Dispokredit

Dispokredit2018-08-13T08:32:18+00:00

Ein Dispositionskredit zählt in Deutschland zu den am häufigsten genutzten Kreditarten. Im Vergleich mit anderen Kreditarten ist ein sogenannter „Dispo“ relativ leicht zu beantragen und die Kreditbedingungen können ebenfalls leicht und unkompliziert erfüllt werden.

Mit einem Dispokredit erlaubt die jeweilige Bank dem Inhaber eines Girokontos, dieses Konto bis zu einem festgelegten Betrag kurzzeitig zu überziehen. Damit soll dem Kontoinhaber ein größerer Spielraum für finanzielle Engpässe, für kostspielige Reparaturen oder für größere Anschaffungen gegeben werden.

Um in den Genuss eines Dispositionskredits zu kommen, müssen natürlich einige wichtige Voraussetzungen erfüllt werden. Wichtigste Bedingung dabei ist ein regelmäßiger Geldeingang auf dem betreffenden Girokonto. Die meisten Banken verstehen darunter ein monatliches Gehalt, eine Altersrente oder ähnliche wiederkehrende Bezüge. Bei einigen Kreditinstituten wird ein geringer Dispokredit sogar beim Bezug von ALG II vergeben. Die Höhe des bereitgestellten Kreditrahmens richtet sich dabei nach der Höhe dieser monatlichen Bezüge. Der verfügbare Kreditbetrag liegt in der Regel bei dem Doppelten des monatlichen Geldeingangs.

Ein Dispo erlaubt dem Kontoinhaber also, sein Girokonto völlig legal, ohne Sicherheiten und ohne Konsequenzen überziehen zu dürfen. Die Bank führt Daueraufträge, Lastschriften oder Überweisungen auch dann noch aus, wenn das Konto kein Guthaben mehr aufweist.

Was zunächst wie der perfekte Problemlöser klingt, birgt allerdings auch einige Gefahren und Fallstricke.

  • Oftmals werden Dispositionskredite von den Banken automatisch bzw. ungefragt eingeräumt. Verbraucherschützer und Schuldnerberater sehen diese Praxis kritisch, weil dann auch ohne finanzielle Nöte zusätzliches Geld zur freien Verfügung steht. Das kann den Weg in die Schuldenspirale öffnen und vergrößert die Gefahr einer Verschuldung.
  • Dispokredite sollen kurzfristige Engpässe überbrücken oder für dringende Anschaffungen genutzt werden. Deswegen drängen viele Banken darauf, dass der dadurch entstandene negative Kontostand schnellstmöglich wieder ausgeglichen wird. Häufig gehen die Banken hier von einem Zeitraum von nur einigen Monaten aus. Für den Kontoinhaber bedeutet das natürlich zusätzliche monatliche Belastungen, die er zu stemmen hat. Diese Belastungen sollten vor der Inanspruchnahme eines Dispos unbedingt berücksichtigt bzw. eingeplant werden.
  • Wie auch der Kreditrahmen, so richtet sich häufig auch die Höhe der monatlichen Rückzahlungen nach der Höhe des regelmäßigen Geldeingangs. Wer einen Dispo in Höhe von beispielsweise 2.000,- Euro in Anspruch nimmt, muss mit einer monatlichen Rückzahlung von etwa 100,- Euro bis 200,- Euro rechnen. Bei einem geringen Dispokredit von beispielsweise 400,- Euro ist die Bank sicher mit einer monatlichen Rückzahlung zwischen 20,- Euro und 50,- Euro zufrieden. Allerdings sind auch „nur“ 20,- Euro monatlich bei einer kleinen Rente oder bei Beziehern von ALG II schon viel Geld.
  • Banken verschenken niemals etwas. Auch ein Dispokredit, also das Bezahlen mit dem von der Bank geliehenem Geld, lassen sich die Kreditinstitute geradezu fürstlich bezahlen. Ab dem ersten „geborgten“ Cent werden Sollzinsen berechnet, die dem Girokonto monatlich oder quarteilsweise abgezogen werden. Die Sollzinsen berechnen sich auf der Grundlage des verfügbaren Kreditrahmens (also auf den Kredit selbst), während die Überziehungszinsen sich auf die Inanspruchnahme über die Kreditlinie hinaus (Überziehung) beziehen. Die Sollzinsen für den eigentlichen Kredit liegen bei etwa sieben Prozent. Bei den Überziehungszinsen ergeben sich die größten Unterschiede, denn hier reicht die Palette der Zinshöhe von sechs Prozent bis zu 19 Prozent. Deswegen kann ein Vergleich einzelner Anbieter vor der Inanspruchnahme eines Dispokredits – sofern man die Wahl hat – viel Geld sparen.

Gerade die relativ hohen Zinsen sind häufig der Grund dafür, dass viele Verbraucher ihren Dispositionskredit nach kurzer Zeit „ablösen“. Dabei wird ein wesentlich günstigerer Ratenkredit aufgenommen, mit dem dann der Dispo sofort und vollständig ausgeglichen wird. Der Ratenkredit kann dann über einen längeren Zeitraum und zu besseren Bedingungen in bequemen Raten zurückgezahlt werden. Allerdings ist für den Ablösekredit eine entsprechende Bonität eine wichtige Voraussetzung.

Fazit

Dispositionskredite sind eine einfache, unkomplizierte und schnelle Lösung in besonderen Situationen. Hohe Zinsen machen den Dispo aber relativ teuer und die gewünschte schnelle Rückzahlung bringt unnötigen finanziellen Druck mit sich.