Die größten Schuldenfallen

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Die größten Schuldenfallen

Oft lockt das scheinbar schnell verdiente Geld, manchmal möchten wir einfach nur den Nachbarn beeindrucken und hin und wieder sind es auch widrige Umstände, die uns in die Schuldenfalle treiben. Doch wir können uns schützen, indem wir in folgenden Situationen zukünftig noch etwas mehr auf der Hut sind:

1. Schuldenfalle Hausbau/-kauf

Der Traum vom Haus ist ein Traum von Freiheit. Die eigenen vier Wände, kein Tür-an-Tür mit anstrengenden Nachbarn, nie wieder Mietzahlungen. Mit einem Haus bauen wir unsere Zukunft, wir sorgen für das Alter vor – umso mehr gilt es, nichts zu überstürzen. Vergleichen Sie Bauunternehmen, lesen Sie sich die zahlreichen Bewertungen früherer Bauherren und Immobilienkäufer im Internet durch und fallen Sie bitte auf keine falschen Versprechungen herein. Nur allzu oft musste der Hausbau gestoppt werden, weil der Bauherr an ein schwarzes Schaf der Branche geraten ist. Sehen Sie es als positives Signal, wenn die Baufirma eine Garantie auf Bauzeit und -kosten anbietet.

Obacht ist auch bei der Hausbank geboten, die ihre Beratungsangebote längst auch auf den Markt der Versicherungen und Immobilien ausdehnt. Hier geht es nicht selten allein um einen aufdringlichen Verkauf und hohe Provisionen.

2. Schuldenfalle Internet-Abo

„Gratis“, „kostenlos“ und „for free“ sind gebräuchliche Schlagworte im Internet, die ahnungslose Kunden – vorzugsweise unerfahrene Jugendliche – in die Abo-Falle locken. Scheinbar kostenlose oder preisgünstige Angebote täuschen über hohe Folgekosten hinweg, die im Fließtext verborgen sind.

Unser Tipp: Versteckte Hinweise auf weitere Kosten oder auf einen somit unabsichtlich abgeschlossenen Abo-Vertrag sind gesetzeswidrig – und die Betreiber wissen dies. Möglicherweise erhalten Sie Mahnungen und Hinweise auf ein kostspieliges Inkasso-Verfahren, die Ihnen Angst einjagen sollen. Lassen Sie sich davon nicht verunsichern, denn Sie sind nicht zur Zahlung verpflichtet!

3. Schuldenfalle Aktie, binäre Optionen etc.

In nur 10 Minuten, so verspricht es die aktuelle TV-Werbung, verdienen Sie 69,00 EUR. Leicht verdientes Geld? Und das ohne allzu hohes Risiko? Schon der gesunde Menschenverstand warnt: Wenn es so einfach wäre, das große Geld zu machen, wären wir dann nicht längst alle reich und wohlhabend?

Wer sich hier die Mühe macht und diverse Testberichte und Kundenerfahrungen im Netz liest, wird schnell feststellen, dass es sich auch hierbei um eine undurchsichtige Masche handelt, deren Seriosität stark anzuzweifeln ist. Bewegen Sie sich wirklich nur dann auf dem Markt der Aktien und binären Optionen, wenn Sie über die entsprechende Fachkenntnis und Risikobereitschaft verfügen – so mancher hat bei derlei Spekulationen schon Haus und Hof verloren.

4. Schuldenfalle Spiel- und Wettsucht

Pferdewetten, Fußballwetten, Lotterien – wir werden überrollt von einer Flut an Spiel- und Wettmöglichkeiten. Dabei genügt es nicht mehr, nur das Ergebnis eines Fußballspiels vorherzusehen. Sie können außerdem noch auf die Anzahl der Eckbälle, der Einwürfe sowie roter und gelber Karten setzen. Scheinbar ein Leichtes, sich hier den einen oder anderen Euro zu sichern – und immerhin, manchmal ist die Wette sogar von Erfolg gekrönt.

Solange der Spaßfaktor hier für Sie an erster Stelle steht, ist daran nichts auszusetzen. Sollte sich allerdings irgendwann eine regelrechte Sucht daraus entwickeln – ein Zwang, unbedingt gewinnen zu müssen –, wird es Zeit, die Reißleine zu ziehen.

5. Schuldenfalle Kredit und Co.

Kredite ohne Schufa, Kredite für Arbeitslose, Darlehen ohne Sicherheiten – Versprechen, die sich insbesondere an Menschen richten, die ohnehin schon unter enormen Geldsorgen leiden. Wo Banken ihre Türen schließen, öffnen sich plötzlich ungeahnte Möglichkeiten. Geld leihen ohne Schufa-Auskunft? Ohne Schufa-Eintrag? Meine Bank erfährt nichts? Und nur ich entscheide, wie hoch dieser Kredit ausfällt? Das klingt zu schön, um wahr zu sein?

