6 wichtige Tipps für Privatinsolvenzen

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6 wichtige Tipps für Privatinsolvenzen

Während die Regeln nach der Eröffnung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens eindeutig feststehen, wissen viele Schuldner nicht, wie sie sich im Vorfeld einer Privatinsolvenz verhalten sollen. Hier sind 6 wichtige Tipps für Privatinsolvenzen, die vor allem das Vorfeld betreffen.

1. Schuldendienst stoppen

Praktisch alle privaten Schuldner, die später die Verbraucherinsolvenz anmelden mussten, realisierten ihre prekäre Situation erst ab der ersten Pfändung beziehungsweise ihrer Ankündigung. Um diese um jeden Preis zu verhindern, wollten die Schuldner kommende Vollstreckungsmaßnahmen unbedingt abwenden. Dafür gaben sie alles bis auf den letzten Cent für den Schuldendienst her, und zwar mehr, als ihnen laut Pfändungsfreigrenze nach eröffneter Privatinsolvenz geblieben wäre. Das halten manche Schuldner jahrelang durch, sogar bis sie darüber erkranken. Diese Quälerei ist überflüssig und gefährlich, denn sie verstellt den Blick auf berufliche und finanzielle Alternativen. Bestimmte Schulden sind bei niedrigem Einkommen nicht mehr zu tilgen, weil die Zinsen ins Uferlose wachsen und die Raten bei lang gestreckter Tilgung kaum zu bedienen sind. Das zeigt ein einfaches Rechenbeispiel:

Der Schuldner soll Nettoschulden in Höhe von 20.000 Euro (meist bei mehreren Gläubigern) zu einem durchschnittlichen Zinssatz von 5,5 % bei einer Laufzeit von derzeit noch vier Jahren bedienen. Die Monatsraten hierfür betragen 465,13 Euro, die bei einem Nettoeinkommen von 1.200 Euro einfach nicht zu schultern sind. Durch Umschuldungsmaßnahmen per Privat- und Finanzvermittlerdarlehen, die auf eine Tilgungsstreckung bis zu zehn Jahren bei einem erhöhten Zinssatz von 8,9 % hinauslaufen, konnte der Schuldner die Tilgungsrate zwar auf 252,27 Euro senken, hat aber seine Zinskosten von vormals 2326,22 Euro auf nunmehr 10.272,45 Euro erhöht. Nun wird er arbeitslos, Raten fallen aus, einzelne Gläubiger stellen die Kredite samt Zinsen fällig. Das ist nicht mehr zu leisten, der Weg zu einer weiteren Umschuldung ist versperrt – längere Laufzeiten als zehn Jahre bietet kaum jemand an. Es bleibt nur die Einstellung des Schuldendienstes.

Kaum einem Schuldner ist zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass er nach der Privatinsolvenz nur noch den pfändbaren Teil seines Einkommens abtreten muss. Fast jeder zahlt über die Pfändungsfreigrenze hinaus an die Gläubiger, einige hungern und frieren, um den Schuldendienst zu meistern. Auch werden neue Rechnungen geschoben. Das ist überflüssig: Stellen Sie die Zahlungen ein und melden Sie die Verbraucherinsolvenz an.

2. Schuldenvergleich prüfen

Beim freiwilligen Schuldenvergleich verzichten die Gläubiger – oder einige von ihnen – auf Teile der Schuld zugunsten einer künftig konstanten, berechenbaren Zahlung. Noch besser sind höhere Einmalzahlungen beziehungsweise die Kombination von Einmal- und Ratenzahlung. Darauf lässt sich manchmal sogar das Finanzamt ein, andere Gläubiger verzichten auf bis zu 70 % der Forderungen. Wenn der freiwillige Schuldenvergleich misslingt, bleibt nur die Privatinsolvenz.

