Privatinsolvenz: Auto

Ob Sie Ihr Auto behalten dürfen oder nicht, ist im Insolvenzgesetz klar geregelt. Diese Frage hängt natürlich auch davon ab, wie wertvoll Ihr Wagen ist und ob er bereits bezahlt ist. Um Ihnen möglichst klare Antworten liefern zu können, erklären wir die Sachlage am besten anhand von einigen Fallbeispielen.

Beispiel 1: Das Auto ist finanziert

Wenn Ihr Wagen finanziert ist, können Sie ihn keinesfalls behalten. Bei einem finanzierten Wagen gehört die Bank mit zu Ihren Gläubigern und muss genauso behandelt werden wie alle anderen Gläubiger. In der Regel wird die Bank vom Treuhänder angeschrieben und über Ihr Insolvenzverfahren informiert. Spätestens dann wird die Finanzierung durch die Bank gekündigt. In diesem Fall müssen Sie den Wagen herausgeben. Das Auto wird verkauft und der Verkaufserlös fließt in die Insolvenzmasse, aus der heraus der Treuhänder die Gläubiger befriedigt.

Beispiel 2: Das Auto ist bereits bezahlt

Mehrere Varianten sind in dieser Situation möglich. Auch wenn der Wagen bereits vollständig bezahlt ist und Ihnen gehört, spielt der Wert eine entscheidende Rolle. Handelt es sich um einen wertvollen Wagen, fällt er mit in die Insolvenzmasse. In diesem Fall dürfen Sie dieses Auto auf keinen Fall behalten. Der Treuhänder wird es einziehen und verkaufen.
Falls Sie einen teuren Wagen besitzen und diesen unbedingt behalten wollen, gibt es nur eine Möglichkeit: Sie lassen den Wert auf Ihre Kosten feststellen. Die vom Gutachter festgestellte Summe müssen Sie dem Treuhänder übergeben. Das bedeutet, dass Sie Ihrem Insolvenzverwalter Ihren eigenen Wagen abkaufen würden.

Besitzen Sie ein älteres, weniger wertvolles Auto, wird der Treuhänder ebenfalls die Herausgabe verlangen. Im Grunde kann auch dieser Wertgegenstand zu Geld gemacht werden, fällt also mit in die Insolvenzmasse. Sofern Sie jedoch nachweisen können, dass Sie den Wagen dringend brauchen, zum Beispiel um Ihren Arbeitsplatz erreichen zu können, muss der Treuhänder Ihnen das Auto überlassen. Falls Sie ein gutes Verhältnis zu Ihrem Arbeitgeber haben, kann dieser Ihnen vielleicht bescheinigen, dass Sie den Wagen aus dienstlichen Gründen benötigen. Es liegt im Ermessen des Treuhänders, die Sache auf sich beruhen zu lassen oder trotzdem von Ihnen zu verlangen, dass Sie den Wert des Wagens feststellen lassen und ihm diesen festgestellten Wert übergeben. In diesem Fall kaufen Sie, wie im obigen Beispiel bereits beschrieben, dem Insolvenzverwalter Ihren eigenen Wagen ab. Im ungünstigsten Fall kann er von Ihnen verlangen, einen günstigeren Wagen zu kaufen.

Besitzen Sie einen alten Wagen, der de Facto keinen Wert mehr hat, und nur mit Schwierigkeiten die nächste TÜV-Prüfung bestehen würde, stellt sich die Lage einfacher dar. Weisen Sie dem Treuhänder nach, dass Sie den Wagen dringend benötigen, um Ihrer Arbeit nachgehen zu können und Sie werden das Auto mit großer Wahrscheinlichkeit behalten dürfen. Grundsätzlich kann der Treuhänder jedoch auch in diesem Fall von Ihnen den Gegenwert des Wagens verlangen, auch wenn es sich lediglich um 100 oder 200 Euro handelt. In der Praxis kommt die eher selten vor.

Beispiel 3: Leasingwagen

Im Fall eines Leasingwagens ist die Sachlage ähnlich wie bei einem finanzierten Wagen. Das Auto gehört Ihnen nicht. Ihr Gläubiger ist Ihr Leasing-Vertragspartner. Sie müssen das Auto zurückgeben, sobald die Herausgabe gefordert wird. Entgehen können Sie dieser Rückgabe nur, wenn sich beispielsweise ein Familienmitglied bereit erklärt, den Leasingvertrag zu übernehmen und Sie weiterhin damit fahren lässt.