Richtig, das ist es auch! Nehmen Sie bitte Abstand von diesen Angeboten, denn hier verbergen sich meist unglaublich hohe Zinsen und horrende Bearbeitungsgebühren. Noch ehe Sie auch nur einen Cent von dem versprochenen Geld sehen, sind Sie erst einmal einige Hundert Euro los! Tatsächlich kann es sogar sein, dass sie lediglich einen Dienstleistungsvertrag abgeschlossen haben, der eine Auszahlung der Kreditsumme weder jetzt noch in Zukunft vorsieht: Es geht ausschließlich um die Verwaltung Ihrer bisherigen Schulden.

Wichtig: Auch wenn Banken seriöser arbeiten, so ist ein hoher Dispositionsrahmen – speziell für Berufsanfänger – oft sehr verführerisch.

6. Schuldenfalle Versandbestellung

Heute bestellen, in 6 Monaten bezahlen. Wenn Sie sich etwas von Herzen wünschen, die finanziellen Mittel jedoch fehlen, dann kommen derartige Versprechungen namhafter Versandhäuser und Online-Händler gerade richtig.

Kaum verwunderlich also, dass Versandbestellungen inzwischen zu den häufigsten Schuldenfallen zählen. Dabei muss es sich nicht nur um neue Kleidung oder Möbel handeln, auch Reiseanbieter versprechen immer häufiger: Jetzt verreisen, nächstes Jahr bezahlen!

7. Schuldenfalle Arbeitslosigkeit

Wer in die Arbeitslosigkeit abstürzt, der tut dies nicht unbedingt aus freien Stücken. Unternehmen gehen in die Insolvenz, Arbeitsstellen werden abgebaut – und ehe Sie sich versehen, warten Sie beim Arbeitsamt auf Ihren Termin.

Jetzt heißt es, unbedingt den Gürtel enger schnallen. Egal, ob ALG I oder ALG II (Hartz IV) – von jetzt an müssen Sie mit weniger Geld auskommen. D. h. den Lebensstandard einschränken und immer damit rechnen, dass Leistungen zurückgefordert werden, weil wichtige Informationen für die Kalkulation fehlten und nachgereicht werden mussten. Sollte der Arbeitslosigkeit eine eheliche Trennung vorausgegangen sein, so können Sie für das Scheidungsverfahren (in Deutschland herrscht Anwaltspflicht) Prozesskostenhilfe beantragen. Beachten Sie jedoch, dass Sie hier zu Rückzahlungen verpflichtet sind, sobald Sie – hoffentlich schnell – wieder in Arbeit kommen.

8. Geld ausgeben, das noch nicht da ist

Eine der häufigsten Schuldenfallen besteht darin, Geld auszugeben, das noch gar nicht da ist. Obwohl man theoretisch nichts ausgeben kann, was nicht auch auf dem Konto gutgeschrieben ist, finden Schuldner dieser Kategorie immer einen kreativen Weg, die Zeit bis zum Eintreffen des verplanten Geldes zu überbrücken. Leihgaben von Freunden, teilweise sogar Kredite von Banken, Kreditkarten, Rechnungskauf und Nichtbezahlung der Rechnung – solche Methoden können tatsächlich gut gehen, wenn man das ausgegebene Geld gut im Blick behält und gewissenhaft zurückzahlt. An dieser Stelle jedoch kommt das Problem ins Spiel. Das eintreffende Geld, sei es durchs Gehalt, weitere Leihgaben oder ähnliche Einnahmequellen, steht für die schon getätigte Ausgabe gar nicht zur Verfügung. Denn es gilt, zusätzliche Kosten wie Mietzahlungen, Strom und Lebensmittelkosten auch zu begleichen – und natürlich die immer höher werdenden Schulden. Anstatt also das Einkommen für die Abzahlung von Schulden einzusetzen, wird es wieder für anderes gebraucht und die Schulden bleiben weiter bestehen.

Wie entstehen Schulden?

Schulden sind nicht zwingend die Ergebnisse schlechter Finanzplanung. Viel häufiger findet sich der Fall, dass der Schuldner seine Bedürfnisse nicht gut im Griff hat und immer wieder etwas Neues anschaffen will oder muss. Auf das Geld wird dabei nicht geachtet. In manchen Fällen gebietet finanzielle Not ein solches Verhalten. Dem Schuldner reicht das Grundeinkommen für Grundlegendes nicht mehr aus, sodass er überlegt, wie er die Zahlung wichtiger Kosten und weniger wichtiger Anschaffungen hinauszögern kann. Dadurch summieren sich offene Rechnungen und es entstehen neue Schulden, um sie zu begleichen. In diesen Fällen kann man oft nicht mehr davon sprechen, dass lediglich das Geld zur Begleichung der Schulden noch nicht da ist. Vielmehr ist aus dieser Vorgehensweise ein echtes Schuldenproblem entstanden: Die zu begleichenden Schulden können gar nicht mehr durch die Geldeingänge getragen werden. Für viele betroffene Schuldner ist es ein schwerer Schritt, sich dieser unangenehmen Wahrheit bewusst zu werden.

