Dauer einer Privatinsolvenz

Eine reguläre Privatinsolvenz dauert exakt sechs Jahre. Allerdings gibt es hierbei verschiedene Phasen, die Sie kennen sollten. Denn bis zur Insolvenzeröffnung vergehen meist sechs bis zwölf Monate. Aus diesem Grund beträgt die gesamte Insolvenzdauer durchschnittlich sieben Jahre. Verbraucher können bei Bedarf eine Schuldnerberatung aufsuchen und mit deren Hilfe den Insolvenzantrag stellen. Es steht jedoch jedem Verbraucher frei, den Antrag selbst zu stellen, bzw. eine auf Insolvenzen spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei damit zu beauftragen. Diese Entscheidung hat durchaus Einfluss auf die Dauer des Gesamtverfahrens. Bei öffentlichen Beratungsstellen kann es beispielsweise mehrere Monate dauern, bis Sie als Schuldner einen ersten Beratungstermin bekommen. Bis der Antrag auf Privatinsolvenz letztendlich gestellt wird, gehen oft nochmal ein paar weitere Monate ins Land. Dies liegt daran, dass Insolvenzverfahren einen gesetzlich vorgeschriebenen Verfahrensablauf haben.

Der außergerichtliche Einigungsversuch

In der ersten Phase der Insolvenzeröffnung muss ein außergerichtlicher Einigungsversuch erfolgen. Hierfür werden alle Gläubiger angeschrieben und um eine Forderungsaufstellung gebeten. Dieses Verfahren dauert im Durchschnitt zwei Wochen. Es wird geprüft, ob der Schuldner über ein ausreichendes Einkommen verfügt, das ihn befähigt, die Forderungen seiner Gläubiger über eine monatliche Rate zu begleichen. Der Insolvenzverwalter berechnet dabei anhand der Höhe der möglichen Rate die anteiligen Raten an die jeweiligen Gläubiger. Im Fachjargon heißt das, er stellt einen Schuldenbereinigungsplan auf. Sofern Sie als Schuldner diese Rate über einen Zeitraum von 72 Monaten pünktlich an den Insolvenzverwalter zahlen, sind Sie anschließend von den noch vorhandenen Schulden befreit. In diesem Fall war der außergerichtliche Einigungsversuch erfolgreich und der Antrag auf Privatinsolvenz ruht. Das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren wird nicht beantragt. Man spricht bei diesen 72 Monaten von einer Wohlverhaltensphase, die mit der Zahlung der letzten Rate endet. Ein gerichtliches Verfahren ist nicht notwendig.

Das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren

Der außergerichtliche Einigungsversuch gilt als gescheitert, wenn nachweislich kein pfändbares Vermögen vorhanden ist oder das Einkommen zu gering ist, um hiervon Zahlungen leisten zu können. In diesem Fall wird der Insolvenzverwalter das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren einleiten. Dafür muss der Schuldenbereinigungsplan vorliegen sowie eine fachliche Begründung für das Scheitern des außergerichtlichen Einigungsversuchs. Anschließend prüft das Insolvenzgericht, ob eine Einigung mit den Gläubigern möglich ist. Wird dies bereits im Vorfeld ausgeschlossen, kann das Verfahren sofort eröffnet werden. Ab diesem Zeitpunkt wird überprüft, ob Vermögenswerte vorhanden sind und wie hoch diese sind. Außerdem wird geklärt, ob die Vermögensmasse kostendeckend ist und ob es tatsächlich Gründe für die Eröffnung des Verfahrens gibt. Eventuelle Vermögenswerte werden eingezogen und die daraus erzielten Gelder nach einer Quote durch das Gericht auf die Gläubiger verteilt. Ist keine kostendeckende Masse vorhanden, legt das Gericht einen Schlusstermin für das Insolvenzverfahren fest. Bis zu diesem Termin müssen alle angeschriebenen Gläubiger ihre Forderungen angemeldet haben.

Die Wohlverhaltensphase

Die Wohlverhaltensphase beginnt exakt einen Tag nach dem festgesetzten Schlusstermin. Ist der Schlusstermin beispielsweise am 31. Dezember eines Jahres, beginnt die Wohlverhaltensphase am 1. Januar des nachfolgenden Kalenderjahres. Die Wohlverhaltensphase dauert 72 Monate. Dies entspricht sechs Jahren. In diesen sechs Jahren dürfen Sie als Verbraucher keine neuen Schulden machen und sollten sicherstellen, all ihre Verbindlichkeiten pünktlich zu begleichen. Andernfalls riskieren Sie, dass man Ihnen die Restschuldbefreiung versagt. Während der gesamten Dauer der Wohlverhaltensphase wird der pfändbare Teil des Einkommens durch den Insolvenzverwalter eingezogen. In dieser Zeit ist es Ihren Gläubigern untersagt, Sie mit weiteren Forderungen zu konfrontieren. Sämtliche Anliegen müssen mit dem Insolvenzverwalter geklärt werden.

Die Restschuldbefreiung

Nach Ende der Wohlverhaltensperiode tritt die Restschuldbefreiung in Kraft. Das bedeutet nicht, dass im Rahmen der Wohlverhaltensperiode alle Schulden bereinigt werden konnten. Theoretisch könnten sich die Gläubiger erneut bei Ihnen melden und eine Begleichung der Restforderung verlangen. Sie als Schuldner können die Gläubiger jetzt jedoch auf das nun abgeschlossene Insolvenzverfahren hinweisen und die Zahlung verweigern. Irrtümlich wird unter Schuldnern häufig von sechs Jahren Wohlverhaltensperiode und einem Jahr Restschuldbefreiung gesprochen. Bei der Restschuldbefreiung handelt es sich aber lediglich um eine Art „Schlusstermin“. Nach Ablauf der Wohlverhaltensperiode dürfen Sie Ihre Einkünfte wieder vollständig für sich behalten.

Die Insolvenz in der Schufa

Der Eintrag über die Insolvenz in der Schufa bleibt nach dem Ende der Wohlverhaltensperiode drei Jahre bestehen. Anschließend wird er gelöscht. Häufig geschieht dies jedoch erst nach einem entsprechenden Antrag. Daher sollten Sie als Schuldner drei Jahre nach Ablauf der Wohlverhaltensperiode Ihre Schufa-Einträge überprüfen und gegebenenfalls das Löschen des Vermerks beantragen.

Die verkürzte Insolvenz

Es gibt inzwischen die Möglichkeit zur verkürzten Privatinsolvenz, die über drei, bzw. fünf Jahre läuft. Schuldner, die in der Lage sind, innerhalb von 36 Monaten der Wohlverhaltensperiode mehr als 35 Prozent der Gesamtforderungen zuzüglich der Verfahrenskosten zu begleichen, können die Privatinsolvenz auf drei Jahre verkürzen. Das heißt, dass nach 36 Monaten die Restschuldbefreiung in Kraft tritt. Die Insolvenz ist in diesem Fall nur für ein Jahr in der Schufa verzeichnet und wird dann gelöscht, bzw. auf Antrag gelöscht. Die Insolvenz kann auf fünf Jahre verkürzt werden, wenn die Verfahrenskosten in den ersten 60 Monaten bezahlt werden können.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.