Leitzinssatz

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Leitzinssatz

Der Leitzinssatz ist mit das wichtigste und vor allem bekannteste geldpolitische Instrument der weltweiten Zentralbanken. Beispiele für Zentralbanken sind unter anderen die Europäische Zentralbank (EZB) oder die amerikanische Federal Reserve (Fed). Sie kümmern sich um die Geldpolitik ihres jeweiligen Währungsraums. Das bedeutet, dass die EZB die Geldpolitik im Euroraum leitet, während die Fed für den amerikanischen Dollar zuständig ist.

Was ist das Ziel?

Dabei ist das allgemeine Ziel der Zentralbanken eine gewisse Stabilität der jeweiligen Währung zu erreichen. Dies wollen sie schaffen, indem sie jedes Jahr knapp zwei Prozent Inflation anstreben. Um die Inflation zu kontrollieren, gibt es den Leitzins. Dieser wird von den Zentralbanken festgelegt und gibt den Prozentsatz an, zu dem normale Geschäftsbanken (wie z.B. die Commerzbank oder die Deutsche Bank) Wertpapier oder andere notenbankfähige Sicherheiten gegen Geld der Zentralbank eintauschen können. Dadurch spiegelt der Leitzins automatisch das so genannte Hauptrefinanzierungsinstrument der Zentralbanken wider.

Was wird geleitet?

Aber warum wird er „Leitzinssatz“ genannt? Was leitet er? Nun, wenn sich der Leitzins ändert, ändert sich nicht nur der Zinssatz für den Tausch von Wertpapieren, sondern auch der sogenannte Einlagesatz und der Spitzenrefinanzierungssatz.

Was ist der Einlagesatz?

Der Einlagesatz ist stets niedriger als der Leitzins (aktuell sogar im negativem Bereich) und beschreibt den Zinssatz, zu dem Geschäftsbanken ihr Geld bei den Zentralbanken einlegen können. Sie machen also nicht anderes, als wenn Privatpersonen mit ihren Erspartem zu der Bank ihres Vertrauens gehen und ein Sparbuch eröffnen. Dadurch, dass der Einlagesatz aktuell im negativem Bereich liegt, müssen die Banken quasi Strafe bezahlen, wenn sie ihr Geld bei der Zentralbank parken wollen.

Was ist der Spitzenrefinanzierungssatz?

Der Spitzenrefinanzierungssatz hingegen ist der Zinssatz, bei dem sich die Geschäftsbanken Geld „über Nacht“ bei der Zentralbank leihen können. Dabei kommt es zu keinem Tausch mit Wertpapieren. Dieser Zinssatz liegt stets über dem Leitzinssatz der jeweiligen Zentralbank.

Welche Auswirkungen hat das alles?

Es bleibt noch zu klären, wie nun die Zentralbanken mit ihrem Leitzinssatz die Geldpolitik steuern können? Wenn das angestrebte Ziel von knapp zwei Prozent Inflation verfehlt wird, ändert die Zentralbank dementsprechend den Leitzins. Wenn zum Beispiel die Wirtschaft überhitzt und die Inflation dadurch bei mehr als zwei Prozent liegt, erhöht die Zentralbank den Leitzins, sodass es lukrativer wird, wenn die Banken ihr Kapital bei den Zentralbanken einlegen. Droht hingegen eine Deflation, also eine negative Inflationsrate, dann senkt die Zentralbank den Leitzins, sodass Banken sich billig Geld leihen können, dass sie anschließend in die Wirtschaft investieren, um so das Wachstum zu fördern.

Gibt es Kritik?

Abschließend sollte ein Kritikpunkt beachtet werden. Da Geldpolitik nur einen kurzfristigen Effekt auf die jeweilige Wirtschaft hat, kann es zu einer so genannten Liquiditätsfalle kommen. Das bedeutet, dass wenn der Leitzinssatz in der Nähe von Null Prozent liegt, ein erneutes Absenken keine Auswirkungen mehr auf die Wirtschaft hat. Die Zentralbank müsste zuerst den Leitzins anheben, was unter gegebenen Umständen natürlich kontraproduktiv für die Wirtschaft wäre und fatale Folgen hätte.

By |2016-12-05T12:51:40+00:00Dezember 4th, 2014|Lexikon|0 Comments

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