Wichtig: Problemerkennung der Schuldenfalle

Noch bevor ein Zahlungsplan entwickelt wird, sollte der Schuldner sich Gedanken darüber machen, wie er in die Schuldenfalle gekommen ist. Liegt es am Konsumverhalten? Ist tatsächlich zu wenig Einkommen für die grundlegende Lebenshaltung da? Gibt es ein grundsätzliches Problem beim fristgemäßen Begleichen von Rechnungen, obwohl das Geld vielleicht sogar da wäre? Wird das Problem nicht erkannt, kann es selbst bei einem noch so durchdachten Rückzahlungsplan erneut zu Schulden kommen. Eine erfahrene und einfühlsame Schuldnerberatung kann dabei helfen, solche Entwicklungen gemeinsam mit dem Schuldner zu erkennen und Tipps zur Lösung geben, noch während der Rückzahlungsplan erstellt wird.

Wie mit den Schulden umgehen?

Die dringlichste Frage bei Schulden aus Geld, das noch nicht da war, ist die des Umgangs mit den nun entstandenen Schulden. Klar ist, dass sie zurückgezahlt werden müssen. Wie das passieren kann, hängt von Einkommen, Lebenshaltungskosten und Dringlichkeit der Schulden zum Zeitpunkt des Handelns ab.

Ausreichendes Einkommen, verhandlungsbereite Gläubiger
Im besten Fall sind die Gläubiger ansprechbar und verhandlungsbereit, die Vorfälle liegen weder bei Inkassobüro noch Gerichtsvollzieher und das Einkommen des Schuldners reicht aus, um jeden Monat etwas in den Schuldenabbau zu investieren. Bei länger bestehenden Schulden ist das Inkassobüro immer noch der bessere Ansprechpartner als ein Gerichtsvollzieher, der das Geld eintreiben soll, da Inkassobüros flexibler in den Verhandlungsmöglichkeiten und weniger rabiat sind. Tatsächlich lassen sie über fast jede Zahlungsmodalität mit sich reden, da ihr wirtschaftlicher Erfolg davon abhängt, den Schuldenfall nicht an einen Gerichtsvollzieher abzugeben.

Geringes Einkommen, verhandlungsbereite Gläubiger
Freuen wird sich der Gläubiger über ein zu geringes Einkommen für die Rückzahlung nicht. Zeigt der Schuldner aber die Bereitschaft, das Geld zu zahlen, seien die Raten noch so niedrig, lassen sich Gläubiger und Inkassobüros oft notgedrungen darauf ein. Umso wichtiger ist es in diesen Fällen, absolut pünktlich zu zahlen und keinesfalls weitere Schulden zu machen. Außerdem sollte geklärt werden, warum das Einkommen so niedrig ist und ob es Wege gibt, an diesem Problem zu arbeiten.

Ausreichendes Einkommen, dringende Schulden
Problematisch werden Schulden, wenn Gerichtsvollzieher ins Spiel kommen. Zum Eintreiben des Geldes haben sie ganz andere Mittel als freundliche Briefe. Der Kontakt zu ihnen muss in jedem Fall früh gesucht werden, noch bevor es zur Vollstreckung kommt. Bei ausreichendem Einkommen kann man Rückzahlungsvereinbarungen für einen Zeitraum von maximal sechs Monaten abschließen. Pünktliche Zahlung ist Pflicht, da andernfalls die Ratenvereinbarung hinfällig werden kann.

Geringes Einkommen, dringende Schulden
In so ernsten Fällen sollte dringend eine Schuldnerberatung aufgesucht werden. Falls das noch nicht geschehen ist, erarbeitet diese gemeinsam mit dem Schuldner einen Schulden- und Rückzahlungsplan. Dieser kann Gerichtsvollziehern, Inkassobüros und Gläubigern direkt vorgelegt werden. Es kann aber auch sinnvoll sein, über Maßnahmen wie eine eidesstattliche Versicherung zum Aufschub der Schulden oder eine Privatinsolvenz zum Abbau über sechs Jahre mit anschließender Schuldenfreiheit nachzudenken. Entscheidungen wie diese sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, auch in diesen Fällen hilft eine Schuldnerberatung.

By |2017-01-09T17:20:17+00:00Dezember 4th, 2014|Schuldenfallen|0 Comments

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