Die häufigsten Fehler bei der Kreditaufnahme

Niemand nimmt leichtfertig einen Kredit auf. Meistens geht es darum, eine größere Anschaffung – beispielsweise ein Auto oder ein Haus – zu finanzieren, und in der Regel ist der Kreditnehmer viele Jahre an die Bank, die das Darlehen vergibt, gebunden. Daher ist es wichtig, schon im Vorfeld zu versuchen, Fehler zu vermeiden.

Ein Verkäufer ist kein Berater

Auch wenn die Angestellten der Bank offiziell Kreditberater genannt werden, sind sie doch in erster Linie Verkäufer der bankinternen Produkte. Auch wenn Sie bereits seit vielen Jahren Kunde dieser Bank sind, sollten Sie sich über andere Möglichkeiten informieren, um im Verkaufsgespräch gut vorbereitet zu sein.

Schlechte Vorbereitung auf das Kreditgespräch

Sie sollten sich auf das Kreditgespräch gut vorbereiten und im Vorfeld recherchiert haben, wie die Kapitalmarkt- und Zinssituation aktuell aussieht. Auch sollten Sie alle notwendigen Unterlagen – also zum Beispiel die Meldebescheinigung, aktuelle Kreditverträge, Unterlagen über allfällige Sicherheiten sowie Ihre Gehaltsabrechnungen – mitnehmen. Versuchen Sie, das Gesprächsklima angenehm zu gestalten, denn die Bankmitarbeiter entscheiden nicht nur aufgrund der „beinharten Fakten“ – es fließen durchaus auch persönliche Elemente in die Gesamtbewertung mit ein.

Nicht das erste Angebot annehmen

Die Banken buhlen um die Kunden. Daher ist es wichtig, in Ruhe zu vergleichen. Nehmen Sie also auf keinen Fall das erste Angebot, das Ihnen Ihre Hausbank unterbreitet, an. Vergleichen Sie, informieren Sie sich über die aktuelle Zinssituation und holen Sie zumindest fünf verschiedene Angebote ein. Damit haben Sie dann eine solide Grundlage, um eine gute Entscheidung zu treffen.

Achten Sie auf die Zinsen!

Die Zinsgestaltung Ihres Darlehens kann entweder variabel oder fix sein. Fix bedeutet, dass Sie genau wissen, wie viel Sie im Monat zurückzahlen müssen. Der Nachteil ist, dass Ihre Raten, auch wenn sich die Kapitalmarktsituation zu Ihren Gunsten verändern sollte, gleich hoch bleiben. Wenn Sie sich für einen variablen Kredit entscheiden, so sind die Zinsen an die Entwicklungen am Geldmarkt gebunden. Das kann gut oder schlecht sein – niemand weiß, wie sich die Zinsen in den nächsten Jahren entwickeln werden. Grundsätzlich ist es so, dass die Banken beim Kreditvergleich mit günstigen Zinssätzen werben. Diese erhalten in der Praxis aber nur Personen mit ausgesprochen guter Bonität – das sollten Sie immer im Hinterkopf behalten!

Fallen Gebühren an?

Zu den monatlichen Raten kommen mitunter noch Spesen und Gebühren hinzu. Auch auf diesen Punkt sollten Sie achten, denn falls die Spesen ein prozentualer Anteil der Kreditsumme sind, kann sich die Gesamtschuld sehr schnell erhöhen. In der Regel können Sie aber über die Gebühren mit dem Bankinstitut gut verhandeln – Sie sollten daher dieses Thema auf jeden Fall ansprechen.

Brauchen Sie die angebotene Versicherung wirklich?

In der Regel wird Ihnen zum Kredit eine Restschuldversicherung angeboten werden. Das ist durchaus sinnvoll, würde sie doch im Todesfall den ausstehenden Betrag übernehmen. Allerdings verfügen viele Kreditnehmer ohnehin über eine Lebensversicherung, die für den Kredit vinkuliert werden könnte. Durchforsten Sie also im Rahmen der Vorbereitung auf das Kreditgespräch Ihre Policen!

