Gerate im Zusammenhang mit Bankgeschäften kommen Verbraucher immer wieder mit der Begriff der sogenannten Prolongation in Berührung. Und das in ganz unterschiedlichen Situationen bzw. Bereichen. So zum Beispiel im Zusammenhang mit Geldanlagen oder Kreditgeschäften. Doch was genau ist eigentlich eine Prolongation?

Prolongation

Was ist eine Prolongation

Der Begriff der Prolongation leitet sich aus dem lateinischen Wort „prolongare“ ab. Es bedeutet so viel wie „verlängern“. Die Bezeichnung findet vor allem im Finanzwesen Anwendung – insbesondere im Zusammenhang mit Vertragsverlängerungen. Dies setzt natürlich ein Geschäft mit entsprechender zeitlicher Befristung bzw. einen Endtermin voraus.

In der Praxis kann die Prolongation in unterschiedlichen Zusammenhängen vorkommen. Praktisch kaum noch ist dies beim sogenannten Wechsel der Fall. Häufiger hingegen werden Geldanlagen im Bereich der Termingeldgeschäfte prolongiert. Dabei wird der entsprechende Geldbetrag nach Ablauf des vereinbarten Zeitraums zu den alten oder auch neuen Zinskonditionen wieder angelegt. Allerdings liegt eine „echte“ Prolongation nach ursprünglicher Definition nur dann vor, wenn sich die sonstigen Rahmenbedingungen des Vertrages nicht verändern. In der Praxis jedoch wird begrifflich kein Unterschied gemacht. Auch im Zusammenhang mit Immobilienfinanzierungen wird häufig von einer Prolongation gesprochen – und zwar in Bezug auf eine (mögliche) Anschlussfinanzierung beim aktuellen Kreditgeber.

Wie läuft die Prolongation einer Immobilienfinanzierung ab?

Immobilienfinanzierungen unterliegen einer sogenannten Zinsbindungsfrist. Das bedeutet, dass der dabei vertraglich vereinbarte Zinssatz nur für einen bestimmten Zeitraum gilt – häufig für 5, 10 oder 15 Jahre. Dennoch laufen die allermeisten Immobilienfinanzierungen über längere Zeiträume als die vereinbarte Zinsbindungsfrist. Läuft diese ab, muss der noch offene Finanzierungsbetrag weiter finanziert werden. Entweder beim ursprünglichen Kreditgeber oder bei einer anderen Bank. Alternativ dazu ist natürlich auch die sofortige Tilgung der offenen Summe möglich.

Erfolgt die Weiterfinanzierung der Kreditsumme über den bisherigen Kreditgeber, ist von einer Prolongation die Rede. Die Prolongation setzt zunächst ein Prolongationsangebot des Kreditgebers an den Darlehensnehmer voraus. Normalerweise übersendet die Bank dieses bis spätestens drei Monate vor Ablauf der Zinsbindungsfrist. Grundsätzlich kann der Kreditgeber eine Prolongation auch ablehnen, was in der Praxis jedoch selten vorkommt. Lediglich in besonderen Fällen – beispielsweise bei starker Verschlechterung der Bonität des Kreditnehmers – sind Ablehnungen denkbar.

Ein Prolongationsangebot verfügt im Regelfall über sehr ähnliche Kreditbedingungen wie die ursprüngliche Finanzierung. Allerdings sind die Zinskonditionen im Normalfall an die aktuellen Marktgegebenheiten angepasst. Sind Darlehensnehmer mit den angebotenen Konditionen einverstanden, kann das Prolongationsangebot unterschrieben werden.

Über die Vor- und Nachteile der Prolongation

Eine bestehende Immobilienfinanzierung zu prolongieren kann durchaus Vorteile haben. Allerdings gibt es auch einige Nachteile, die beachtet werden sollten.

