Kredit abzahlen

Einen Kredit abzubezahlen kann ganz grundsätzlich drei Formen annehmen:

  1. Die Abzahlung des Kredites funktioniert genauso, wie bei der Kreditvergabe abgesprochen.
  2. Die Abzahlung des Kredites kann forciert werden, da – geplant oder ungeplant – zusätzliches Geld für das Abtragen der Schulden zur Verfügung steht.
  3. Die Abzahlung des Kredites gerät ins Stocken, weil etwa die notwendigen Raten nicht mehr aufgebracht werden können.

Für alle genannten Fälle ist grundsätzlich zunächst immer der Kreditgeber, also in der Regel die Bank, der zuständige Ansprechpartner.

1. Die Abzahlung läuft problemlos.

Der erste Fall muss nicht weiter besprochen werden. Allerdings sollte man auch hier regelmäßig ein Auge auf die Entwicklung haben, um Veränderungen in Richtung 2 oder 3 frühzeitig festzustellen. Es kommt gar nicht so selten vor, dass Verbraucher bei Warenkrediten über einen längeren Zeitraum übersehen, dass sie die Raten zunehmend durch einen Überziehungskredit beliefern. Das sollte schon aufgrund der deutlich höheren Zinsen vermieden werden. Ferner ist das Risiko groß, in eine finanzielle Sackgasse zu geraten.

2. Die Abzahlung kann forciert werden.

Ein sogenannter Sparplan kann durchaus so aussehen, dass man parallel zu den Ratenzahlungen Geld anspart. Das Angesparte dient als Sicherheitsreserve. Nach einiger Zeit kann die Reserve zum Teil zum Abzahlen des Kredites genutzt werden, um Zinsen zu sparen.

Ein einfaches Rechenbeispiel: Es besteht ein Autokredit über 10.000 Euro. Monatlich werden 250 Euro abgezahlt und parallel 100 Euro auf einem einfachen Sparkonto angespart. Nach einem Jahr sind es gut 1200 Euro, die als Reserve, etwa für Reparaturen, dienen. Nun bucht man 500 Euro auf den Kredit um.

Kühle Rechner sagen nun, es wäre zinstechnisch viel günstiger, gleich die 100 Euro auf den Kredit abzubezahlen. Das ist rein rechnerisch zwar korrekt, übersieht aber unvorhersehbare Risiken wie etwa eine Reparatur. Die Erfahrungen der Schuldnerberatungsstellen zeigen, dass das finanzielle Chaos oft entsteht, wenn „alles zusammenkommt.“ Da geht die Waschmaschine kaputt, die Tochter soll auf Klassenfahrt und das Auto kommt nicht einfach durch den TÜV. Hier ist eine Rücklage eine gute Hilfe, den Finanzplan aufrecht zu erhalten.

Grundsätzlich gilt natürlich, dass eine schnelle Kreditabzahlung die Kosten für den Kredit reduziert. Daher sollte auch bei der Absprache des Kredites auf vorzeitige Tilgungsmöglichkeiten geachtet werden. Es ist schließlich immer möglich, dass man unvorhergesehen zu einer größeren Summe Geld kommt und den Kredit kürzen könnte.

3. Wenn es nicht mehr reicht.

Kredite können, wenn sie nicht mehr ordnungsgemäß abgezahlt werden können, zu einer großen Belastung werden. Gemeint sind damit tatsächlich nicht nur die finanziellen Schwierigkeiten, sondern auch die emotionalen Probleme.

Wie schon erwähnt, ist es wichtig, Überraschungen zu vermeiden, so weit es möglich ist. Daher gehört ein Kredit immer unter Beobachtung. Kredite mit längerer Laufzeit (über drei Jahre) lassen sich meist immer noch besser bedienen.

Bei unvorhergesehenen Geldschwierigkeiten wie etwa durch eine plötzliche Arbeitslosigkeit sollte man umgehend den Kreditgeber aufsuchen. Derartige Gespräche sollten sachlich geführt werden. Es ist zu empfehlen, zu solchen Terminen nicht allein zu gehen. Das gilt eigentlich auch schon für die Gespräche mit dem Kreditgeber bei der Eröffnung dieses Finanzgeschäftes. Im Idealfall macht sich der „Mitläufer“ offensichtlich Notizen.

Sachlichkeit ist in diesen Gesprächen von immenser Bedeutung. Die Begleitperson soll sich nicht als aggressiver Kontrolleur verhalten, sondern einfach nur zu einer sachlichen, lösungsorientierten Atmosphäre beitragen. Die Erfahrung zeigt, dass bei Zahlungsschwierigkeiten seriöse Kreditgeber sinnvolle Lösungen anbieten. Das muss besprochen werden. Die veränderte finanzielle Situation sollte genau dargelegt werden. Gerade jetzt ist es wenig hilfreich, zu wenig oder zu viel anzubieten. In vielen Fällen lässt sich etwa die Rate reduzieren und die Kreditlaufzeit verlängern. Seriösen Kreditgebern ist auch an einer Lösung gelegen. Bleibt der Eindruck, dass dies nicht der Fall ist oder zeigen sich andere, schwerwiegendere Probleme, sollte man anderweitig Hilfe einfordern (etwa Schuldnerberatungsstellen).

Erfahrungen geben gute Tipps

Vor allem aus negativen Erfahrungen lassen sich oft Fehler vermeiden, die bei der Kreditbeantragung häufig vorkommen. Wenn es Probleme bei der Ratenzahlung gibt, zeigt sich, ob sich der vermeintlich günstigere Kredit gelohnt hat. Jetzt ist ein direkter Ansprechpartner fast immer die beste Lösung.

