Bonität

Die Bonität eines Menschen oder Unternehmens (auch Staates) ist seine Kreditwürdigkeit. Das Wort leitet sich vom lateinischen “bonitas” („Vortrefflichkeit”) ab und meint damit die Vertrauenswürdigkeit in finanziellen Dingen. Was zunächst simpel klingt, ist in der Praxis gar nicht so einfach zu bewerten.

Die zwei Seiten der Bonität

Die Bonität einer natürlichen oder juristischen Person hat zwei Seiten, die nicht unbedingt miteinander korrelieren müssen:

  • Einerseits geht es um die wirtschaftliche Fähigkeit, Schulden zu tilgen.
  • Andererseits geht es um die Bereitschaft, dies freiwillig zu tun.

In der Praxis und auf Privatpersonen bezogen bedeutet das, einige Menschen können ihre Schulden einfach nicht tilgen, obwohl sie das gern wollen. Andere Menschen wären rückzahlungsfähig, sie wollen aber nicht freiwillig tilgen. Aus Sicht eines Gläubigers ist das zunächst nicht zu unterscheiden. Aus diesem Grund werden gegen Schuldner nach fruchtlosen Mahnungen Zwangsmaßnahmen wie die Vollstreckung und schließlich die Aufforderung zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung angewendet. Wer dieser Aufforderung nicht nachkommt, muss mit einem Haftbefehl rechnen. Die Haft soll den Schuldner zwingen, seine Vermögensverhältnisse offenzulegen und nötigenfalls die eidesstattliche Versicherung abzugeben – oder die Schulden zu tilgen.

Ermittlung der Bonität

Die Bonität eines Menschen ist nicht leicht zu ermitteln, bei Unternehmen oder Staaten wird es noch schwieriger. Ein einfaches Beispiel, das jeden wirtschaftlich handelnden Deutschen betrifft, zeigt das klar auf:

  • Die Schufa ermittelt die Bonität eines deutschen Bürgers, sobald dieser ein Konto eröffnet, eine Wohnung anmietet oder einen Telekommunikationsvertrag abschließt. Ab sofort wird die Person durch die Schufa erfasst (davon sind auch Minderjährige ab dem ersten Handyvertrag betroffen) und erhält einen Score, der ein Maßstab für die Bonität sein soll. Dieser Score rechnet die vertraglichen Verpflichtungen der wirtschaftlich handelnden Person zusammen, bei denen Geld ausgegeben wird: Kredite sowie Telekommunikations-, Miet- oder Versandhandelsverträge. Je größer diese Aktivitäten werden, desto mehr sinkt der Score, auch wenn der Mensch all seinen Zahlungsverpflichtungen stets pünktlich nachkommt. Irgendwann sinkt der Score unter 90 von 100 möglichen Punkten, die Person wird so bewertet, als bestünde ein “erhöhtes Ausfallrisiko” (bei Krediten oder Verträgen, so die Kennzeichnung der Schufa).
  • Die Einkünfte der Person ermittelt die Schufa aber nicht. Daher erhalten zwei Personen mit gleichen Ausgaben-Verpflichtungen, aber höchst unterschiedlichen Einnahmen denselben Score, wenn sie ansonsten ihre Zahlungen stets pünktlich beglichen haben. Das ist wirtschaftlicher Unfug.

Natürlich werden Bonitätswerte noch an anderen Kriterien festgemacht, nämlich an der Zuverlässigkeit eines Schuldners, mit der er seinen Verpflichtungen bisher nachgekommen ist. Wenn es zu Zahlungsausfällen und damit zu negativen Schufa-Einträgen kommt, sinkt die Bonität drastisch ab. In den Augen deutscher Geldinstitute besitzt dieser Bürger praktisch keine Bonität mehr, denn er erhält keinen Kredit mehr.

Einschätzung der Bonität durch Geldgeber

Die Schufa hat zwar das letzte, allerdings nicht das alleinige Wort, wenn es um die Einschätzung der Bonität eines Kreditantragstellers geht. Mögliche Geldgeber – Filial- und Direktbanken, Sparkassen, P2P-Portale und Finanzvermittler – erheben über jeden Kreditantragsteller Bonitätswerte nach eigenen Maßstäben und fassen dabei den Rahmen vernünftigerweise etwas weiter. Sie bewerten:

  • Auskünfte über bisherige Kreditabwicklungen und Dauerverträge (Schufa-Auskunft)
  • Einkommenssituation (Höhe laut Einkommensnachweis und Kontoauszug)
  • Beschäftigungssituation bzw. Sicherheit des Arbeitsplatzes (Vollzeit, Teilzeit, befristet, selbstständig, Rentner etc.)
  • Ausgabensituation (Miete oder Hypothek, sonstige Kreditverpflichtungen, Unterhaltszahlungen, Versicherungen)
  • Vermögenssituation (vorhandene Vermögensbestandteile)
  • Schuldensituation (Kredite, Bürgschaften)
  • Güterstand in einer Ehe oder Lebensgemeinschaft

Aus diesem Grund ist die Bonitätsbewertung durch einen möglichen Geldgeber maßgebend, weil viel genauer. Die Schufa-Auskunft kann jedoch – außer bei schufafreien Darlehen vom Finanzvermittler – nicht vernachlässigt werden.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.