Schuldenfalle: Kreditkarte

Mit Kreditkarten können Waren und Dienstleistungen im stationären Handel und im Online-Handel bequem bezahlt werden – im Inland, aber auch weltweit. Ein unbedachter Umgang mit einer Kreditkarte führt jedoch oft in die Schuldenfalle.

1. Warum können Kreditkarten in die Schuldenfalle führen?

1.1 Kreditkarten senken die Hemmschwelle beim Geldausgeben

Kreditkarten senken bei vielen Kreditkarteninhabern die Hemmschwelle beim Geldausgeben. Kreditkarten tragen dazu bei, dass zahlreiche Konsumenten größere Ausgaben tätigen, als ihre persönlichen finanziellen Verhältnisse es eigentlich zulassen.

1.2 Kreditkarten verschlechtern den Überblick über die finanzielle Situation

  • Der Überblick über die Einhaltung des persönlichen finanziellen Budgets kann bei Nutzung einer Kreditkarte leicht verlorengehen: Im Vergleich zu einer Bezahlung mit Bargeld ist Verbrauchern beim Einsatz einer Kreditkarte häufig weniger bewusst, ob und in welcher Höhe das Haushaltsbudget bereits ausgeschöpft ist.
  • Verbrauchern, die bereits verschuldet sind, fällt der planvolle Umfang mit Rechnungen und Mahnungen mit zunehmender Verschuldung und insbesondere bei einer Mehrzahl von Gläubigern immer schwerer. Wird zusätzlich eine Kreditkarte genutzt, so verstärkt sich das Risiko, den finanziellen Überblick völlig zu verlieren.
  • Eine einmal erfolgte Gewöhnung an Zahlungen mit Kreditkarte erschwert Verbrauchern die Rückkehr zu anderen Zahlungsformen.

1.3 Kreditkarte: Zinsen und Gebühren erhöhen den Schuldenstand

Die ursprünglichen Rechnungsbeträge lassen sich häufig noch leicht bezahlen. Durch auflaufende Zinsen und Gebühren erhöht sich jedoch allmählich – für manche Schuldner überraschend – der Schuldenstand.

Gebühren für Kreditkarten-Inhaber

Zusätzliche Gebührenkönnen können z. B. bei Zahlungsvorgängen außerhalb der Eurozone oder bei der Rückgabe von Lastschriften anfallen.

Vorsicht bei „Revolving Kreditkarten“

Revolving Kreditkarten kombinieren eine Bezahlfunktion mit einem Abrufkredit, der zumeist in monatlichen Raten zurückgezahlt wird (je nach Vereinbarung zwischen 5 Prozent und 50 Prozent des Kreditbetrages).

Wenn die Revolving Karte lockt…

  • Inhaber einer Revolving Karte erhalten durch ein individuelles Kreditlimit einen größeren zeitlichen Spielraum bei der Bezahlung von Waren und Dienstleitungen. Die Schulden werden in Form eines Ratenkredits zurückgeführt.
  • Über die gewählte Monatsrate hinaus können Kreditnehmer jederzeit Sondertilgungen leisten, um den Ratenkredit schneller zu tilgen.
  • Innerhalb des festgelegten persönlichen Verfügungsrahmens kann der Kreditkarteninhaber weitere Inanspruchnahmen durch Warenkäufe oder Bargeld-Abhebungen tätigen – selbst dann, wenn die bisherige Kreditinanspruchnahme noch nicht vollständig zurückgeführt wurde.
    Risiken bei Revolving Karten
    Für einen Kreditkarten-Ratenkredit fallen häufig deutlich höhere Zinsen als für einen Girokonto-Dispositionskredit oder für einen Bank-Ratenkredit an.
  • Nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest (Juni 2011) verlangten die Herausgeber von Revolving Kreditkarten effektive Jahreszinsen von bis zu 17 Prozent und teilweise darüber hinaus. (Der „Spitzenreiter“ unter den Kreditkarten-Herausgebern berechnete sogar bis zu 25,9 Prozent Zinsen.)
  • Bereits im März 2009 hatte Ilse Aigner, die seinerzeit für den Verbraucherschutz zuständige Bundesministerin ausdrücklich vor den Gefahren von Revolving Kreditkarten gewarnt.

2. Tipps: Was können Verbraucher gegen eine durch Kreditkarten drohende Schuldenfalle tun?

2.1 Stellen Sie fest, ob Sie überhaupt eine Kreditkarte benötigen

Viele Verbraucher benötigen eine Kreditkarte überhaupt nicht oder allenfalls in Ausnahmesituationen.