3. Gläubigerpost sammeln

Die Gläubigerpost ist für den Insolvenzantrag sehr wichtig. Das Gericht benötigt zustellungsfähige Adressen, ansonsten wird der Insolvenzantrag beanstandet. Zur Gläubigerpost gehören:

  • Mahnungen und Drohbriefe
  • Mahn- und Vollstreckungsbescheide
  • Gerichtsurteile
  • Pfändungsprotokolle
  • Protokoll über die abgegebene eidesstattliche Versicherung

Die Sortierung nach Datum ist wichtiger als die Höhe der Schuld, damit die Gläubigerliste für den Insolvenzantrag ordnungsgemäß erstellt werden kann. Verwechseln Sie nicht Gläubiger und Gläubigervertreter: Letztere sind vorrangig Inkassobüros oder Rechtsanwälte, die ausstehende Schulden eintreiben sollen, aber nicht auf die Gläubigerliste gehören.

4. Neues Konto auf Guthabenbasis eröffnen

Sollten Sie noch kein P-Konto besitzen und sollte Ihr gegenwärtiges Konto im Minus notieren, versuchen Sie ein neues Konto auf Guthabenbasis als P-Konto (Pfändungsschutzkonto) zu eröffnen. Lassen Sie sich dabei von Bankangestellten, die abraten möchten, nicht zurückweisen. Das Abwimmeln hat zwei Gründe:

  • P-Konten sind teuer, meist beträgt die Monatsgebühr ca. 10 Euro – die Bankangestellten meinen es gut.
  • Die Einrichtung eines P-Kontos führt zu einem SCHUFA-Vermerk, der Ihre Bonität senkt – die Bankangestellten meinen es nochmals gut.

Beides kann Ihnen egal sein. Sie benötigen das P-Konto als ein neues Konto, das die gegenwärtigen Gläubiger vorläufig nicht kennen. Alternativ richten Sie Ihr vorhandenes Konto als P-Konto ein. Es droht Ihnen ansonsten irgendwann die finanzielle Handlungsunfähigkeit durch Vollstreckungsmaßnahmen.

5. Retten, was machbar ist

Sie dürfen keine unerlaubten Schritte unternehmen, um Ihr Vermögen zu retten, jedoch dürfen Sie es vor der Insolvenz maßvoll – also mit Beträgen knapp über der Pfändungsfreigrenze – aufbrauchen. Das könnte bedeuten, dass Sie aus einem Sparguthaben, das eventuell aus einer verkauften Lebensversicherung stammt, zum Lebensunterhalt 200 Euro monatlich abzweigen. Damit könnten Sie noch einige Anschaffungen (Möbel, Haushaltsgeräte) tätigen, zu denen Sie in den nächsten zehn Jahren kaum kommen werden.

Während des Insolvenzverfahrens erhält der Insolvenzverwalter eventuelle Erbschaften in voller Höhe, nach Abschluss des Verfahrens – in der Wohlverhaltensperiode – hälftig. Sie können eine Erbschaft ausschlagen und sich mit Miterben (das sind oft die Geschwister) einigen, dass diese Ihnen nach dem Ende der Insolvenz einen Teil Ihres ausgeschlagenen Erbes überlassen. Das ist natürlich nicht auf juristisch verbindlicher Basis möglich, Sie müssen Ihren Geschwistern vertrauen können. Ein Fahrzeug könnten Sie verschenken oder verkaufen und sich anschließend vom Beschenkten/Käufer (z. B. einem nahen Freund) zur Nutzung ausleihen. Ansonsten müssten Sie es vom Einkommen unterhalb der Pfändungsfreigrenze auslösen.

6. Einen guten Berater finden

Gute und gleichzeitig preisgünstige Berater sind rar, die öffentlichen, kostenlosen Schuldnerberater sind überlastet. Sie können bei der Privatinsolvenz vieles falsch machen, auch Dinge, die hier nicht erwähnt werden, weil sie aus seltenen Szenarien hervorgehen. Damit riskieren Sie die Restschuldbefreiung und bleiben so lange insolvent oder von Pfändungsmaßnahmen bedroht, bis Ihre Schulden restlos getilgt sind. Das schaffen manche Leute nie. Eine gute Beratung schon vor der Insolvenz zahlt sich in jedem Fall aus.

By |2016-12-04T17:20:36+00:00Dezember 5th, 2014|Privatinsolvenz|0 Comments

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