10 Tipps für einen langfristigen Schuldenabbau

Überschuldung kann nahezu jeden treffen und wie andere kritische Ereignisse im Leben trifft sie die meisten Menschen völlig unerwartet. Ein unvorhergesehener Verlust des Arbeitsplatzes, eine plötzliche Erkrankung, die Trennung vom Partner oder ein kritisches Konsumverhalten sind Faktoren, die schnell in eine Überschuldungsspirale führen können.

In den nachfolgenden Tipps wird erläutert, wie sich ein wachsender Schuldenberg vermeiden lässt und Schulden langfristig ganz abgebaut werden können.

1. Wenden Sie sich frühzeitig an eine Schuldnerberatung!

Wo finde ich Beratung?
Der wichtigste Tipp bei Überschuldung, den man Betroffenen geben kann, ist das frühzeitige Aufsuchen einer Schuldnerberatungsstelle. Durch Abwarten oder Ignorieren wird die Situation immer schwieriger, weil laufende Zinsen und Mahngebühren sich immer weiter aufstauen und den Schuldenberg täglich vergrößern.

Bundesweit gibt es ein Netz von über 1.000 Schuldnerberatungsstellen, die Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten kostenlos beraten. Die dort beschäftigten Experten verschiedener Fachrichtungen (Sozialarbeiter, Rechtswissenschaftler, Banker) sind mit den Problemen und Nöten einer Überschuldung bestens vertraut und können Ihnen neue Wege und echte Perspektiven für die Zukunft aufweisen.

Wie kann ich mich auf die Beratung vorbereiten?
Die Beratungsstellen können am effektivsten helfen, wenn vor dem ersten Gespräch alle Unterlagen über die finanzielle Situation zusammengestellt werden.

Hierzu gehören:

  • eine vollständige Aufstellung aller monatlichen Einnahmen
  • eine vollständige Aufstellung aller monatlichen Ausgaben
  • eine vollständige Aufstellung der Gläubiger und Forderungen
  • Lohnbescheinigungen
  • Pfändungsbescheide
  • Mahnungen

2. Verschaffen Sie sich einen Überblick über die tatsächliche finanzielle Situation!

Der zweite Schritt auf dem Weg zum langfristigen Schuldenabbau ist eine genaue Bestandsaufnahme der finanziellen Situation. Der Berater prüft mit Ihnen zusammen, ob alle gesetzlichen Sozialleistungen ausgeschöpft sind oder ob Sie eventuell noch weitere Leistungen beantragen können. Dazu zählen unter anderem:

  • Arbeitslosengeld I
  • Arbeitslosengeld II
  • Sozialhilfe
  • Kindergeld
  • Erziehungsgeld

Darüber hinaus wird der Berater prüfen, ob

  • die Forderungen der Gläubiger rechtens sind oder
  • eine Sittenwidrigkeit der Kreditverträge vorliegt, gegen die rechtliche Maßnahmen ergriffen werden können.

3. Eventuelle Entscheidung zur Beantragung einer Privatinsolvenz

Wenn die Schulden so hoch sind, dass die Maßnahmen, die zusammen mit dem Berater erarbeitet wurden, nicht ausreichen, kann der Schuldner vor Gericht eine Privatinsolvenz beantragen. Nach deutschem Insolvenzrecht kann jede private Person, unabhängig davon, ob es sich um einen Arbeitslosen, Selbstständigen, Arbeitnehmer oder Rentner handelt, eine Privatinsolvenz beantragen. Sie eröffnet dem Schuldner eine neue Zukunftsperspektive mit der Möglichkeit einer Restschuldbefreiung, wenn nicht alle Schulden beglichen werden können.

4. Vermeiden Sie Schulden durch Mithaftung!

Schulden durch Bürgschaften betreffen häufig Personen, die aus emotionaler Verbundenheit für ihren Partner oder andere Personen mithaften. Als Bürge verpflichtet man sich mit der Unterschrift, für alle Ansprüche der Bank aus einem Kreditverhältnis einzustehen. Sind Kreditverträge oder Bürgschaftserklärungen unterschrieben worden, ohne dass Sie zahlungsfähig waren, muss der Vertrag auf „Sittenwidrigkeit“ geprüft werden.

Eine Sittenwidrigkeit kann unter Umständen vorliegen, wenn

  • die Bürgschaft Ihre Zahlungsfähigkeit erheblich übersteigt,
  • wenn Ihre Entscheidungsfreiheit auf unzulässige Art und Weise beeinflusst wurde,
  • wenn kein besonderes Eigeninteresse Ihrerseits an der Kreditaufnahme bestand.