Beispiel 4: Ein Autokauf in der Wohlverhaltensphase

Da Sie während der Wohlverhaltensphase keine Schulden machen dürfen und Ihnen mit Sicherheit keine Bank einen Kredit gewähren wird, müssten Sie einen Autokauf folglich aus vorhandenen Barmitteln tätigen. Da Ihnen nur das Geld zusteht, das Sie laut Pfändungstabelle behalten dürfen, werden Sie sich kaum einen teuren Neuwagen leisten können. Wenn Sie allerdings einen günstigen Gebrauchtwagen kaufen, den Sie sich quasi vom Mund abgespart haben, dann verwehrt Ihnen das niemand.

Beispiel 5: Hartz IV Bezieher

Keine Frage, auch Menschen, die Hartz IV beziehen, benötigen unter Umständen ein Auto. Allerdings können Sie in diesem Fall nicht geltend machen, dass Sie das Auto brauchen, um Ihren Arbeitsplatz erreichen zu können. Selbst wenn es ein sehr altes, beinahe schrottreifes Auto ist, wird der Insolvenzverwalter in diesem Fall die Verwertung fordern. Entgehen können Sie dem nur, wenn Sie nachweisen können, dass Sie in Kürze einen Arbeitsplatz antreten werden. Außerdem müssen Sie in diesem Fall nachweisen, dass Sie den Arbeitsplatz ohne eigenes Auto nicht erreichen können.

Beispiel 6: Das Auto ist bezahlt – gehört Ihnen aber nicht

Es gibt nicht wenige Fälle von Besitzern, die jedoch nicht Eigentümer sind. Manchmal gehört ein Wagen tatsächlich der Mutter, dem Vater oder dem Bruder. Wenn Sie als Schuldner einen Wagen zwar regelmäßig fahren, diesen aber nicht besitzen, fällt das Auto nicht in die Insolvenzmasse. In diesem Fall besitzen Sie kein Auto. Sie sollten sich aber davor hüten, Ihren Wagen vor dem Insolvenzantrag schnell noch an Ihnen nahestehende Menschen zu übertragen. Dieses Vorgehen werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit im Nachhinein rechtfertigen müssen. Hat der Treuhänder den Eindruck, dass Sie Vermögenswerte verschleiern, kann das empfindliche Folgen haben, wie zum Beispiel die Tatsache, dass man Ihnen die Restschuldbefreiung versagt.

Anfallende Kosten für ein Auto

Wenn Sie Ihren Wagen behalten dürfen oder sich nach Abschluss des Verfahrens während der Wohlverhaltensphase einen günstigen Gebrauchtwagen zulegen, muss Ihnen bewusst sein, dass dadurch Kosten entstehen. Steuer, Versicherung, neue Reifen, Ersatzteile oder eine nötige Reparatur: All das müssen Sie von dem Geld tragen können, das Ihnen während der Wohlverhaltensphase zur Verfügung steht. Sie können einige dieser Kosten zwar im Lohnsteuerjahresausgleich geltend machen – sollten Sie jedoch eine Steuerrückzahlung durch das Finanzamt erhalten, so müssen Sie diese Summe Ihrem Treuhänder aushändigen.

Gibt es Tricks, die man anwenden kann?

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, und wo Wege sind, werden Menschen mitunter recht spitzfindig. Jedoch ist allen Schuldnern angeraten, in solchen Fragen absolut ehrlich zu sein und keine Vermögenswerte zu verschleiern. Wer sein Auto vor der Insolvenz schnell noch verschenkt oder einem nahestehenden Menschen überträgt, muss sich im Rahmen der Insolvenzeröffnung dafür rechtfertigen. Wenn der Verdacht besteht, dass Vermögenswerte absichtlich verschleudert wurden, droht die Versagung der Restschuldbefreiung. Denken Sie bitte immer daran, dass Sie zur Wahrheit verpflichtet sind und stets Mitwirkungspflicht haben. Es muss ersichtlich sein, dass auch Sie daran interessiert sind, Ihre Angelegenheiten möglichst anständig zu regeln.

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