Privatinsolvenz: Unterhalt

Unterhaltsforderungen für Ehegatten oder Kinder können Unterhaltspflichtige finanziell schnell überfordern. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn neben den Unterhaltszahlungen noch umfangreiche weitere Zahlungsverpflichtungen bestehen. Zu Recht haben Unterhaltspflichtige in Bezug auf die Privatinsolvenz jede Menge Fragen.

Unterhaltsrückstände in der Privatinsolvenz

Unterhaltspflicht wird in Deutschland sehr ernst genommen. Wenn Unterhaltspflichtige den Unterhalt nicht bezahlen, treten notfalls Behörden ein. Ehegatten, für die Unterhalt geleistet werden muss, erhalten gegebenenfalls Hartz IV. Für unterhaltsberechtigte Kinder wird seitens des Jugendamts ein Unterhaltsvorschuss gezahlt. Damit ist der Unterhaltspflichtige jedoch nicht seine Verpflichtungen losgeworden, ganz im Gegenteil: Die Behörden fordern jeden Cent zurück. Schulden, die sich für den Unterhaltspflichtigen daraus ergeben, können in die Privatinsolvenz einfließen. Die Restschuldbefreiung gilt für alle Unterhaltsschulden, die zum Zeitpunkt der Antragsstellung vorhanden sind.

Achtung: Unerlaubte Handlung

Wenn Sie unterhaltspflichtig sind, sprechen wir hier tatsächlich von einer Pflicht. Dem Unterhaltsberechtigten die Unterhaltsleistung zu verweigern, stellt eine unerlaubte Handlung dar. Auch wenn Sie den Unterhalt beim besten Willen nicht leisten konnten. Unterhaltsforderungen haben immer Vorrang. Sollte nun der Gläubiger – das kann die Behörde sein oder der Unterhaltsberechtigte selbst – die unerlaubte Handlung geltend machen, kann Sie das die Restschuldbefreiung kosten. Sollte das passieren, legen Sie unverzüglich, innerhalb von 14 Tagen, Widerspruch ein. Das gilt auch für den Fall, dass Sie wegen einer Verletzung der Unterhaltspflicht in der Vergangenheit schon rechtskräftig verurteilt wurden.

Vorsicht beim laufenden Unterhalt

Die Restschuldbefreiung gilt nur für Unterhaltsschulden, die sich bis zum Tag der Antragsstellung auf Privatinsolvenz angesammelt haben. Der laufende Unterhalt während des Insolvenzverfahrens ist von der Restschuldbefreiung ausgeschlossen. Sie müssen während des Verfahrens und natürlich auch in der Wohlverhaltensperiode die laufenden Unterhaltsbeträge pünktlich bezahlen. Bei allen anderen Forderungen dürfen die Gläubiger ab der Insolvenzeröffnung nicht mehr pfänden.

Anders bei laufenden Unterhaltsverpflichtungen: Diese dürfen weiterhin gepfändet werden. Auf Antrag des Gläubigers kann Ihr Einkommen bis zum Regelbetrag von ALG II gepfändet werden. Aus diesem Grund müssen Sie nicht nur den Unterhalt bezahlen, sondern auch in Sachen Insolvenz handeln. Belegen Sie bei Ihrem Treuhänder schnellstens all Ihre Einnahmen und Ausgaben und stellen Sie Ihre Anträge.

Der Unterhalt in der Privatinsolvenz

Vor Unterhaltspflichten kann sich niemand drücken – und sie haben immer Vorrang. Wenn Sie Privatinsolvenz anmelden, ändert sich daran nichts. Auch in der Wohlverhaltensphase sind Sie verpflichtet, für leibliche Kinder Unterhalt zu leisten. Dieser Unterhalt errechnet sich anhand Ihres Netto-Einkommens. Bevor nun Gläubiger befriedigt werden, muss der Unterhalt geleistet werden. Das heißt, Sie bekommen den Unterhalt in Ihrem Selbstbehalt währen der Wohlverhaltensphase angerechnet. Nur wenn dann noch pfändbares Einkommen vorhanden ist, wird dieses an den Treuhänder abgeführt, der davon die Gläubiger bedient. Ist dies nicht der Fall, gehen die Gläubiger leer aus.

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