  • Innerhalb Deutschlands und der Europäischen Union ist eine Kreditkarte gewöhnlich nicht erforderlich, um an Geldausgabeautomaten Bargeld abzuheben: Hier reicht eine EC-Karte (Maestro-Card, Girocard) meistens vollkommen aus.
  • Allerdings wird bei der Buchung von Mietwagen eine Kreditkarte bevorzugt. Barzahlungen sind jedoch auch hier möglich.
  • Bei längeren Aufenthalten in Hotels erleichtert eine Kreditkarte die Abwicklung verschiedenster Einzelzahlungen. Bei einer Hotel-Online-Buchung muss oft eine Kreditkartennummer angegeben werden.
  • Im Internet können Sie zwar zumeist mit Kreditkarte bezahlen, doch stellen viele Onlineshops auch andere Zahlungssysteme bereit.
  • Bei weltweiten Reisen außerhalb der Europäischen Union empfiehlt sich das Mitführen einer Kreditkarte, um problemlos an Bargeld zu gelangen.

Ergebnis: Innerhalb der Europäischen Union verschafft Ihnen eine Kreditkarte gewöhnlich kaum Vorteile.

2.2 Die Zahlung mit Bargeld erleichtert die Einhaltung des Haushaltsbudget

Wenn Sie feststellen, dass Sie von einer Kreditkarte zu erhöhten Ausgaben „verführt“ werden, dann geben Sie die Karte an Ihre Bank zurück und bezahlen Sie besser in bar.

  • Heben Sie mehrmals im Monat (z. B. wöchentlich) einen bestimmten Bargeldbetrag ab, mit dem Sie den überwiegenden Teil Ihrer laufenden Zahlungen für Waren und Dienstleistungen begleichen.
  • Durch Verwendung von Bargeld erhöhen Sie die Hemmschwelle beim Geldausgeben und erleichtern sich damit die Einhaltung Ihres Haushaltsbudgets.

2.3 Bei der Auswahl von Kreditkarten auf geringe Kosten achten

  • Möchten Sie dennoch eine Kreditkarte nutzen, so vergleichen Sie die Konditionen verschiedener Karten. Wählen Sie vorzugsweise eine Kreditkarte ohne Jahresgebühren – nicht nur für einen begrenzten Zeitraum (z. B. für ein Jahr), sondern dauerhaft für die gesamte Laufzeit des Kreditkartenvertrages.
  • Einige Kreditkarten ohne Jahresgebühr sind zudem mit einem kostenlosen Girokonto verbunden.
  • Verzichten Sie auf Revolving Kreditkarten und auf teure Kreditkarten-Ratenkredite.
  • Schulden Sie vorhandene Kreditkarten-Inanspruchnahmen in einen meistens preisgünstigeren klassischen Ratenkredit um.
  • Regelmäßig werden standardisierte Zusatzleistungen zu Kreditkarten zu einem Mehrpreis angeboten. Häufig erweisen sich solche Zusatzangebote (z. B. Versicherungsleistungen) als überteuert und/oder als leistungsschwach. Wenn Sie über die üblichen Funktionen einer Kreditkarte hinausgehende Zusatzleistungen benötigen, so schließen Sie besser einen separaten Bank- bzw. Versicherungsvertrag ab, der auf Ihren tatsächlichen individuellen Bedarf perfekt abgestimmt ist.

2.4 Bei Nutzung einer Kreditkarte: Den Überblick behalten!

Wenn Sie eine Kreditkarte nutzen, dann

  • sammeln Sie die Zahlungsbelege und
  • vergleichen Sie die auf der (meistens monatlichen) Abrechnung aufgeführten Abbuchungen mit den Zahlungsbelegen,
    um einen guten Überblick über Ihre Ausgaben zu behalten und ggf. gegen unberechtigte Belastungen vorgehen zu können.

3. Fazit: Auf teure und überflüssige Kreditkarten verzichten – und damit einer möglichen Schuldenfalle entgehen

  • Prüfen Sie kritisch, ob Sie wirklich eine Kreditkarte benötigen. Falls dies nicht der Fall ist und Sie sich von der Karte zu unbedachten Ausgaben veranlasst sehen, so geben Sie Ihre Kreditkarte zurück und bezahlen Sie künftig vorzugsweise in bar.
  • Verzichten Sie insbesondere auf teure Kreditkarten-Ratenkredite. Ein üblicher Bankkredit ist – zumal in Niedrigzinsphasen – in aller Regel deutlich preisgünstiger als ein Kreditkarten-Ratenkredit.
  • Verzichten Sie auf Ausgaben, die Ihr persönliches Haushaltsbudget übersteigen.
  • Führen Sie Schulden möglichst rasch zurück. Je länger Sie mit der Begleichung von Schulden warten, desto schwieriger wird die Rückzahlung. Vielleicht geraten auch Sie ansonsten in die Schuldenfalle – wie bereits viele Kreditkarteninhaber vor Ihnen.
  • Wenn Sie bereits Schwierigkeiten haben, Ihre Verbindlichkeiten zurückzuzahlen, so wenden Sie sich vertrauensvoll an eine Schuldnerberatungsstelle, die Ihnen professionell bei der Rückführung Ihrer Schulden helfen wird.

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