Den eigenen finanziellen Spielraum nicht überschätzen

Wie schon erwähnt, ist ein Kredit eine Finanzierungsform, die Sie viele Jahre lang finanziell belasten wird. Erstellen Sie daher eine Haushaltsrechnung, um zu sehen, ob Sie sich den Kredit überhaupt leisten können und wie hoch die Rate maximal sein dürfte. Sie stellen also einfach die Einnahmen und die Ausgaben gegenüber – das, was übrig bleibt, ist das sogenannte „frei verfügbare Einkommen“, mit dem Sie die Kreditrate bedienen können. Seien Sie aber ehrlich zu sich selbst – es nutzt niemandem, wenn Sie sich finanziell übernehmen und nach kurzer Zeit noch größere Sorgen haben also heute.

Tilgung zu vorsichtig berechnet

Die Tilgung ist die Geldsumme, die Sie monatlich abbezahlen möchten, bis die Bank das Geld zurückhat. Mit der Höhe der Tilgung berechnet sich die Dauer der Kreditlaufzeit. Sind Sie hier zu vorsichtig, treiben Sie die Kosten des Kredites in die Höhe. Zwar sollten Sie sicher sein, das Geld auch immer zur Verfügung zu haben, Sie müssen sich dabei aber nicht auf jede Eventualität vorbereiten. Die Tilgung eines Hauskredites kann zum Beispiel einer großzügigen Kaltmiete entsprechen. Aber auch bisherige Rücklagen für Bausparverträge oder Ähnliches darf nun in die Tilgung fließen. Wenn die Rückzahlung auf 30 oder mehr Jahre ausgelegt wird, ist das wahrscheinlich nicht in Ihrem Sinne.

Sondertilgungsrechte vergessen

Ein Sondertilgungsrecht gibt Ihnen die Möglichkeit, nach einem guten Jahr einen großen Teil des Kredites außerplanmäßig zurückzuzahlen. Je schneller der Kredit abbezahlt ist, desto weniger Zinsen fallen dafür an. Der Vorteil der Sondertilgung ist, dass Sie zu dieser Zahlung nicht verpflichtet sind. Kommen also unerwartete Ausgaben auf Sie zu, läuft der Kredit einfach weiter wie geplant. Bei der Kreditaufnahme dürfen die Sondertilgungen aber nicht in den effektiven Zinssatz eingerechnet werden. Dies würde die Kosten wahrscheinlich zu niedrig wiedergeben, weil Sie die Sondertilgung nicht in jedem Jahr in vollem Umfang nutzen werden.

Eigenkapital unterschätzt

Die Kreditsumme sollte immer so niedrig wie möglich angesetzt werden. Was der Kunde an Eigenanteilen nutzen kann, sollte immer zuerst beachtet werden. Zwar kann auch die Unterfinanzierung teuer werden. Wenn die Zinsen so niedrig sind wie aktuell, kann es manchmal sinnvoll sein, einen alten Bausparvertrag oder ähnliche Ersparnisse ruhen zu lassen. Dies ist aber sehr selten der Fall. So ist bei Fondsanteilen zum Beispiel zu beachten, dass die Gewinne hier nicht garantiert sind. Fonds und Aktien nicht heranzuziehen, um die Kreditsumme zu verringern, entspricht dem Risiko eines Aktienkaufs auf Kredit. Bei Bundeswertpapieren dagegen werden die guten Zinsen oft zulasten aktueller Kursgewinne überschätzt. Auch hier ist ein frühzeitiger Verkauf oft günstiger als die höhere Kreditsumme. Leider ist es nicht immer möglich, langfristige Anlagen pünktlich aufzulösen, doch zumindest als Sicherheit können auch diese sehr gut dienen.

Ende der Zinsbindung zu optimistisch berechnet

Nach zehn Jahren fällt die Zinsbindung eines Kreditvertrages. Wer jetzt noch eine Restschuld hat, muss neu verhandeln. Bei den aktuell niedrigen Zinsen ist nicht zu erwarten, dass es in zehn Jahren ähnlich gute Bedingungen geben wird. Die Kosten sollten daher mit einem höheren Anschlusszins durchgerechnet werden, um den tatsächlichen Vorteil einer hohen Tilgung besser abschätzen zu können.