Der Umschuldungskredit

Ein Umschuldungskredit stellt keine neue Verbindlichkeit im eigentlichen Sinne dar, sondern zielt auf eine Neustrukturierung bestehender Zahlungsverpflichtungen ab. In der Regel handelt es sich bei einem Umschuldungskredit um einen neu aufgenommenen Ratenkredit zur Tilgung bzw. Ablösung eines oder mehrerer älterer Darlehen.

Mit einer Umschuldung können diverse Ziele verfolgt werden. Hierzu gehören in erster Linie:

  • die Schaffung von mehr Transparenz durch das Zusammenführen und Bündeln verschiedener Kredite bei gegebenenfalls unterschiedlichen Gläubigern;
  • die Schaffung einer geregelten Rückführung für bestehende Rahmenkredite ohne Rückzahlungsvereinbarung (u. a. Dispositionskredite), indem diese an eine feste Tilgungsvereinbarung gekoppelt werden;
  • die Anpassung und Optimierung der Zinsen und Laufzeiten an eine veränderte Finanzsituation;
  • die finanzielle Entlastung des Kreditnehmers durch eine geringere monatliche Belastung und längere Laufzeit, um das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit zu verringern

Tipp: Teure Rahmenkredite wie Dispositionskredite sollten hinsichtlich einer Umschuldung und Umwandlung in einen Ratenkredit geprüft werden. Hier kann ein Umschuldungskredit zu einer erheblichen Ersparnis führen!

Bei Darlehen mit langen Laufzeiten kann sich die regelmäßige Überprüfung der Bedingungen am Markt lohnen, um ein positives Potenzial für eine Umschuldung zu erkennen. Ein Umschuldungskredit ist immer dann interessant, wenn die geänderten Kreditbedingungen die Aufnahme eines neuen Kredits zu günstigeren Konditionen ermöglicht. Aufgrund des stetig wachsenden Wettbewerbs, insbesondere durch die steigende Zahl der Direktbanken, sind bessere Kreditkonditionen häufiger anzutreffen. Vornehmlich ältere Kredite korrelieren oftmals mit teureren Konditionen.

Wann lohnt sich ein Umschuldungskredit?

Eine Umschuldung bietet insbesondere in Zeiten niedriger Zinsen die Möglichkeit, vertragliche Bedingungen an die eigene finanzielle Situation anzupassen und einen höher verzinslichen durch einen niedriger verzinslichen Kredit abzulösen und somit die Kreditkosten zu reduzieren.

Tipp: Je größer die Differenz zwischen dem Zins bei Abschluss des Kreditvertrages und dem aktuellen Zinsniveau, desto lohnender kann eine Umschuldung sein!

Liegt beispielsweise eine Verschlechterung der Einkommenssituation vor, sodass sich die Liquidität des Kreditnehmers nicht länger aufrechterhalten lässt, können im Rahmen einer Umschuldung eine längere Laufzeit und damit geringere Monatsraten ausgehandelt werden. Umgekehrt kann bei einer finanziellen Besserstellung eine geringere Darlehenssumme vereinbart und der Kredit entsprechend vorzeitig getilgt werden.

Alternativ geht eine unveränderte monatliche Belastung mit einem höheren Tilgungsanteil und somit mit einer kürzeren Kreditlaufzeit einher. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Aufstockung der ursprünglichen Kreditsumme im Rahmen einer Umschuldung. Bleiben in diesem Fall Kredithöhe und Laufzeit bei günstigeren Konditionen unverändert, wird eine Restkreditsumme für weitere Anschaffungen frei und bietet Ihnen mehr Flexibilität.

Welche Kosten können mit einer Umschuldung verbunden sein?