Vorteile einer Prolongation

  • Bankberater bzw. Ansprechpartner bleibt gleich
  • im Regelfall keine erneute Bonitätsprüfung
  • bequeme und einfache Finanzierungsverlängerung
  • keine Änderungen im Grundbuch erforderlich
  • keine Wechselkosten

Nachteile der Prolongation

  • Zinskonditionen unter Umständen nicht attraktiv
  • nur wenige Konditionsveränderungen möglich
  • häufig kaum Flexibilität in der Vertragsverhandlung

Prolongation oder Umschuldung - Was ist besser?

Eine allgemeingültige Einschätzung, ob Prolongation oder Umschuldung einer Immobilienfinanzierung der bessere Weg sind, kann man nicht geben. Vielmehr sind die jeweiligen Rahmenbedingungen dafür entscheidend. Und diese können individuell sehr unterschiedlich sein. Die Frage ob und wie stark sich die Umschuldung zu einem anderen Kreditanbieter lohnt, ist daher nicht pauschal zu beantworten. Dies hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Zunächst einmal besteht natürlich die Möglichkeit, auch mit der bisherigen Bank über die Konditionen des Prolongationsangebotes zu verhandeln. Das sollten Kreditnehmer auch dringend tun. Denn vor allem die Zinskonditionen dieser Angebote sind in der Praxis häufig nicht die allerbesten. Dies liegt einerseits daran, dass Kreditgeber darauf spekulieren, dass Kreditnehmer den bequemsten Weg einer Annahme des Angebotes gehen. Andererseits wissen Banken, dass Kreditnehmer womöglich die Kosten scheuen, die etwa für einen neuen Grundbucheintrag im Falle eines Anbieterwechsels entstehen würden. Dennoch ist die Prolongation auch für den Kreditgeber sehr interessant, da für den neuerlichen Kreditabschluss nur relativ wenig Aufwand entsteht. Daher sind Banken meist durchaus stark an einer Prolongation interessiert, was die Verhandlungsposition für Kreditnehmer wiederum stärkt.

Erst wenn die „endgültigen“ Konditionen des Prolongationsangebotes feststehen, sollten Alternativen geprüft werden. Dazu bietet sich ein Vergleich mit den Zinskonditionen anderer möglicher Kreditgeber an. Dieser Schritt ist zwar mit etwas Aufwand verbunden, kann sich jedoch letztendlich finanziell lohnen. Der Grund dafür liegt nicht zuletzt darin, dass neue Anbieter für Angebote in jedem Fall eine aktuelle Beleihungswertermittlung durchführen. Dies wiederum kann zu einer besseren Bewertung der Immobilie und damit zu besseren Zinskonditionen führen. Aufgrund der im Rahmen der ursprünglichen Finanzierung bereits erfolgten Tilgung sind bessere Bewertungen in der Praxis sogar relativ häufig.

ProlongationUmschuldung
Kosten Notarkeine211€
Auslagen Notarkeineca. 100€
Kosten Grundbuchamtkeine177€
Gesamtkosten0€488€
Zinskosten 10 Jahre24.296,92€20.461,89€
Zinsvorteil3.835,03€
Gesamtvorteil3.347,03€

Fazit

Trotz des erst einmal relativ gering erscheinenden Zinsunterschiedes in Höhe von 0,3 Prozent p.a. lohnt sich die Umschuldung finanziell. Auch die einmalig anfallenden Kosten für Grundbuchamt und Notar ändern daran nichts. Bei immerhin rund 3.300 Euro liegt der verbleibende finanzielle Vorteil gegenüber der Prolongation beim bisherigen Kreditgeber. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass sich der Zinsvorteil auf „nur“ 150.000 Euro bezieht. Im Fall einer höheren Umschuldungssumme oder bei größerem Zinsunterschied fällt der finanzielle Vorteil einer Umschuldung entsprechend umfangreicher aus. Den mit einer Umschuldung zunächst verbundenen Aufwand sollten Kreditnehmer keinesfalls scheuen.