Privatinsolvenz: Vorteile und Nachteile

Eine Insolvenz ist kein Kinderspiel. Wer diesen Schritt geht, ist entweder sehr hoch verschuldet oder hat so viele Gläubiger, die gleichzeitig versuchen, ihr Geld einzutreiben, dass einfach kein Land mehr in Sicht ist. In der Regel ist es demnach so, dass Menschen, die eine Privatinsolvenz einreichen, schon über einen sehr langen Zeitraum unter einem hohen Leidensdruck stehen. Aus diesem Grund beschäftigen wir uns zunächst mit den Vorteilen der Privatinsolvenz. Denn die gibt es, trotz aller Horrorgeschichten, die im Umlauf sind.

Die Vorteile

Keine Pfändungen mehr!

Sobald Sie die Privatinsolvenz eingereicht haben, müssen Sie keine bösen Überraschungen mehr befürchten. Kontopfändungen und Lohnpfändungen gehören der Vergangenheit an. Der Gerichtsvollzieher wird Sie auch nicht mehr aufsuchen. Sie regeln ab der Eröffnung der Insolvenz alles nur noch mit Ihrem Treuhänder. Niemand darf Sie mehr belästigen und versuchen, Geld einzutreiben.

Der Gang zum Briefkasten fällt wieder leicht. Die unangenehmen Einschreibebriefe bleiben Ihnen erspart. Sämtliche Gläubiger müssen sich jetzt mit Ihrem Treuhänder auseinandersetzen. Das verschafft Ihnen Ruhe und Sie können wieder durchatmen.

Sie erhalten die Chance auf einen echten Neuanfang

Nach dem Schlusstermin, wenn die Wohlverhaltensphase beginnt, haben Sie zumindest das Existenzminimum zur Verfügung und das darf Ihnen niemand nehmen. Wie viel Ihnen bleibt, können Sie in offiziellen Pfändungstabellen nachlesen. Grundsätzlich erhöht sich der pfändungsfreie Grundbetrag mit jeder unterhaltsberechtigten Person, die in Ihrem Haushalt lebt.

Falls Sie selbstständig sind, müssen Sie nicht Ihr gesamtes Einkommen an den Treuhänder abführen. Sie zahlen lediglich die Differenz zwischen dem Pfändungsfreibetrag und dem branchenüblichen Verdienst. Das, was an Einkommen darüber hinausgeht, haben Sie zur Verfügung, um Investitionen zu tätigen oder Rücklagen zu bilden.

Der Neuanfang bezieht sich natürlich vor allem auf das Ende der Wohlverhaltensphase. Nach 72 Monaten, also insgesamt sechs Jahren, sind Sie Ihre Altschulden durch die Restschuldbefreiung los und können noch einmal ganz von vorne anfangen. Bitte bedenken Sie, dass Schuldtitel, die durch Vollstreckungen und eidesstattliche Versicherungen bestehen, 30 Jahre lang pfändbar sind. Das sind Sie aber mit einer Privatinsolvenz alles nach insgesamt sechs Jahren los.

Negative Schufa-Einträge werden gelöscht

Auch das ist ein Vorteil, allerdings werden Sie diesen erst drei Jahre nach Ablauf der Wohlverhaltensperiode zu spüren bekommen: Alle negativen Einträge in der Schufa werden gelöscht. Ob es sich nun um Mobilfunkanbieter handelt oder um alte Mietverträge, die mit Schulden belastet waren – drei Jahre nach Ablauf der Wohlverhaltensphase sind Sie frei. Sie bekommen wieder einen Handyvertrag und sind erneut kreditwürdig. Allerdings sollten Sie mit der wieder erworbenen Kreditwürdigkeit vorsichtig umgehen.

Wir sprechen hier über einen Zeitraum von knapp 10 Jahren. Das klingt nach einer sehr langen Zeit. Aber wer so verschuldet ist, dass eine Privatinsolvenz notwendig wird, würde es niemals innerhalb von zehn Jahren schaffen, alle Altschulden loszuwerden. Auf Wunder kann man zwar warten, sie dauern aber meist wesentlich länger.

