werden, eine außergerichtliche Einigung herbeizuführen.

3. Letzter Ausweg Privatinsolvenz
Gelingt die Einigung mit den Gläubigern nicht, bleibt immer noch die Beantragung einer Privatinsolvenz, bei der eine Restschuldtilgung nach spätestens 6 Jahren vorgesehen ist und damit die Aussicht auf eine schuldenfreie Zukunftsperspektive.

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