Schuldenfalle: Scheidung

Schuldenfalle: Scheidung

Eine Scheidung oder Trennung vom Partner hat auch finanziell für die meisten Menschen schwerwiegende Konsequenzen, und nicht wenigen droht als Folge dieser Lebenskrise eine Überschuldung. Der Wert einer kompetenten Beratung durch Fachleute ist in dieser Situation nicht hoch genug einzuschätzen, denn für den Laien ist es äußerst schwierig, den Überblick zu behalten. Wichtig ist eine genaue Analyse der wirtschaftlichen Lage, um Lösungen und neue Perspektiven für die Zukunft zu finden. Viele Rechtsanwälte arbeiten aus diesem Grund im Team mit Trennungsberatern und Steuerberatern zusammen an der juristischen und wirtschaftlichen Regelung der Scheidungsfragen.

Die außergerichtliche Scheidungsfolgevereinbarung

Meist raten diese Experten zu einer außergerichtlichen Scheidungsfolgevereinbarung im Vorfeld der rechtskräftigen Scheidung. Das bedeutet, dass schon vor dem Gerichtstermin der Scheidung Fragen von gemeinsamem Wohneigentum und Vermögen geklärt werden. Der Gerichtstermin ist dann nur noch eine Formsache, da alle wichtigen Belange bereits geregelt wurden. Die negativen finanziellen Folgen einer Scheidung können zwar durch die Scheidungsfolgevereinbarung nicht vermieden, zumindest aber abgemildert werden. Planungssicherheit und vor allem Rechtssicherheit sind durch sie gewährleistet, und überstürzte Handlungen wie zum Beispiel der Notverkauf eines Hauses sind somit vermeidbar.

Was sind die finanziellen Konsequenzen einer Scheidung?

1. Die Kosten für Anwalt und Gericht

Die Gebühren für den Anwalt und das Gericht im Scheidungsverfahren richten sich nach dem sogenannten Streitwert beziehungsweiseVerfahrenswert. Dieser hängt von den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Ehepartner ab. Der Wert errechnet sich aus dem dreifachen monatlichen Nettoeinkommen beider Ehegatten zusammen.

einfaches Berechnungsbeispiel:
Nettoeinkommen der Ehefrau 1.500 Euro
Nettoeinkommen des Ehemannes 3.500 Euro
Gesamt 5.000 Euro

5000 x 3 = 15.000 Euro Verfahrenswert

Ist der Gesamtverfahrenswert ermittelt, werden die Gerichts- und Anwaltsgebühren nach den gesetzlichen Vorgaben berechnet. Bei einem Verfahrenswert von 3000 Euro sind dies ungefähr 840 Euro, bei einem Verfahrenswert von 40.000 Euro knapp 4000 Euro.

2. Kosten für einen Umzug und die Führung von zwei Haushalten.

In der Regel verlässt zumindest einer der Partner das gemeinsame Haus oder die gemeinsame Wohnung und muss künftig einen zweiten Haushalt führen. Müssen beide Partner aus dem gemeinsamen Haus ausziehen, weil ein Ehepartner alleine nach der Scheidung eine größere Immobilie nicht mehr unterhalten kann, werden zwei Umzüge fällig und zwei neue Hausstände gegründet, während der ursprüngliche Grundbesitz sehr oft allzu eilig und häufig unter Wert verkauft wird.

3. Zahlung von Unterhaltskosten

Unterhaltskosten für die Kinder und eventuell den Ehepartner werden mit der Scheidung fällig.
Für die Berechnung des Unterhalts, insbesondere des Kindesunterhalts, wird die „Düsseldorfer Tabelle“ herangezogen. Sie staffelt sich nach dem Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen und dem Alter des Kindes. Unterhaltszahlungen nach einer Scheidung können die Zukunftsperspektiven finanziell über eine lange Zeit stark beeinträchtigen.

4. Gemeinsamer Grundbesitz

Zu großen finanziellen Verlusten kann es kommen, wenn die Eheleute gemeinsamen Grundbesitz erworben haben und beide im Grundbuch eingetragen sind. Im Trennungsfall kann es dann zu einer Teilungsversteigerung der Immobilie kommen, falls keine gütliche Einigung erzielt werden kann. Vermieden werden kann diese Schuldenfalle durch die Vereinbarung von Gütertrennung. Andernfalls gilt der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Wer einen Ehevertrag abschließt, kann die Aufteilung von Vermögenswerten wie Häusern oder Grundstücken schriftlich darin festhalten.

5. Gemeinsame Schulden

Bei gemeinsam abgeschlossenen Kreditverträgen und Mietverträgen können sich die Gläubiger, in diesem Fall die Bank oder der Vermieter, an einen der Ehepartner halten und von ihm/ihr die Gesamtsumme verlangen. Dies ist die äußere rechtliche Situation. Im „Innenverhältnis“ der Partner besteht die Verpflichtung beider Partner zur anteiligen Begleichung der Verpflichtungen. Hat ein Ehepartner alleine gezahlt, kann er vom anderen die Zahlung der Hälfte des Betrages einfordern.

Was tun, wenn einer der Ehepartner verschuldet ist?

Ist einer der Ehepartner schon während der Ehe verschuldet, sollte der andere Partner entsprechende Maßnahmen ergreifen, um sich selbst vor Überschuldung zu schützen. Denn nur für gemeinsame Schulden haften beide Ehepartner zusammen. Für Verträge, die nur ein Partner unterschrieben hat, kann der andere Partner nicht in die Pflicht genommen werden. Dies gilt übrigens auch, wenn keine Gütertrennung vereinbart ist.

Nachfolgend die wichtigsten Tipps, um sich vor Verpflichtungen im Zusammenhang mit einer Verschuldung des Partners zu schützen:

  1. Getrennte Konten
    Ist einer der Ehepartner verschuldet, empfiehlt sich die Führung von zwei getrennten Konten.
  2. Gemeinsame Anschaffungen
    Neue Anschaffungen sollte der nicht verschuldete Partner machen und die Quittungen als Beweis gut aufbewahren, damit er im Fall einer Zwangsvollstreckung beim Partner sein Eigentum nicht verliert.
  3. Vorsicht mit Bürgschaften
    Wer eine Bürgschaft für den Partner übernimmt, muss auch nach einer Scheidung weiter bürgen und zahlen, wenn der ehemalige Partner zahlungsunfähig ist.

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