5. Sparen und/oder neue Einnahmequellen erschließen!

Erarbeiten Sie mit der Unterstützung Ihres Beraters ein Schuldensanierungskonzept. Hierzu gehört die Erschließung möglicher neuer Einnahmequellen. Ein monatliches Zusatzeinkommen könnte folgendermaßen entstehen:

  • durch eine Nebentätigkeit
  • durch bezahlte Überstunden
  • durch eine Untervermietung der Wohnung

Schauen Sie gleichzeitig nach, welche Ausgaben eingespart oder reduziert werden können. Zum Beispiel

  • durch Änderungen des Konsumverhaltens
  • Einsparungen bei Freizeitaktivitäten
  • Kündigung überflüssiger Versicherungen
  • checken der Tarife für Strom, Gas, Telefon
  • durch das Gründen von Fahrgemeinschaften
  • mit durchdachten Einkäufen und Kochplänen

6. Führen Sie über monatliche Einnahmen und Ausgaben genau Buch!

Um den Überblick zu behalten, ist es hilfreich, alle monatlichen Einnahmen und Ausgaben ganz genau zu dokumentieren. Auch für die Zusammenarbeit mit den Schuldnerberatungsstellen sind sorgfältig geführte Haushaltsbücher eine große Hilfe. Teilen Sie die Liste in zwei Spalten, die monatliche Einnahmen und monatliche Ausgaben detailliert darstellen. Folgende Punkte sollten in Ihrem Haushaltsbuch erfasst werden:

Monatliche Einnahmen:

  • Einkommen (aus Lohn oder Rente; jeweils netto)
  • eventuelle Unterhaltszahlungen
  • staatliche Zahlungen wie Arbeitslosengeld, Wohngeld, Sozialhilfe, Kindergeld etc.
  • Rückerstattungen aus Steuern, Versicherungen etc.
  • Einnahmen aus Vermögen wie Mieteinnahmen, Zinsen etc.
  • Sonstiges

Monatliche Ausgaben:

  • regelmäßige Ausgaben wie Miete, Steuern, Versicherungen, Telefon, Abos etc.
  • laufende Ausgaben für z. B. Ernährung, Bekleidung, Pflege und Gesundheit, Bildung, Hobby, Benzin

Sie können sich eine entsprechende Tabelle selbst erstellen. Praktische Haushaltsbücher mit vorgefertigten Tabellen erhalten Sie unter anderem bei den Schuldnerberatungsstellen und Verbraucherzentralen.

7. Vermeiden Sie in Zukunft Fremdfinanzierungen von Gütern und Dienstleistungen!

Versuchen Sie „ein Leben auf Pump“ zu vermeiden. Die Inanspruchnahme von Krediten, die oft über Jahre laufen, ist heute zumeist sehr einfach möglich. Fast für jedes Konsumgut gibt es einen maßgeschneiderten Kredit. Unvorhergesehene Lebensereignisse können die regelmäßige Ratenzahlung ins Wanken bringen und zur Verschuldung führen. Lässt sich die Fremdfinanzierung für eine notwendige Anschaffung nicht vermeiden, nutzen Sie die umfangreichen Angebote der Verbraucherberatungen, die Ihnen wertvolle Tipps geben können. Insbesondere für junge Familien kann die Beratung hinsichtlich des richtigen Umgangs mit Geld wie etwa beim Hausbau oder großen Anschaffungen eine wertvolle Unterstützung sein.

8. Kredite – Prüfen Sie die Konditionen!

Wenn Sie einen Kredit aufnehmen müssen, informieren Sie sich immer bei mehreren Banken über die Konditionen.

9. Planen Sie stets einen finanziellen Spielraum ein!

Verplanen Sie Ihr monatliches Budget nicht bis auf den letzten Cent. Ein Spielraum für unvorhergesehene Ausgaben oder unerwartet geringe Einnahmen gibt Ihnen Sicherheit. Versuchen Sie jeden Monat einen kleinen Betrag für anfallende Reparaturen im Haushalt oder am Auto zurückzulegen.

10. Reden Sie mit Ihren Gläubigern!

Gerade bei unverschuldeten kritischen Lebenssituationen ist es wichtig, mit den Gläubigern zu reden. Vielleicht ist ein Zahlungsaufschub möglich oder die Ratenzahlung kann in kleineren Beträgen geleistet werden. Zeigen Sie Ihren Willen zur Begleichung der Forderungen und machen Sie realistische Angebote, an die Sie sich nachfolgend auch halten können.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.