Entscheidend ist auch, wofür der Kredit genommen wurde. Die Klärung von Zahlungsschwierigkeiten ist erheblich einfacher, wenn es um einen Kredit für ein Auto geht, das für die Fahrt zur Arbeit notwendig war, als wenn ein 100 Zoll-Fernseher angeschafft wurde. Andererseits gilt auch hier wieder die Empfehlung, die Problematik zu versachlichen. Sich einen Kredit leisten zu können, ist meist ein erhebendes Gefühl. Wenn es zum Abbruch der Ratenzahlung kommt, ist dies für die meisten Menschen auch eine persönliche Krise, die sich auf das Privatleben und die Familie auswirken können. Auch aus diesem Grund ist es empfehlenswert, derartige Gesprächstermine mit dem Bankangestellten nicht allein erleiden zu müssen. Gegenüber den Familienangehörigen und den Kindern ist meist ebenfalls eine offene Grundhaltung besser als ein Vater oder eine Mutter, die heimlich im Gram versinkt. Auch, wenn Kinder vielleicht die Sachverhältnisse im Detail nicht verstehen, so verstehen sie meist doch, dass sie mitwirken können und diese Krise gemeinsam zu bewältigen ist.

Ehrlich währt am Längsten

Auch wenn man die Bank als übermächtigen Gegner ansieht, ist Ehrlichkeit der beste Boden für eine gütige Regelung. Das bedeutet, dass man zu Gesprächen rund um die Lösung für Zahlungsschwierigkeiten die Fakten auf den Tisch legt. Dazu kann auch gehören, dass Einschränkungen notwendig werden. Wer bisher einen gut bezahlten Job hatte und nun mit 20 bis 50 Prozent weniger Einnahmen auskommen muss, kann nicht erwarten, dass hier nur die Bank agiert.

Es ist sinnvoll, sich vorher im Familienkreis und gegebenenfalls mit einem externen Berater zusammenzusetzen und die Finanzen zu überprüfen. In den meisten Haushalten lässt sich einiges einsparen. Vielleicht kann auf diesem Wege die Kreditabzahlung, wenn auch mit geringerem Betrag, fortgesetzt werden. Derartige Vorschläge erzeugen normalerweise bei Bankangestellten ein wohlwollendes Entgegenkommen. Auch der Bank ist letztlich daran gelegen, dass der Kredit zurückgezahlt wird.

Wenn der Eindruck entsteht, dass es der Bank beziehungsweise dem Mitarbeiter der Kreditgesellschaft nicht um eine gütige Regulierung geht, sollte man sich unbedingt professionelle Hilfe zur Seite holen. Hier können falsche Scham und Versteckspiele sehr teuer werden. Leider gibt es auch immer wieder schwarze Schafe in der Branche.

4. Umschulden

Eine Lösung zur Abzahlung von Krediten ist noch nicht erwähnt worden: die Umschuldung. Sie kann verschiedene Formen annehmen.

Eine häufige Form der Umschuldung ist die Wandlung eines Überziehungskredits in einen Ratenkredit. An diesem Beispiel werden die Grundzüge aller Umschuldungen deutlich: Nicht immer geht es um Kostenersparnis. In erster Linie soll die Umschuldung die Kreditsituation für Gläubiger und Schuldner vereinfachen. Fragt man sich nach dem Umschulden, ob es sinnvoll war, so ist zunächst zu überlegen, ob die Kreditlage übersichtlicher wurde.

Natürlich werden beim Umschulden auch finanzielle Vorteile erhofft. Nicht selten gilt dies sogar für Gläubiger und Schuldner und seltsamerweise ist dies sogar möglich. Das geschieht etwa, wenn beim Umschulden unterschiedliche Kredite zusammengefasst werden.

Denkbar ist eine Situation, in der ein Ratenkredit bei einem Kaufhaus, ein Autokredit und ein überzogenes Konto in einem Kredit bei der Hausbank zusammengefasst werden. Dann werden die Kreditgeber des Kaufhauses und des Autohändlers ausbezahlt. Die Bank freut sich über einen höheren Kredit. Der Kunde spart in vielen Fällen insgesamt Zinsen. Wie groß der Spareffekt am Ende ist, hängt aber auch von diversen anderen Kostenfaktoren ab. So können erneute Kreditgebühren die Zinsersparnis aufwiegen.

Eine Umschuldung setzt üblicherweise eine entsprechende Kreditwürdigkeit voraus. Es kommt aber auch vor, dass im Rahmen von Entschuldungsverfahren umgeschuldet wird.

Grundsätzlich sollte man die Erleichterung, die häufig mit der erfolgten Umschuldung einhergeht, nicht als Ruhekissen verstehen. Häufig ist für Privathaushalte die Umschuldung die allerletzte Chance zur Regulierung einer Finanzkrise, um das ganz große Desaster zu vermeiden. Diese Chance sollte unbedingt genutzt werden. Wenn nach einer Umschuldung bereits in wenigen Monaten wieder ein Überziehungskredit notwendig wird, sind die richtigen Weichen für eine positive Entwicklung noch nicht gestellt worden.

Vorsicht mit dem Profi

Der Angestellte des Kreditunternehmens ist üblicherweise in Finanzgeschäften versierter als der Kreditnehmer und bemüht, an dem Kredit zu verdienen. Diese Fakten sollte man dem Angestellten nicht übel nehmen, aber auch nicht vergessen. Sie gelten auch dann, wenn die Abzahlung eines Kredites von der ursprünglichen Kreditvereinbarung abweicht.

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