Privatinsolvenz oder Regelinsolvenz?

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Privatinsolvenz oder Regelinsolvenz?

Unter einer Insolvenz versteht man die Zahlungsunfähigkeit einer natürlichen oder einer juristischen Person. Unter einer natürlichen Person ist jede lebende Person zu verstehen, die für sich selbst einstehen muss. Unter einer juristischen Person versteht man in der Gesetzgebung Unternehmen mit einer eigenen Rechtsfähigkeit. Natürliche Personen können beispielsweise vor Gericht für sich selbst klagen. Juristische Personen werden durch Personen vertreten, die innerhalb des Unternehmens dazu berechtigt sind.

Die Privatinsolvenz

Die Privatinsolvenz, die auch als Verbraucherinsolvenz bezeichnet wird, können alle natürlichen Personen beantragen, die nicht selbstständig tätig sind. In diesen Personenkreis fallen Arbeitnehmer und Erwerbslose. Aber auch Selbstständige können unter bestimmten Umständen eine Privatinsolvenz beantragen. Die Voraussetzung ist, dass sie nicht mehr als 20 Gläubiger haben. Außerdem dürfen in den Verbindlichkeiten keine offenen Forderungen von Arbeitnehmern enthalten sein. Bei der Privatinsolvenz handelt es sich um ein vereinfachtes Insolvenzverfahren.

Im ersten Schritt werden die Gläubiger angeschrieben. Sie müssen ihre Forderungen aufstellen und es wird versucht, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Der Treuhänder stellt hierfür einen Schuldenbereinigungsplan auf. Dieser Versuch gilt als gescheitert, wenn ein Gläubiger nicht damit einverstanden ist, oder weiterhin Versuche unternimmt, die Schuldsumme weiterhin beim Schuldner zu vollstrecken. Es folgt der zweite Schritt: Der Antrag auf Privatinsolvenz und auf Restschuldbefreiung. Bis zum Schlusstermin muss verwertbares Vermögen veräußert sein und alle Gläubiger müssen ihre Forderungen angemeldet haben. Wer es versäumt, seine Forderungen anzumelden, verwirkt seine Ansprüche. Nach dem Schlusstermin beginnt die sechsjährige Wohlverhaltensphase, an deren Ende die Restschuldbefreiung steht. Wer es schafft, innerhalb der ersten drei Jahre mindestens 35 Prozent der Schuldsumme und die Verfahrenskosten zu begleichen, kann von der verkürzten Insolvenz profitieren, die seit kurzer Zeit möglich ist. In diesem Fall dauert die Wohlverhaltensphase nur drei Jahre und die Restschuldbefreiung erfolgt bereits direkt im Anschluss im vierten Jahr der Privatinsolvenz. Die Einträge in der Schufa bleiben noch weitere drei Jahre bestehen.

Die Privatinsolvenz kann vom Schuldner selbst beantragt werden. Aber auch ein Gläubiger kann die Insolvenz des Schuldners beantragen.

Die Regelinsolvenz

Auch die Regelinsolvenz kann vom Schuldner, wie auch vom Gläubiger beantragt werden. Sie erfolgt bei Selbstständigen, die mehr als 19 Gläubiger haben, aber auch bei Selbstständigen, deren Arbeitnehmer noch offene Forderungen an sie haben. Auch Forderungen des Finanzamts, die aus Arbeitsverhältnissen entstanden sind, fallen unter diesen Passus, da Arbeitgeber ja Lohnsteuer usw. einbehalten. Juristische Personen müssen grundsätzlich die Regelinsolvenz durchlaufen.

Das Verfahren der Regelinsolvenz ist wesentlich komplizierter. Unternehmer, die eine Regelinsolvenz durchlaufen müssen, sollten sich deswegen eine kompetente Beratung suchen. Der Antrag auf die Regelinsolvenz kann direkt beim Gericht gestellt werden. Der Versuch einer außergerichtlichen Einigung zur Schuldenbereinigung ist nicht notwendig. Im Rahmen der Regelinsolvenz wird geprüft, ob es Sanierungsmöglichkeiten gibt und ob das Unternehmen in irgendeiner Form weiter geführt werden kann.

Vermögenswerte werden jedoch ebenso zur Schuldenbereinigung verwertet wie in einer Privatinsolvenz. Vermögenswerte jedoch, die notwendig sind, um das Unternehmen weiter zu führen, bleiben erhalten. Bei Einzelunternehmen ist eine Regelinsolvenz wenig kompliziert. Bei juristischen Personen jedoch kann das Insolvenzverfahren ungeheure Ausmaße annehmen, insbesondere dann, wenn das Unternehmen aus mehreren kleinen Unternehmen besteht. Während des laufenden Insolvenzverfahrens müssen alle geschäftlichen Entscheidungen mit dem Treuhänder abgestimmt werden. Während des Insolvenzverfahrens kann der Treuhänder bei einer Regelinsolvenz geschäftliche Vorgänge stoppen, ausbremsen und sogar verbieten oder anordnen. Erst wenn das Unternehmen wieder durch ihn freigegeben ist, was in der Regel nach dem Schlusstermin erfolgt, dürfen die geschäftlichen Entscheidungen wieder unabhängig vom Treuhänder alleine getroffen werden.

Bei eingetragenen Vereinen kann übrigens jedes Vereinsmitglied die Insolvenz des Vereins beantragen. Bei einer GmbH kann jeder Gesellschafter die Insolvenz beantragen und bei einer AG jedes Mitglied des Aufsichtsrats.

Was können Sie als Selbstständiger tun?

Für juristische Personen gibt es keine Wahl. Sie alle unterliegen der Regelinsolvenz. Selbstständige und Freiberufler allerdings können häufig wählen, ob sie den Weg der Privatinsolvenz gehen oder die Regelinsolvenz beantragen. Die Privatinsolvenz ist einfacher, also empfiehlt es sich natürlich, diese zu beantragen. Sie kennen nun die Voraussetzungen!

Der erste Schritt besteht ohnehin darin, die Gläubiger und ihre Forderungen aufzulisten. Wenn Sie weniger als 20 Gläubiger haben, könnten Sie ohnehin die Privatinsolvenz wählen. Sind es aber mehr als 19, wäre zu überlegen, ob diese nicht minimiert werden können. Sind kleinere Forderungen dabei? Und könnten Sie diese begleichen? Das wäre in diesem Fall ratsam. Sobald Sie weniger als 20 Gläubiger haben, können Sie die Verbraucherinsolvenz beantragen.

Der gleiche Rat gilt natürlich auch für den Fall, dass offene Forderungen aus Löhnen und Gehältern bestehen. Gleich ob beim Arbeitnehmer, beim Finanzamt oder bei Sozialversicherungsträgern: Wenn es Ihnen irgendwie möglich ist, begleichen Sie diese Forderungen. Denken Sie in diesem Zusammenhang auch an die Restschuldbefreiung: Offene Forderungen aus Löhnen und Gehältern bei Sozialversicherungsträgern fallen unter unerlaubte Handlungen – das kann Sie die Restschuldbefreiung kosten.

By |2016-12-04T16:41:11+00:00Dezember 5th, 2014|Privatinsolvenz|0 Comments

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