Der Zins ist eines der fundamentalen Instrumente in kapitalistischen Wirtschaftsräumen. Er beschreibt das Entgelt, das ein Geldverleiher von seinem Schuldner bekommt. Wenn zum Beispiel eine Privatperson einer anderen Person 100 Euro leiht und er durch eine Vereinbarung nach einem bestimmten Zeitraum 110 Euro von dieser Person zurückbekommt, dann sind die 100 Euro das geliehene Kapital und die zusätzlichen 10 Euro sind die Zinsen; also der Preis für das Ausleihen des Geldes. Der Zinssatz liegt in diesem Fall bei 10 Prozent.

Gibt es Zinsen nur auf Geldbeträge?

Neben dem oben genannten Beispiel, ist natürlich der klassische Weg, dass man Zinsen von seiner Bank des Vertrauens bekommt, wenn man bei ihr sein Girokonto, ein Sparbuch oder sonstige Anlagen hat. Allerdings gibt es auch beim Verleihen von Sachgütern Zinsen. Das beste Beispiel ist die Miete. Ein Vermieter leiht seinem Mieter Wohnraum und dieser bezahlt monatlich einen festen Betrag, um diesen Raum nutzen zu dürfen. Das gleiche gilt auch für das Verleihen von Autos oder sonstigen Sachgütern.

Wie wird der Zins bestimmt?

Der Zins, den man von seiner Bank bekommt, unterliegt im Allgemeinen den Gesetzen des hiesigen Marktes und wird, wie Preise, von (Geld-)Angebot und (Geld-)Nachfrage bestimmt. Zusätzlich spielt auch die Länge des Verleihens eine wichtige Rolle. Je länger Geld verliehen wird, desto höhere Zinsen bekommt in der Regel der Gläubiger jährlich.

Welche weiteren Funktionen hat der Zins?

Neben der Funktion als Entgelt für entliehenes Kapital oder entliehene Sachgüter, dient der Zins unter anderem auch als Vergütung des Rückzahlungsrisikos. In der Regel ist es so, dass ein höheres Rückzahlungsrisiko automatisch zu höheren Zinsen führt. Als Beispiel könnte man eine Anleihe betrachten, deren Rentabilität ungewiss ist. Diese Unsicherheit wird dementsprechend mit einem höheren Zins auf die Anleihe vergütet, da das Ausfallrisiko hier höher ist. Eine weitere Funktion des Zinses ist der Ausgleich der Inflation. Die Inflation sorgt für eine stetige Geldentwertung. Mit einem Zins, der eine ähnlich hohe Rate wie die Inflation aufweist, kann diese wieder ausgeglichen werden.

Was ist der Zinseszins?

Der Zinseszins beschreibt den Vorgang beim Sparbuch oder sonstigen Einlagen, wenn nicht nur das Kapital jährlich verzinst wird, sondern auch die erworbenen Zinsen selbst. Das bedeutet, man erhält für aktuell erworbene Zinsen im nächsten Jahr ebenfalls Zinsen. Durch diesen Zinseszins-Effekt wird der Bestand des Kapitals im Laufe einer gewissen Zeitperiode nach obenhin „katapultiert“. Als Beispiel könnte man den Betrag von 10.000 Euro betrachten. Wenn man diesen zu allein zwei Prozent anlegt und jährlich die Zinsen abschöpft, hat man nach zehn Jahren insgesamt 12.000 Euro. Wenn man allerdings die Zinsen auf dem Konto belässt und ebenfalls verzinst, hat man nach zehn Jahren bereits 12.190 Euro. Durch den Zinseszins-Effekt hat man so 190 Euro mehr.

Gibt es Kritik?

Neben vielen kritischen Betrachtungsweisen gegenüber dem Zins, gibt es die Theorie, dass der Zins die „Schere“ zwischen arm und reich auseinander treibe. Das bedeutet, dass verschuldete Leute immer wieder neue Schulden aufnehmen müssen, um die Tilgungsraten für alte Schulden und deren Zinsen zu decken und so sich immer weiter verschulden. Reichere Menschen hingegen können ihr Geld immer und immer wieder neu anlegen und steigern durch den Zins ihr Vermögen. Dies ist mit einer der Gründe, warum es in der Vergangenheit immer wieder zu Zinsverboten kam. In den islamischen Staaten gilt dieses Zinsverbot sogar bis heute.