Es besteht kein Anspruch auf eine Umschuldung eines Immobilien- oder Kreditvertrags, sodass Sie auf die Zustimmung der ursprünglich Kredit gebenden Bank angewiesen sind. Banken sind daran interessiert, dass die vereinbarten Kreditraten bis zum Ende der Kreditlaufzeit gezahlt werden. Zudem steigt der Gewinn der Bank mit der Länge der Kreditlaufzeit, weshalb eine Umschuldung zumeist nicht im Interesse der Bank ist. In aller Regel stimmt ein Kreditinstitut nur dann einer Umschuldung zu, wenn der dadurch entstandene ökonomische Nachteil für die Bank in Form einer Vorfälligkeitsentschädigung kompensiert wird.

Die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung hängt insbesondere von der Kreditrestlaufzeit und dem zum Rückzahlungszeitpunkt geltenden Zinsniveau ab. Entsprechend kann eine Umschuldung bei einer langen Restlaufzeit und/oder deutlich niedrigerem Zinsniveau an hohe Kosten gekoppelt sein. Hier gilt es genau zu prüfen, ob ein Umschuldungskredit zu der gewünschten Ersparnis führt.

Demgegenüber können kurzfristige Verbindlichkeiten zu jedem Zeitpunkt und ohne vorherige Ankündigung umgeschuldet werden. Die vorzeitige Tilgung von Ratenkrediten ist im Zuge der Umsetzung der Verbraucherkreditrichtlinie der Europäischen Union 2010 gesetzlich geregelt worden.

Ratenkredite, die vor dem 11. Juni 2010 aufgenommen wurden (sogenannte Altverträge), können unter Einhaltung der allgemeinen dreimonatigen Kündigungsfrist zu jedem Zeitpunkt umgeschuldet werden, ohne dass das abzulösende Kreditinstitut bei vollständiger Tilgung eine Vorfälligkeitsentschädigung geltend machen kann. Bei Teilrückzahlungen sind die im Kreditvertrag geregelten Konditionen maßgeblich. Ratenkredite mit festem Zinssatz, die nach dem 11. Juni 2010 aufgenommen wurden, können zu jedem Zeitpunkt unter Einhaltung der einmonatigen Kündigungsfrist gegen eine Vorfälligkeitsentschädigung von bis zu einem Prozent der Restschuld umgeschuldet werden.

Grundpfandrechtlich gesicherte Immobiliendarlehen können hingegen lediglich dann im Rahmen eines Umschuldungskredits abgelöst werden, wenn die Zinsbindung abgelaufen ist.

Beispiel: Im Falle einer Zinsfestschreibungszeit von mehr als zehn Jahren besteht zehn Jahre nach der letzten Zinsanpassung die Möglichkeit, unter Beibehaltung der sechsmonatigen Kündigungsfrist das bestehende Darlehen zu kündigen, ohne dass eine Vorfälligkeitsentschädigung anfällt.

Daneben kann der Kredit umgeschuldet werden, wenn die Zustimmung des ursprünglichen Kreditgebers vorliegt. Verpflichtet ist er dazu nicht. Zudem kann er in einem solchen Fall eine Vorfälligkeitsentschädigung zur Kompensierung des Refinanzierungsschadens und des entgangenen Gewinns geltend machen.

Im Gegensatz zu variablen Krediten ist der Kreditnehmer während der vereinbarten Zinsbindungsfrist vertraglich gebunden. Gesetzlich wird ein außerordentliches Kündigungsrecht vor Ablauf der Zinsbindung lediglich bei Vorliegen eines berechtigten Interesses eingeräumt. So kann beispielsweise ein Immobilienkredit lediglich dann vorzeitig abgelöst werden, wenn das Beleihungsobjekt unbelastet verkauft werden soll oder als Sicherheit für ein weiteres Darlehen benötigt wird. Die Kredit gebende Bank kann in diesem Fall einen Ausgleich verlangen, der vom Zinssatz abhängt. Hierbei gilt: Je niedriger der Zinssatz, desto höher der Ausgleich.

Viele Kreditinstitute übernehmen oftmals die Abwicklung der Umschuldung und die damit zusammenhängenden Formalitäten im Gegenzug für eine Neukundengewinnung.

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