Banken räumen Kunden in der Regel bei Kontoeröffnung, manchmal aber auch erst auf Antrag, einen Dispokredit ein. Dieser bewegt sich in der Regel in der Höhe eines Monatsgehaltes, kann aber auch bis zu drei Monatsgehälter betragen. Voraussetzung für die Bewilligung ist eine einwandfreie Schufa-Auskunft und natürlich ein regelmäßiges Einkommen. Die festgelegte Summe kann frei genutzt werden, ohne dass ein weiterer Kreditantrag gestellt werden muss. Außerdem werden keine Rückzahlungsraten vereinbart, wie es bei einem regulären Kredit der Fall ist. Somit entsteht keine Kreditlaufzeit mit einer ersten und einer letzten Rate. Auch wenn das Gehalt bereits ausgegeben ist, kann der Bankkunde bei einem gewährten Dispokredit trotzdem noch Überweisungen tätigen, Geld am Automaten abheben oder mit der EC-Karte seine Einkäufe bezahlen.

Dispokredite sind teuer

Das klingt zunächst einmal sehr positiv und wird von den meisten Menschen als zusätzliche Sicherheit empfunden. Wenn beispielsweise eine Autoreparatur ansteht oder eine defekte Waschmaschine ersetzt werden muss, hat der Bankkunde durch den Dispokredit noch liquide Mittel in Reserve. Allerdings stellen die Banken den Dispo nicht aus purer Menschenliebe zur Verfügung. Ihre Zielsetzung liegt natürlich darin, Geld zu verdienen. Kredite bringen Banken Zinsen ein, das versteht sich von selbst. Für Dispokredite werden allerdings viel höhere Zinsen verlangt als für reguläre Kredite: Sie liegen bei einem Zinssatz von zehn bis zwölf Prozent. Ist der Dispokredit ausgeschöpft, wird ein noch höherer Zinssatz berechnet für jeden Euro, der über der vereinbarten Dispo-Summe liegt. Solange regelmäßig Lohn oder Gehalt eingeht, sind Banken mit ihren Dispokrediten auch über Jahre hinweg sehr großzügig.

Wann wird der Dispokredit zur Schuldenfalle?

Die Schuldenfalle schnappt zu, wenn die Bank den Dispo kündigt. Arbeitslosigkeit, eine Kontopfändung oder negative Einträge bei der Schufa sind in der Regel die Gründe für die Kündigung eines Dispokredits. Die Bank ist in diesen Fällen daran interessiert, so schnell wie möglich ihr Geld zurückzubekommen. Im Fall einer Kontopfändung bedeutet das, dass zunächst alle eingehenden Gelder einbehalten werden, bis der Dispokredit ausgeglichen ist. Erst dann, mit den nächsten eingehenden Geldern, wird die Pfändungssumme überwiesen. Bis all das beglichen ist, bekommen Sie als Schuldner keinen Cent ausgezahlt, auch wenn das Verfahren Monate dauert. Kündigt die Bank den Dispo aufgrund negativer Schufa-Einträge oder wegen Arbeitslosigkeit, wird sie notfalls ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten, um an ihr Geld zu kommen. Ist der Bankkunde nicht in der Lage, seine Schulden zu begleichen, droht der Besuch eines Gerichtsvollziehers. Dies kann unter Umständen bereits der Einstieg in die Privatinsolvenz sein. Für den Kunden beginnt das Jonglieren mit jedem Cent, denn schließlich kostet das tägliche Leben Geld und auch andere Verbindlichkeiten müssen bedient werden. Wird der Dispokredit zur Schuldenfalle, zieht dies zumeist weite Kreise, sodass andere Lebensbereiche ebenfalls von Problemen betroffen sind.

Was tun, wenn man in die Schuldenfalle Dispokredit getappt ist?

Allgemeingültige Ratschläge kann man an dieser Stelle nicht geben, denn jeder Fall ist individuell. Grundsätzlich aber sollte man sich erst einmal einen Überblick über die Gesamtsituation verschaffen und Bilanz ziehen. Welche Einkünfte stehen zur Verfügung? Wie hoch ist der geschuldete Betrag? Welche Verbindlichkeiten bestehen außerdem? Gibt es darunter solche Verbindlichkeiten, die auf Verträgen beruhen, die sich auflösen lassen? Dies können zum Beispiel Versicherungsverträge sein, die aktuell nicht unbedingt benötigt werden, sofern es eine Kündigungsmöglichkeit gibt. Manche Versicherungen oder Sparverträge kann man für eine gewisse Zeit ruhen lassen. Eine Umschuldung kann eine Lösung für das Gesamtproblem darstellen. Ist der geschuldete Betrag insgesamt nicht besonders hoch und verfügt man über ein regelmäßiges Einkommen, lohnt es sich, bei der Bank diesbezüglich vorzusprechen. Dafür muss man aber tatsächlich in der Lage sein, Zahlen und Fakten vorzulegen – schon deswegen ist es unerlässlich, sich einen Überblick zu verschaffen. Wichtig ist es, sofort zu reagieren, wenn die Situation schwierig wird. Auf keinen Fall sollte man in einer solchen Situation den Kopf in den Sand stecken und untätig bleiben, denn damit verschlimmert sich die Lage nur unnötig.

Was sie auf keinen Fall tun sollten!

Wer in der Klemme steckt, reagiert nicht selten mit Panik. Wenn Menschen das Wasser bis zum Hals steht, suchen sie erst einmal nach Möglichkeiten, an Geld zu kommen. Viele Verbraucher geraten in ihrer Panik in die nächste Schuldenfalle, zum Beispiel durch dubiose Kreditanbieter. Es lohnt sich niemals, in einer schwierigen Situation zu versuchen, irgendwo einen Kredit zu bekommen, damit man seine Verbindlichkeiten begleichen und durchatmen kann. Das sorgt in der Regel für noch mehr Probleme, egal wie schön die Versprechungen klingen. Was Schuldner in solchen Momenten ihres Lebens benötigen, ist kompetente Beratung durch Menschen, die sich mit Schulden auskennen: Schuldnerberater.

Was kann der Schuldnerberater für Sie tun?

Der Schuldnerberater wird mit Ihnen Ihre Gesamtsituation durchgehen. Einen Schuldnerberater aufzusuchen, bedeutet nicht, dass dies zwangsläufig zu einem Insolvenzverfahren führt. Der Berater wird Ihnen nur dann ein solches Verfahren empfehlen, wenn es keinen anderen Ausweg mehr gibt. Schuldnerberater können auch Zahlungspläne aufstellen, Ratenzahlungen vereinbaren und Vergleiche schließen. In vielen Fällen gelingt es Schuldnerberatern, Gläubiger dazu zu bewegen, auf überhöhte Zinsen und Mahnkosten zu verzichten. Schon alleine dadurch verschaffen sie dem Schuldner einen größeren finanziellen Spielraum. Viele Städte und Gemeinden, aber auch Wohlfahrtsverbände bieten Schuldnerberatung an oder können Verbrauchern zumindest seriöse Ansprechpartner nennen.