Die Nachteile

Der Arbeitgeber erhält Kenntnis

Durch das laufende Insolvenzverfahren erhält natürlich der Arbeitgeber Kenntnis über Ihre finanzielle Schieflage. Allerdings mutet das schlimmer an, als es in Wirklichkeit ist. Der Arbeitgeber wird deswegen informiert, weil er derjenige ist, der ab jetzt monatlich den pfändbaren Betrag Ihres Einkommens an den Treuhänder abführen muss. Das ist allerdings für Arbeitgeber nicht schlimm. Viel schlimmer sind Lohnpfändungen, denn die verursachen sehr viel zusätzliche Arbeit. Fassen Sie sich ein Herz und führen Sie ein vertrauliches Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber. Wenn er rechtzeitig und von Ihnen persönlich informiert wird, ist alles halb so wild.

Der Vermieter wird informiert

Eine hinterlegte Kaution zählt zur Insolvenzmasse. Ziehen Sie aus der Wohnung aus, muss der Vermieter die hinterlegte Kaution an den Treuhänder übergeben. Aus diesem Grund wird der Vermieter informiert. Bleiben Sie dort wohnen, ändert sich überhaupt nichts. Führen Sie rechtzeitig vorher ein vertrauliches Gespräch mit Ihrem Vermieter. Die meisten Vermieter reagieren verständnisvoll. Eine Privatinsolvenz ist kein Grund für eine Wohnungskündigung.

Schwierigkeiten mit der Bank

Ihre Bank erhält Kenntnis von Ihrer Privatinsolvenz. Nicht selten zählt die Bank sogar zu den Gläubigern, weil ein Kredit aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten gekündigt wurde. Oft handelt es sich auch um gekündigte Dispo-Kredite. Sollte dies der Fall sein, kann es passieren, dass man Ihnen das Konto kündigt. Sie sollten aus diesem Grund rechtzeitig das Gespräch mit Ihrer Bank suchen und das bestehende Konto in ein Guthabenkonto umwandeln lassen. Sollte die Bank damit nicht einverstanden sein, sprechen Sie eben bei einer anderen Bank vor. Sofern Sie ein regelmäßiges Einkommen haben, wird man Ihnen auf jeden Fall bei einer anderen Bank ein Guthabenkonto einrichten.

Kontosperrung

Auch wenn Sie das Gespräch mit Ihrer Bank gesucht haben und dieses positiv verlaufen ist, wird das Konto gesperrt. Die Kontosperrung erfolgt nicht, wie irrtümlich angenommen, seitens des Treuhänders. Die Bank selbst ist es, die das Konto sperrt. Sie können kein Geld mehr abheben und falls Sie noch eine EC-Karte haben, funktioniert sie nicht mehr, sobald die Sperre aktiv ist. Banken nehmen diese Sperre vor, weil sie nicht in die Haftung genommen werden wollen. Erst wenn der Treuhänder selbst das Konto bei der Bank freigibt, kann die Bank nicht mehr haftbar gemacht werden. Eine solche Kontosperre ist nicht wirklich tragisch!

Rechnen Sie mit dieser Sperre und legen Sie sich einen kleinen Notbetrag zur Seite, damit Sie in der Sperrzeit noch etwas Geld zur Verfügung haben. Sobald die Sperre aktiv wird, informieren Sie Ihren Treuhänder und bitten ihn um Freigabe. In der Regel dauert es eine Woche, bis das Konto wieder freigegeben ist. Aber legen Sie lieber ein bisschen mehr Geld zur Seite, denn es gibt auch Fälle, in denen die Freigabe mehrere Wochen gedauert hat. Ist der Treuhänder gerade im Urlaub oder nicht erreichbar, dauert es eben länger.

Schwierigkeiten beim Wohnungswechsel

Falls Sie planten, umzuziehen, sollten Sie dies möglichst noch vor dem Einreichen der Privatinsolvenz tun. In der Regel informieren sich Vermieter über Ihre Schufa-Einträge. Denken Sie daran, dass ein neuer Vermieter Sie nicht kennt und sich an Fakten orientiert. Er kennt die Gründe für das Insolvenzverfahren nicht und wird vermuten, dass es Schwierigkeiten mit der Mietzahlung gibt.

Strom, Gas, Telefon und Versicherungen

Sie haben einen Anspruch auf die Versorgung mit Strom und Gas. Ein Anbieterwechsel ist jedoch während der Insolvenzphase ziemlich schwierig. Durch die Eintragung der Insolvenz in der Schufa werden Sie auch Schwierigkeiten haben, den Anbieter für Telekommunikationsdienstleistungen zu wechseln. Es ist durchaus möglich, dass man von Ihnen eine Kautionszahlung verlangt. Auch der Anbieterwechsel bei Versicherungen könnte sich schwierig gestalten. Bei Haftpflicht-Autoversicherungen wird häufig eine Vorauszahlung verlangt.

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